Wahlkampf-Populismus: Sarkozy fordert weniger Ausländer in Frankreich

Frankreichs Präsident Sarkozy wirkt im Wahlkampf zunehmend verzweifelt - und setzt auf populistische Töne. Im Fall seiner Wiederwahl will er, selbst Sohn eines Ungarn und mit einer gebürtigen Italienerin verheiratet, die Zahl von neuen Immigranten fast halbieren.

Wahlkämpfer Sarkozy: Weniger Einwanderer und weniger Leistungen für Immigranten Zur Großansicht
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Wahlkämpfer Sarkozy: Weniger Einwanderer und weniger Leistungen für Immigranten

Paris - Wenn schon die Umfragewerte nicht stimmen, versucht er es eben mit der Brechstange: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat angekündigt, im Falle seiner Wiederwahl die Aufnahme von Einwanderern in Frankreich zu begrenzen. Die Zahl der jährlich aufgenommenen Immigranten solle von derzeit 180.000 auf rund 100.000 nahezu halbiert werden, sagte Sarkozy am Dienstagabend im Fernsehsender France 2. Bestimmte Sozialleistungen sollten Einwanderer künftig nur dann erhalten, wenn sie mindestens zehn Jahre in Frankreich gelebt und fünf Jahre dort gearbeitet hätten.

Es gebe einfach "zu viele Ausländer" in Frankreich, sagte Sarkozy. Es sei nicht länger möglich, für alle Immigranten Unterkünfte, Arbeit und Schulen bereitzustellen.

Sarkozy kündigte außerdem an, im Fall seiner Wiederwahl eine neue Nahost-Friedensinitiative zu starten. Er würde unmittelbar nach seiner Wahl zunächst Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin treffen, wenige Tage später stünde dann ein Besuch in Israel an. Es gehe darum, 2012 zum Jahr des Friedens in der Region zu machen. Der Konflikt dort dauere schon viel zu lange, sagte Sarkozy.

Der in Umfragen weiter hinter seinem sozialistischen Herausforderer François Hollande liegende konservative Präsident relativierte sein Popularitätstief, bedauerte frühere öffentliche Imagefehler und machte sich in einem anschließenden Streitgespräch mit dem einstigen sozialistischen Premierminister Laurent Fabius über seinen politischen Gegner lustig. Hollande sei ein netter Mensch ohne jegliche Regierungsverantwortung, der es allen recht machen und nicht nein sagen könne, meinte Sarkozy. Fabius forderte einen anderen Regierungsstil, der die Werte der Republik stärker betone und hielt Sarkozy ein Scheitern seiner Politik vor.

Hollande baute seinen Vorsprung auf Sarkozy zuletzt leicht aus. In der ersten Runde am 22. April kann Hollande mit 30 Prozent der Stimmen rechnen (plus zwei Punkte), wie aus einer am Dienstag veröffentlichten CSA-Umfrage hervorgeht. Sarkozy käme auf 28 Prozent, ein Punkt mehr als bisher. In der zweiten Runde am 6. Mai, der Stichwahl, würden auf Hollande 54 Prozent, auf Sarkozy 46 Prozent entfallen. Die Kandidatin der Rechtsextremen, Marine Le Pen, verliert der Umfrage zufolge in der ersten Runde zwei Punkte auf 15 Prozent. Linkskandidat Jean-Luc Melenchon legt einen Punkt auf zehn Prozent zu. Die Hälfte der gut tausend Befragten rechnet mit einem Sieg Hollandes, elf Prozent mehr als zuvor. Nur 30 Prozent gehen von einer Wiederwahl Sarkozys aus (minus zwei Punkte).

hen/Reuters/dpa-AFX/AFP

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1. Typisch Sarkozy
bmehrens 07.03.2012
Zitat von sysopAFPFrankreichs Präsident Sarkozy wird im Wahlkampf zunehmend verzweifelt - und setzt auf populistische Töne. Im Fall seiner Wiederwahl will er, selbst Sohn eines Einwanderers und mit einer Einwanderin verheiratet, die Zahl von neuen Immigranten fast halbieren. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,819787,00.html
FR hat Nordafrika, Zentralafrika und Teile Südamerikas jahrhundertelang als Kolonien ausgebeutet - wenn diese Ausgebeuteten sich im "Mutterland" niederlassen wollen und sich etwas zurückholen wollen, ist "EINFUHRSTOPP" angesagt.
2. .
Methados 07.03.2012
Zitat von sysopAFPFrankreichs Präsident Sarkozy wird im Wahlkampf zunehmend verzweifelt - und setzt auf populistische Töne. Im Fall seiner Wiederwahl will er, selbst Sohn eines Einwanderers und mit einer Einwanderin verheiratet, die Zahl von neuen Immigranten fast halbieren. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,819787,00.html
Angesichts der erschreckenden Welle vom massivster Gewalt in Marseille und Umgebung und im Sommer auf der ganzen Cote D'Azure (immerhin Haupt Rückzugsgebiet der Franzosen in den Sommerferien), ist diese Forderung absolut korrekt.
3. Die Einwanderung
peterhausdoerfer 07.03.2012
Zitat von sysopAFPFrankreichs Präsident Sarkozy wird im Wahlkampf zunehmend verzweifelt - und setzt auf populistische Töne. Im Fall seiner Wiederwahl will er, selbst Sohn eines Einwanderers und mit einer Einwanderin verheiratet, die Zahl von neuen Immigranten fast halbieren. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,819787,00.html
in die sozialen Sicherungssysteme in Europa zu unterbinden ist vollkommen richtig denn sie ist entgegen den Interessen seiner Bürger. Jeder der die Gesellschaft stärkt, sei es wirtschaftlich oder im Zusammenhalt sollte willkommen sein, Menschen die eine wirtschaftliche Last darstellen oder sich zersetzend auf die Gesellschaft auswirken nicht. Europa ist für seine Bürger da.
4. stimmt
rl1972 07.03.2012
Zitat von sysopAFPFrankreichs Präsident Sarkozy wird im Wahlkampf zunehmend verzweifelt - und setzt auf populistische Töne. Im Fall seiner Wiederwahl will er, selbst Sohn eines Einwanderers und mit einer Einwanderin verheiratet, die Zahl von neuen Immigranten fast halbieren. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,819787,00.html
Da hat er ja auch völlig Recht mit . Die Arbeitslosenzahlen explodieren und für Sozialleistungen ist kein Geld mehr da . Lange kann man den Steuerzahlern in ganz Europa nicht mehr zumuten für Personen zu zahlen deren einzige Lebensleistung darin besteht herzukommen und die Hand aufzuhalten. Spon sieht natürlich 'Populismus' aufziehen sobald jemand das 'Sozialamt der Welt ' schliessen will ,stattdessen soll man doch lieber schön den Mund halten und höhere Steuern zahlen damit unsere Politiker auch weiterhin bei Migration in die Sozialsysteme wegsehen und diese weiter fördern können. Billig. Die Rückführung von nicht-europäischen Sozialleistungsbezieher wird kommen, die Frage ist nicht ob sondern nur wann
5.
munkelt 07.03.2012
Zitat von sysopAFPFrankreichs Präsident Sarkozy wird im Wahlkampf zunehmend verzweifelt - und setzt auf populistische Töne. Im Fall seiner Wiederwahl will er, selbst Sohn eines Einwanderers und mit einer Einwanderin verheiratet, die Zahl von neuen Immigranten fast halbieren. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,819787,00.html
Kommt wahrscheinlich auf die Einwanderer drauf an. Wer sich einbringen will, lernen und bilden will, ist wahrscheinlich auch in Frankreich weiterhin willkommen. Einwanderer in die Sozialkassen kommen jedes Land teuer zu stehen. Und sind ab einer bestimmten Zahl auch nicht mehr zu finanzieren.
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