Wahlkampf in Frankreich Sarkozy flüchtet vor Demonstranten

Am Ende bliebt ihm nur die Flucht in ein bewachtes Café: Nicolas Sarkozy ist bei einem Wahlkampfauftritt in Bayonne von wütenden Demonstranten empfangen worden - der französische Präsident wittert eine Aktion der Sozialisten.

AP

Bayonne - Als Nicolas Sarkozy in der Limousine vorgefahren wurde, wartete in der Hafenstadt Bayonne schon eine große Menschenmenge - zwar begrüßten ihn seine Anhänger mit "Nicolas"-Rufen, aber die Buhrufe und Pfiffe Hunderter Gegner waren deutlich lauter. "Sarko, Präsident der Reichen", riefen manche, andere warfen Flugblätter der Basken-Vereinigung Batera in die Luft. Viele Sarkozy-Gegner trugen Plakate von François Hollande, der bei der Präsidentschaftswahl im April für die Sozialisten gegen den konservativen Amtsinhaber antritt.

Es wurde richtig ungemütlich für Sarkozy: Die Pöbeleien und Beschimpfungen nahmen kein Ende, in den engen Gassen Bayonnes musste sich der Präsident regelrecht seinen Weg bahnen. Als baskische Separatisten mit Papierkugeln auf ihn warfen, wurde es dem Staatschef zu heikel - er flüchtete sich in die Bar du Palais im Zentrum Bayonnes. Spezialeinsatzkräfte der Polizei marschierten auf und sicherten das Café, um weitere Krawalle zu verhindern. Demonstranten gelang es dennoch, Eier gegen die Scheiben des Cafés zu werfen. Er lasse sich von einer Gruppe von Unruhestiftern nicht aufhalten, sagte Sarkozy trotzig: "Wir sind hier in Frankreich", und er gehe an jeden Ort, den er besuchen wolle. Wenn das gewissen Leuten nicht passe, sei das deren Problem.

Rund eine Stunde harrte Sarkozy in dem Café aus und sprach dort mit Bürgern der Stadt. Aus der Sicherheit des Lokals heraus verurteilte er "die Gewalt einer Minderheit und ihr inakzeptables Verhalten". Später verließ Sarkozy das Café - beschützt von der Polizei, ein Regenschirm wurde aufgespannt, um mögliche Ei-Attacken abzuwehren.

Sarkozy war sichtlich wütend: Die Proteste seien von seinen Rivalen von der sozialistischen Partei organisiert worden. Sie würden sich mit baskischen Untergrundkämpfern zusammentun. Auch Sarkozys Wahlkampfsprecherin Nathalie Kosciusko-Morizet warf den Sozialisten vor, Demonstrationen zu organisieren und dabei auch mit Basken zusammenzuarbeiten.

Hollandes Sprecherin Delphine Batho wies die Anschuldigungen zurück. Die Sozialisten unterstützten derartige Vorfälle nicht und verurteilten jede Form von Gewalt. Wie eine Journalistin der Nachrichtenagentur AFP berichtete, hatten in Bayonne zwar auch Anhänger der Sozialisten gegen Sarkozy demonstriert und unter anderem das Wahlprogramm von Hollande hochgehalten. An den Krawallen hätten sie sich jedoch nicht beteiligt. In Umfragen liegt Sarkozy derzeit deutlich hinter Hollande.

Zuletzt hatte die französische Polizei einen Mann festgenommen, der Sarkozy mit dem Tode gedroht haben soll. Der 45-Jährige hatte am Montag mehrfach bei der Polizei in Bordeaux angerufen und behauptet, er habe Geld dafür erhalten, den Präsidenten der Republik umzubringen. Der Mann war der Polizei bereits durch mehrere gewalttätige Übergriffe bekannt. Auch der sozialistische Kandidat Hollande wurde im laufenden Wahlkampf bereits mehrfach bedroht.

hen/Reuters/AFP

insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mischpot 01.03.2012
1. Vielleicht waren es
Zitat von sysopAPAm Ende bliebt ihm nur die Flucht in ein bewachtes Café: Nicolas Sarkozy ist bei einem Wahlkampfauftritt in Bayonne von wütenden Demonstranten empfangen worden - der französische Präsident wittert eine Aktion der Sozialisten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,818737,00.html
einfach nur französische Bürger die die "Schnauze" voll haben von den Lügen solcher Politiker wie Sarkozy.
technik68 01.03.2012
2. ja, aber...
Zitat von mischpoteinfach nur französische Bürger die die "Schnauze" voll haben von den Lügen solcher Politiker wie Sarkozy.
Es ist ja wie in den meisten europäischen Nachbarstaaten, Deutschland inbegriffen, auch hier in Frankreich so, dass es keine wirkliche Alternative gibt. Wahlen scheinen in der freiheitlich-demokratischen westlichen Welt allgemein zu einer Entscheidung zwischen Pest und Cholera zu werden. Und so lange dieser Zustand anhält, ist es letztlich egal, ob "die Bürgerlichen" oder "die Sozialisten" an der Macht sind. Die Klientelpolitik wird immer fokussierter, was die Schere zwischen arm und reich immer weiter aufspannt und für sozialen Zündstoff sorgt.
ANDIEFUZZICH 01.03.2012
3. Der Anfang vom Ende..."
Zitat von sysopAPAm Ende bliebt ihm nur die Flucht in ein bewachtes Café: Nicolas Sarkozy ist bei einem Wahlkampfauftritt in Bayonne von wütenden Demonstranten empfangen worden - der französische Präsident wittert eine Aktion der Sozialisten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,818737,00.html
Also dazu gibt es zweierlei anzumerken. 1.) Helmut K musste seinerzeits von seinen Sicherheitsbeamten davon abgehalten werden, den Eierwerfer persönlich zu vermöbeln. 2.) Wenn Sarkozy geglaubt hat, die demonstrative Enge zu Merkel würde ihm guttun, dann ist er einem klassischen Irrtum aufgesessen.
MatthiasHub 01.03.2012
4.
Zitat von sysopAPAm Ende bliebt ihm nur die Flucht in ein bewachtes Café: Nicolas Sarkozy ist bei einem Wahlkampfauftritt in Bayonne von wütenden Demonstranten empfangen worden - der französische Präsident wittert eine Aktion der Sozialisten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,818737,00.html
Selbst wenn es von den Sozialisten veranstaltet wurde was macht das schon? Ich denke mal Hollande kriegt auch sein Fett weg. Ehrlich gesagt würde ich Frau Merkel auch mal gerne mit Papierkugeln bewerfen, am besten mit dem Wahlprogramm der CDU. Oder gleich mit Steinen, das geht schneller...
seine-et-marnais 02.03.2012
5. Bayonne
Zitat von sysopAPAm Ende bliebt ihm nur die Flucht in ein bewachtes Café: Nicolas Sarkozy ist bei einem Wahlkampfauftritt in Bayonne von wütenden Demonstranten empfangen worden - der französische Präsident wittert eine Aktion der Sozialisten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,818737,00.html
Bayonne war schon immer in politischer Hinsicht ein heisses Pflaster, da es eine Hochburg der baskischen Nationalisten ist. In diesem Sinne in den engen Gassen spazierenzugehen ist einfach idiotisch fuer einen Praesidenten, und noch mehr fuer einen Kandidaten wie Sarkozy. Das zweite Element, der Wahlkampf ist mehr als ruppig, und das von allen Seiten. Wobei es vor allem zwei Duelle sind. Sarkozy und Hollande, und Mélenchon und Le Pen. Zum Kandidaten Sarkozy kann man nur sagen, er erzaehlt genau das gleiche wie 2007, besucht die gleichen Orte wie 2007, als waere er nie 5 Jahre Praesident gewesen. Dabei macht er mehr oder weniger die gleichen Versprechungen und laesst sich als 'Kandidat des Volkes' feiern. Wenn dann noch die Dati in einem Kleidchen das mehr kostet als eine vielkoepfige Familie im Monat zum Leben zur Verfuegung hat davon spricht dass Sarkozy gegen die Eliten kaempft, kommt man sich leicht verarscht vor. Noch zwei Anmerkungen: lt Presse wird wohl Merkel nicht mehr in Frankreich im Wahlkampf auftreten, zu kontraproduktiv, und es gibt bereits jetzt zuhauf Pressemeldungen dass bei einer Wahl Hollandes 'der Markt' gegen Frankreich interveniert, also versucht Frankreich unter Druck zu setzen. Die Eierwerfer von links treffen Deutschland nicht, aber finanzielle Manipulationen von enttaeuschten Sarkozy-Unterstuetzern sehr wohl.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.