Wahlkampf bizarr Bachmann nennt "Irene" ein Zeichen Gottes

Tea-Party-Frau Michele Bachmann witzelt über einen Zusammenhang zwischen Naturkatastrophen und US-Politik. Im Wahlkampf bezeichnete sie das Erdbeben an der Ostküste und Wirbelsturm "Irene" als Botschaft Gottes an Washington - war das wirklich ein Scherz, wie sie behauptet?

DPA

Miami - Michele Bachmann ist für markige Worte bekannt, auch deswegen ist die Republikanerin in der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung so beliebt. Doch nun könnte sie zu weit gegangen sein. Bei mindestens zwei Wahlkampfveranstaltungen am Wochenende sagte die Präsidentschaftsbewerberin, Hurrikan "Irene" sei ein Zeichen Gottes an die Verantwortlichen in Washington - ein Witz, wie sie sich im Nachhinein verteidigte.

Nach dem Aufsehen, das ihre Äußerungen hervorriefen, behauptete Bachmann am Montag, sie habe einen Scherz machen wollen. "Natürlich habe ich nur Spaß gemacht, als ich das sagte. Ich habe viel Sinn für Humor." Ein Versuch, abzulenken von ernst gemeinten Worten? Unklar.

Schaut man sich das Video von der Veranstaltung an, lassen sich Bachmanns Aussagen durchaus als Satire deuten. Die Aufnahmen zeigen die Politikerin bei einer Debatte mit einer Gruppe von Senioren in Poinciana im US-Bundesstaat Florida. Darin sagt sie: "Washington D.C., man sollte meinen, die hätten das inzwischen begriffen. Ein Erdbeben, ein Hurrikan. Hört ihr eigentlich noch hin?" Sie streckt die Hände gen Himmel, in einer geradezu flehenden Geste, ein Lächeln auf den Lippen. "Das amerikanische Volk hat alles getan, was es konnte, und nun war es an der Zeit für höhere Gewalt, und die haben wir nun gesehen."

Bei einer zweiten Veranstaltung am Sonntag in Sarasota hatte sich Bachmann ähnlich geäußert. "Ich weiß nicht, was Gott noch alles tun muss, damit Politiker endlich darauf aufmerksam werden. Erst gab es ein Erdbeben, dann einen Hurrikan. Er wollte damit sagen: 'Fangt ihr jetzt endlich an, mir zuzuhören?'" Außerdem wird sie mit den Worten zitiert: "Hört auf das amerikanische Volk, denn das amerikanische Volk schreit derzeit. Es weiß, dass die Regierung sich krankhaft fettsüchtig ernährt, dabei müssen wir die Ausgaben im Rahmen halten."

Humor auf Kosten der Opfer?

In dem Video aus Florida sind lachende Zuschauer zu sehen und lautes Gelächter zu hören, als Bachmann ihre Kritik an der Regierung von US-Präsident Barack Obama - so scheint es - auf Kosten der "Irene"-Opfer macht. Und daran kann man sich durchaus stoßen, bedenkt man die Folgen des Sturmes. "Irene" kostete an der Ostküste der Vereinigten Staaten mindestens 32 Menschen das Leben und richtete Schäden in Höhe von mehreren Milliarden Dollar an.

Den vermeintlichen Humor von Michele Bachmann kommentiert die "Washington Post" trocken mit "haha". Insgesamt jedoch scheinen sich die amerikanischen Politjournalisten und -blogger unsicher zu sein, ob Bachmanns Aussagen von höherer Gewalt denn nun tatsächlich bloß ein Scherz waren. "Washington Post"-Autor Brad Hirschfield schreibt in seinem Blog "For God's Sake" sogar, die Politikerin sei einen "gefährlichen Schritt zu weit" gegangen. Ihre Behauptungen würden nahe legen, Bachmann halte sich für eine Prophetin mit dem direkten Draht zu Gott.

Michele Bachmann will für die Republikaner im kommenden Jahr gegen US-Präsident Obama antreten, den sie in den vergangenen Monaten immer wieder heftig angegriffen hat. Vor allem in der Debatte um das Sparpaket hatte die Tea Party sich quergestellt. In den Umfragen liegt Bachmann allerdings hinter ihren innerparteilichen Mitbewerbern Rick Perry und Mitt Romney zurück.

Anm. d. Red.: In einer früheren Fassung war die englische Formulierung "act of God" mit "Akt Gottes" übersetzt. Korrekt lautet die Übersetzung "höhere Gewalt". Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

ffr/can/Reuters/dapd



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insgesamt 204 Beiträge
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Seite 1
saarländerin1 29.08.2011
1. Hoffnung...
dass diese Wahlkampfpraktiken nicht auch noch bei uns Einzug halten..Bigotterie par excellence, die der amerikanische Wähler hoffentlich gebührend honoriert..
Meskiagkasher 29.08.2011
2. Aber jetzt
will ich von keinem was schlechtes über die Fundamentalistenfrau mit der Hexenvergangenheit hören, der nicht auch den Papstbesuch anprangert. Religionisten sind alle gleich. Zu Frau Bachmann höre man, was Bill Maher zu sagen hat ;-)
knubbel74 29.08.2011
3. Wahnsinn
Da muss man sich echt fragen, ob die alle Latten am Zaun hat? Oder herzhaft lachen und den USA solch eine Präsidentin wünschen. Vielleicht ist es auch ein Zeichen Gottes, dass die Teaparty die falsche Wahlstrategie benutzt und endlich mal damit aufhören muss. Oder das BigMacs bei McD zu teuer sind, oder dass alle Jugendlichen in Amerika zu dünn sind. Endlose Weiten im Feld der Interpretation.
martin-gott@gmx.de 29.08.2011
4. Verlieren
wenn sie die Wahl verliert ist das denn auch ein Zeichen Gottes oder eine schwere Prüfung
Achim 29.08.2011
5. Gewalt
Zitat von sysopTea-Party-Frau Michelle Bachmann sieht offenbar einen Zusammenhang zwischen Naturkatastrophen und US-Politik. Im Wahlkampf bezeichnete sie das Erdbeben an der Ostküste und Wirbelsturm "Irene" als "Akt Gottes". Das Zeichen sei gegen Washington gerichtet - ein Scherz,*behauptet nun eine Sprecherin. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,783218,00.html
Dazu müsste man natürlich wissen, dass "act of God" die englischsprachige Bezeichnung für "höhere Gewalt" ist. (Was also wäre es, wenn Frau Bachmann bei der Besichtigung eines Geysirs von selbigem verschlungen würde?)
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