Wahlkampf Sarkozy stimmt Parteiprogramm mit der CDU ab

Frankreichs Präsident Sarkozy sucht erneut den Schulterschluss mit Angela Merkel. Teile des Programms seiner Partei UMP will er mit den deutschen Konservativen von der CDU abstimmen. Sein Wahlkampfbeauftragter Bruno Le Maire kommt im November zu Gesprächen nach Berlin, um Details zu besprechen. 

Präsident Sarkozy im Fernsehen: Schulterschluss mit der deutschen Regierung
AFP

Präsident Sarkozy im Fernsehen: Schulterschluss mit der deutschen Regierung


Paris - Das gab es noch nie. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy will im Wahlkampfjahr 2012 offenbar einen Teil seines Parteiprogramms mit der CDU absprechen. "Wir werden zum ersten Mal mit der Partei von Angela Merkel gemeinsame Linien entwickeln", sagte Sarkozys Agrarminister und Wahlkampfbeauftragter Bruno Le Maire am Freitag im Radiosender "France Info".

"Ende November werde ich nach Berlin zurückkehren, um eine gewisse Anzahl von Themen in den Blick zu nehmen", fügte Le Maire in seiner Radio-Ansprache hinzu. Als Beispiele nannte er etwa die Wettbewerbs-, die Industrie- und die Unternehmenspolitik. Gleichwohl gebe es aber auch Programmpunkte, die nicht zusammen passten. Dazu gehörten beispielsweise der Mindestlohn und die Familienpolitik. Auf diesen Gebieten könnten die Deutschen sich von den Franzosen inspirieren lassen, befand Le Maire, wie auch die französische Tageszeitung "Le monde" berichtet.

Frankreich hat einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn, der jedes Jahr erneut von der Regierung fest gesetzt wird. Die CDU hingegen lehnt dies bislang ab. Auch in der Familienpolitik geht das Nachbarland mit einer flächendeckenden Betreuung der Unter-Dreijährigen einen anderen Weg.

Sarkozy hatte schon in einem Fernseh-Interview am Donnerstagabend die Gemeinsamkeiten mit Deutschland hervorgehoben. "Ich möchte, dass die politischen und ökonomischen Entscheidungen unserer beiden Länder im Zentrum von Europa stehen", sagte Sarkozy in dem einstündigen Gespräch. Frankreich und Deutschland sollten gemeinsam neue Märkte erschließen.

Sarkozy stellt sich im April 2012 zur Wiederwahl. Bislang liegt in Umfragen allerdings sein sozialistischer Konkurrent François Hollande vorne. Die französischen Sozialisten wollen ebenfalls ihr Programm mit der deutschen SPD absprechen. "Noch nie haben wir so viel mit der SPD zusammengearbeitet, um einen Präsidentschaftswahlkampf vorzubereiten", sagte Benoît Hamon, Sprecher des "Parti Socialiste", Ende September in einem Interview dem französischen Magazin "Basta!".

Mit einer neuen politischen Formation geht außerdem der populäre Ex-Minister Jean-Louis Borloo auf Kollisionskurs zu Sarkozys UMP.

bos/dapd



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insgesamt 8 Beiträge
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seine-et-marnais 28.10.2011
1. Ganz was Neues
Zitat von sysopFrankreichs Präsident Sarkozy sucht erneut*den Schulterschluss mit Angela Merkel. Teile des Programms seiner Partei UMP will er*mit der deutschen Schwesterpartei CDU abstimmen. Sein Wahlkampfbeauftragter Bruno Le Maire kommt*im November*zu Gesprächen nach Berlin, um Details*zu besprechen.* http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,794716,00.html
Seit wann ist denn die UMP die Schwesterpartei der CDU? Die fruehere Schwesterpartei war die UDF, die zerfallen ist in NC und Modem (Bayrou). Zur Zeit haelt Christine Boutin das christdemokratische Faehnlein hoch. Mit Schulterschluessen ist bei Sarkozy immer zu rechnen ebenso wie mit Schuessen aus dem Hinterhalt. Mal predigt er die Werte der "Entente cordiale", Schulterschluss mit GB, mal bricht die Obamania aus bis hin zum Willen die amerikanische Politik im nachzuahmen, ungluecklicherweise im Finanzbereich und das bis zum 'Krach' von 2008. Mal bruestet Sarkozy sich mit Zapatero und Berlusconi gemeinsam die Merkel ueber den Tisch gezogen zu haben, mal soll Frankreich am daenischen, dann am schwedischen und jetzt deutschen CDU-Modell genesen. Das Ganze ist eher zum Heulen, denn Frankreich kann man weder das britische, noch das amerikanische noch das skandinavische, noch das deutsche Modell ueberstuelpen. Und jeder der Frankreich kennt weiss warum, und weiss auch dass das Ganze lediglich ein windiger Versuch ist vorzutaeschen dass Sarkozy schon immer von der Richtigkeit der deutschen Argumente ueberzeugt war. Das schon immer gilt aber erst seit der letzten Bruesseler Marathonnacht. Vorher war Sarkozy ja der grosse Gegner der 'deutschen' Loesung. Aber im Vorwahlkampf will er nicht als Verlierer dastehen.
herbert 28.10.2011
2. Sie haben einen vergessen!
In der Freundschaft gibt es noch den politischen Wendehals Seehofer mit seiner mittelalterlichen Amigo und Vatikanpartei CSU. Die man auch Schwesterpartei nennt. Ich denke der Sarkozy würde verrückt, wenn er noch solch ein politisches Anhänksel in Frankreich hätte.
pudel_ohne_mütze 28.10.2011
3. So kann sich nur jemand äußern, der nicht die geringste Ahnung
von der frz. Mentalität hat. Die französischen Wähler haben den Sarko sowas von satt. Sie glauben nicht im Ernst, dass in Frankreich irgendeiner ein Interesse daran hat, mit D gemeinsame Politik zu machen. Deutschlnad ist die Rückversicherung als Zahlmeister im Falle des Knalls. Dieser Knall ist näher als je zuvor. Das weiss auch Sarko und kauft sich so Zeit. Das hat er von dem Murksel gelernt.
Flugwuppich 28.10.2011
4. Dann ist mir auch klar,
warum über den SchattenSchuldenFond Target II hier nicht berichtet werden darf.... und schon garnicht natürlich: http://www.querschuesse.de/target2-rekord-im-august/ Mit kleinen Aktualisierungen durch den RBB.... Keine Bange, ihr Sysopen, ich versuche es immer wieder....und immer mehr Andere auch....mal sehen, wie der Spiegel hier noch abschneiden kann....
el_amalache 29.10.2011
5. Am deutschen Wesen ...
.... soll nun DEuropa oder gar die Welt genesen? Ist es nicht doch eher die pure Verzweiflung, die da aus dem weichgespülten Westentaschen-Napoleon spricht? Wo bleibt die schöpferische Eigenständigkeit? Achja, die gibt's ja bei den Wirtschaftshörigen gar nicht. Na dann... Da lob' ich mir doch die originäre, ernstgemeinte Zusammenarbeit des PS mit der SPD. Nachahmung hat selten Erfolg. Aber den wünsche ich den sogenannten Konservativen ohnehin nicht.
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