Wahlkampf in Frankreich Royal und Sarkozy starten heiße Phase

Die aussichtsreichsten Kandidaten für das Präsidentenamt in Frankreich bringen ihren Wahlkampf in Schwung. Ségolène Royal präsentierte einen "Präsidentschafts-Pakt" mit Wahlversprechen, Sarkozy will "zu allen Franzosen sprechen".


Villepinte/Paris - Zweieinhalb Monate vor den französischen Präsidentschaftswahlen haben die Favoriten Ségolène Royal und Nicolas Sarkozy am Sonntag die heiße Wahlkampf-Phase eingeläutet. Vor tausenden Anhängern präsentierte die sozialistische Kandidatin Royal ihren "Präsidentschafts-Pakt" mit hundert Vorschlägen, die sie nach einem Sieg bei den Wahlen im Frühjahr in die Tat umsetzen will. Zahlreiche Punkte stammen aus dem Sozialisten-Programm, andere greifen Vorstöße Royals auf oder sind Frucht von gut 6500 Bürgerdebatten. Royals wichtigster Rivale, der konservative Innenminister Sarkozy, stellte sich unterdessen als Kandidat der Öffnung dar.

Ségolène Royal: "Mit mir wird Politik nie wieder ohne Euch gemacht"
AFP

Ségolène Royal: "Mit mir wird Politik nie wieder ohne Euch gemacht"

"Mit mir wird Politik nie wieder ohne Euch gemacht werden", versprach Royal den Franzosen. Frankreich müsse erneuert werden und brauche jeden, um die gegenwärtigen Krisen zu überwinden, fügte die 53-jährige, aussichtsreichste Kandidatin der linken Opposition hinzu, die bei ihrer Rede in einer Messehalle in Villepinte bei Paris mit stürmischem Applaus gefeiert wurde.

Als Präsidentin will Royal unter anderem ihren umstrittenen Vorstoß umsetzen, jugendlichen Straftätern mit militärischem Drill zu begegnen. Mit Hilfe sogenannter Bürger-Jurys sollen Bürger zwischen den Wahlen verstärkt in Entscheidungen eingebunden werden. Über Bürgerbegehren soll das Parlament zur Befassung mit Gesetzesvorhaben verpflichtet werden, wenn dafür mehr als eine Million Unterschriften zusammenkommen. Dieser Punkt ihres "Pakts" stammt ebenso aus dem Programm der Sozialisten wie die geplante Erhöhung des Mindestlohns auf monatlich 1500 Euro oder die Erhöhung der geringfügigen Renten um fünf Prozent.

Um ihr Programm auf die Wünsche der Bevölkerung abzustimmen und konkrete Ideen dazu zu erhalten, hatte Royal in den vergangenen Wochen rund 6000 Debatten im ganzen Land abhalten lassen. Nach Angaben ihrer Unterstützer kamen zudem 2,7 Millionen Beiträge zu ihrem Programm per Internet. Zu den von ihr übernommenen Ideen aus den Bürgerdebatten zählt unter anderem, Mindestrenten monatlich auszuzahlen und nicht mehr vierteljährlich.

Sarzoky: "Ich bin kein Konservativer"

Entlassene Beschäftigte sollen ein Jahr lang 90 Prozent ihres Gehaltes sowie eine Fortbildung erhalten. Der staatliche Zuschuss zum Schuljahresbeginn soll verdoppelt werden, das System der Pflichtschulen je nach Wohnsitz gelockert. Ihr Pakt beruhe auf "Rechten und Pflichten" für alle Franzosen, sagte Royal der Tageszeitung "Le Monde".

Umfragen zeigen Royal als eine der beiden Favoriten für die Nachfolge von Staatspräsident Jacques Chirac. Ihr wichtigster Rivale Sarkozy liegt allerdings seit seiner offiziellen Kür zum Kandidaten der konservativen Regierungspartei UMP vor vier Wochen vorn. Die Ex-Umweltministerin war in der Öffentlichkeit zuletzt deutlich weniger sichtbar gewesen als Sarkozy.

Die Sozialisten setzen darauf, dass die Vorlage ihres Paktes ihr nun wichtige Punkte bringt. "Heute beginnt der Wahlkampf wirklich", sagte Parteichef François Hollande in einer kämpferischen Rede in Villepinte. Das Land erwarte "eine klare Auseinandersetzung zwischen der Linken und der Rechten", fügte er hinzu. Hollande ist auch Royals Lebensgefährte und der Vater ihrer vier Kinder.

Sarkozy brachte unterdessen nach Angaben seiner Partei UMP 4000 Unterstützer aus dem ganzen Land in der Pariser Versammlungshalle La Mutualité zusammen. Er wolle "zu allen Franzosen" sprechen, während "andere zu den Mitgliedern der Sozialisten reden wollen", sagte der 52-Jährige. Etiketten seien ihm egal, doch er respektiere Überzeugungen, versicherte der UMP-Chef. "Dies ist meine Botschaft an die Franzosen." Sarkozy fügte hinzu: "Ich bin kein Konservativer und werde es niemals sein."

cis/AFP



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