Wahlkampf Spionageskandal erschüttert Schweden

Nur gute zehn Tage vor der nächsten Parlamentswahl ist in Schweden ein dramatischer Fall von illegaler Parteispionage bekannt geworden. Spitzenfunktionäre der liberalen Volkspartei deckten mehrere Monate lang Hacker-Angriffe gegen die regierenden Sozialdemokraten.


Stockholm - Hohe Vertreter der Volkspartei sollen sich über mehrere Monate Zugang zu streng vertraulichen Strategie-Papieren im Intranet der Sozialdemokraten verschafft haben. Die Partei bestätigte heute in Stockholm, dass die Pressechefin Niki Westerberg und weitere Spitzenfunktionäre von mehrmonatigen Hacker-Aktivitäten gewusst und diese gedeckt hätten. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, dass gegen Westerberg und weitere Funktionäre der Partei ermittelt werde.

Parteichef Lars Leijonborg: Persönliche Entschuldigung beim Ministerpräsidenten
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Parteichef Lars Leijonborg: Persönliche Entschuldigung beim Ministerpräsidenten

Am Dienstag hatte zunächst nur ein Pressesekretär der Volkspartei die Hacker-Aktivitäten zugegeben und war danach fristlos entlassen worden. Parteichef Lars Leijonborg entschuldigte sich persönlich beim sozialdemokratischen Parteichef und Ministerpräsidenten Göran Persson für das "Fehlverhalten Einzelner".

Persson sagte, er sei "zutiefst schockiert" und fühle sich an einen Einbruch in sein privates Heim erinnert. Justizminister Thomas Bodström meinte: "Möglicherweise gewinnt die Rechte die Wahlen, weil sie ein Verbrechen begangen hat."

Schwedische Medien verglichen das Eindringen in das sozialdemokratische Datennetz mit dem Watergate-Skandal in den USA. Dabei waren 1972 aus einem Washingtoner Parteibüro der Demokraten während eines Einbruchs Parteiunterlagen gestohlen wurden. Die Enthüllungen über die Beteiligung republikanischer Parteikreise bis hin zum damaligen Präsidenten Richard Nixon führten zu dessen Rücktritt 1974.

In Umfragen liegt derzeit die bürgerliche "Allianz" mit dem konservativen Spitzenkandidaten Fredrik Reinfeldt, der Volkspartei, dem Zentrum und den Christdemokraten vor dem sozialdemokratischen Regierungslager, zu dem auch die Grünen und die Linkspartei gehören.

ler/dpa



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