Washington - Jetzt haben die Wähler das Wort: In den Vereinigten Staaten hat in der Nacht zum Dienstag traditionell im Dorf Dixville Notch im nordöstlichen Bundesstaat New Hampshire die Präsidentschaftswahl begonnen (verfolgen Sie die aktuelle Entwicklung im Liveticker). Dort gab es ein Patt: Präsident Barack Obama und sein republikanischer Rivale Mitt Romney erhielten dort jeweils fünf Stimmen.
Die Stimmauszählung in Dixville Notch wirkt wie ein Omen für die gesamte Wahl: Denn das Ergebnis dort spiegelt das bundesweit erwartete Kopf-an-Kopf-Rennen wider. In den Umfragen liegen die beiden Rivalen denkbar knapp beieinander, so lieferten sie sich einen überaus harten Wahlkampf bis zur letzten Sekunde.
Am Dienstagmorgen bildeten sich zur Öffnung der Wahllokale teils lange Schlangen. Der Sender CNN zeigte Bilder aus Miami mit einer Menschenansammlung, die quer über eine Straße bis zum nächsten Häuserblock reichte. Auch in Hoboken im US-Bundesstaat New Jersey standen die Wähler Schlange. Diese Gegend war von Wirbelsturm "Sandy" stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Menschen, die wegen der Sturm- und Flutschäden ihr Haus verlassen mussten, dürfen auf Anweisung von Gouverneur Chris Christie per E-Mail oder Fax wählen.
Entsprechend warben hier auch die jeweiligen Vizes um Stimmen. Der Demokrat Joe Biden traf überraschend in Cleveland ein, der zweitgrößten Stadt in Ohio. Dort war auch Romneys Nummer zwei, Paul Ryan, unterwegs. Der 42-jährige Ryan will im Tagesverlauf noch in Virginia auftreten.
Anschließend wollte Romney daheim in Boston die Ergebnisse abwarten. Wählen gingen er und seine Frau Ann am Morgen in der Nähe ihres Heimatorts Belmont im Staat Massachusetts. Auf einer Veranstaltung in New Hampshire am Vorabend attackierte Romney nochmals Obamas Wirtschaftspolitik. Romney versprach den Wählern, den Wandel zu bringen, den der Amtsinhaber nicht zustande gebracht habe.
Aggressive Jagd auf Stimmen
Obama und Romney hatten den Menschen in den USA in den vergangenen Monaten während der aggressiven Jagd auf Stimmen deutlich gemacht, dass sie sehr unterschiedliche Ansichten zur Zukunft des Landes haben. Beide Seiten zeigten sich überzeugt, dass die Entscheidung am Wahltag weitreichende Konsequenzen für die USA haben wird, die immer noch auf dem Weg aus der schwersten Wirtschaftskrise seit den dreißiger Jahren sind. Strittig ist dabei vor allem, welche Rolle der Staat bei der Lösung der wirtschaftlichen Probleme spielen soll.
Obama verzichtete unterdessen am Wahltag auf weitere Auftritte: Er wollte nach Angaben einer Sprecherin den Dienstag in seiner Heimatstadt Chicago verbringen und sich in Fernseh- und Radiointerviews an die noch unentschiedenen Bürger wenden. Außerdem wollte er seinem Wahltagsritual folgen und mit Freunden und engen Beratern Basketball spielen.
Auch Obama hat bereits gewählt. Wie er machten mehr als 30 Millionen Bürger in den vergangenen Wochen von der Möglichkeit der Briefwahl oder der vorgezogenen Stimmabgabe Gebrauch; ausgezählt wird aber erst am Wahltag.
Ergebnisse wird es erst am Mittwoch geben. Als entscheidend gelten besonders die Resultate in neun US-Staaten, in denen der Sieger nur schwer vorherzusagen war. Mit am wichtigsten dabei gilt der Wahlausgang in Ohio im Mittleren Westen.
bos/dapd/AFP
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