Wahlkampfspenden: Millionärs-Clique befeuert Obamas Wahlkampf

Von , New York

Barack Obama verweist gerne stolz auf die Millionen Privatspender, die ihn mit kleinsten Summen unterstützen. Das wahre Rückgrat seines Wahlkampfes sind jedoch Top-Anwälte, Silicon-Valley-Unternehmer, Immobilienmagnaten und Investmentbanker. Das könnte zu Interessenkonflikten führen.

Barack Obama liebt seine Grassroots-Fans. Kein Tag vergeht, ohne dass der Demokrat stolz auf die vielen privaten Kleinspender hinweist, die seinen Wahlkampf mit bescheidenen Zuweisungen via Internet finanzieren. So auch gestern: "Wir haben ein Modell geschaffen", sagte er in Indianapolis, "mit dem wir uns auf dem höchsten Niveau der Politik messen können, ohne auf die Interessen des großen Geldes angewiesen zu sein."

Barack Obama beim Wahlkampf in Indiana: Konfliktträchtige Querverbindungen zum großen Geld
AP

Barack Obama beim Wahlkampf in Indiana: Konfliktträchtige Querverbindungen zum großen Geld

In der Tat stecken hinter den fast 250 Millionen Dollar, die Obama bisher eingetrieben hat, Millionen Einzelspender. Durchschnittliche Spendensumme: 96 Dollar. "Die Leute schicken fünf, zehn, 25, 100 Dollar", berichtet Wahlkampfchef David Axelrodt. Eine Lieblingsanekdote Obamas handelt von einer alten Dame, die ihm "eine Bankanweisung über 3,01 Dollar und einen Bibelvers" zukommen ließ.

Wovon Obama jedoch seltener redet, sind seine anderen, nicht minder aktiven Spender - die Vertreter besagten "großen Geldes", die mit dem gemeinen Volk, das er so gerne als seine Basis reklamiert, wenig zu tun haben.

So haben fast 30.000 der Obama-Finanziers die gesetzliche Spendenhöchstgrenze von 2300 Dollar pro Kopf bereits ausgeschöpft. Darunter findet sich eine Eliteclique aus 329 Bundlers - einflussreiche Großspender, die je mindestens 50.000 Dollar aus dem Freundes- und Bekanntenkreis "gebündelt" an Obama weitergereicht haben. 78 davon haben jeweils mehr als 200.000 Dollar für ihn organisiert.

Die Liste der Obama-Bundlers ist ein Who's Who politisch engagierter Millionäre, auch fünf Milliardäre sind dabei. Sie umfasst 79 Top-Anwälte, 16 Film- und Musikproduzenten, sechs Silicon-Valley-Unternehmer, 18 Immobilienmagnaten - sowie 61 Investmentbanker und Finanzhaie.

Es sind diese hochkarätigen Geldbeschaffer, die mit ihrer finanziellen Sammelwut das wahre Rückgrat der Obama-Maschine bilden.

Persönliche Betreuung für die Mega-Spender

Angeführt wird die Dollar-Clique von Obamas Finanzchefin Penny Pritzker: Die Industrie- und Hotelerbin (Hyatt) organisierte Anfang 2007 die erste große Fundraising-Gala für Obama, im Hyatt Regency in Chicago. Hedgefondskönig Paul Tudor Jones II. - der seine Milliarden sonst zur Bekämpfung von Armut in New York und den Erhalt der bedrohten Everglades in Florida einsetzt - gab ebenfalls schon im Frühjahr vorigen Jahres auf seinem Anwesen in Connecticut einen Empfang für Obama, bei dem 500 Gäste in die Wahlkampfkasse zahlten.

Weitere Top-Spendenbeschaffer: Die Hollywood-Mogule Jeffrey Katzenberg (Dreamworks) und David Geffen, Musik-Impresario Antonio ("L.A.") Reid und der Stardiplomat Anthony Lake, von 1993 bis 1996 Sicherheitsberater unter Bill Clinton.

Andere Namen sind weniger bekannt, doch nicht minder finanzstark. Hedgefondsmilliardär Kenneth Griffin (Citadel Investment), der bisher Republikaner unterstützt hatte. Die Investmentbanker Mark Gilbert (Lehman Brothers), Louis Susman (Citigroup) und John Rogers (Ariel Capital Management). Die professionelle Fundraiserin Julianna Smoot, die den Spendenfluss für Obama koordiniert.

Obama bemüht sich, seine Mega-Spender persönlich zu pflegen. Als die Gaswerkbesitzerin Desiree Rogers aus Chicago im Januar in ihrer Wohnung ein Fundraising-Dinner gab, trug er als Ehrengast seine Botschaft gleich dreimal vor. Den Investmentmanager Gilbert rief er nach einem kurzen Treffen später noch einmal an, um sich für die Eile zu entschuldigen.

Im April vorigen Jahres schaffte Obama es, innerhalb von fünf Stunden in Manhattan drei private Fundraising-Dinner abzuklappern, die prominente Bundler für ihn gaben: Ken Lerer, Co-Gründer des Polit-Blogs "Huffington Post", Investor Steven Gluckstern und Banker George Hornig.

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