Wahlumfrage Frankreichs Rechtsextreme rütteln an Sarkozys Thron

Weckruf für Sarkozy: Die Chefin der rechtsextremen Partei Front National geht aus einer Umfrage zur Präsidentenwahl als Siegerin hervor. Sarkozy und die oppositionellen Sozialisten liegen dahinter. Einziger Trost für den Staatschef: Die Wahl ist erst im Mai 2012.

Marine Le Pen: Sie will das schaffen, was ihrem Vater schon bei der Wahl 2002 gelungen ist
REUTERS

Marine Le Pen: Sie will das schaffen, was ihrem Vater schon bei der Wahl 2002 gelungen ist


Paris - Die Vorsitzende der rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, hat laut einer Umfrage die Nase vorn: Die Tochter des berüchtigten Front-National-Gründers Jean-Marie Le Pen könnte in der ersten Runde der Präsidentenwahl mit 23 Prozent der Stimmen rechnen - wenn die Franzosen jetzt zu den Wahlurnen gehen würden. Damit ließe die 42-Jährige den konservativen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy und die sozialistische Parteichefin Martine Aubry hinter sich. Die beiden liegen in der vorab veröffentlichten Umfrage der Zeitung "Le Parisien" mit 21 Prozent gleichauf.

Es ist das erste Mal, dass Le Pen laut einer Wählerbefragung in die Stichwahl um das Präsidentenamt 2012 käme. Die Umfrage weckt Erinnerungen an die Abstimmung von 2002. Damals fiel der Sozialist Lionel Jospin in der ersten Runde durch und Marine Le Pens Vater zog in die Stichwahl gegen Jacques Chirac ein. Das überraschende Ausscheiden Jospins und der Einzug der Rechtsextremen in die zweite Runde schockierte viele Franzosen. Letztendlich wählten sie den konservativen Chirac zum Staatsoberhaupt.

Die Sozialisten warfen Sarkozy vor, für das gute Abschneiden Le Pens in der Umfrage verantwortlich zu sein: Der Präsident habe mit seiner Debatte über den Islam in Frankreich Öl ins Feuer gegossen und die Rechtsextremen gestärkt, sagte Aubry. Bis vor kurzem galt Sarkozy in Umfragen als der einzige Kandidat der bürgerlichen Rechten, der einen Sieg von Le Pen in der ersten Runde verhindern könnte.

Allerdings liegt Sarkozy schon eine Weile hinter den potentiellen Kandidaten der Linken zurück, von denen dem derzeitigen Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, die besten Chancen eingeräumt werden. Bislang haben weder Sarkozy noch Strauss-Kahn ihre Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2012 offiziell erklärt.

nib/AFP/dpa



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insgesamt 61 Beiträge
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Seite 1
Annika Hansen, 05.03.2011
1. ...
Zitat von sysopWeckruf für Sarkozy: Die Chefin der rechtsextremen Partei Front National geht aus einer Umfrage zur Präsidentenwahl als Siegerin hervor. Sarkozy und die oppositionellen Sozialisten liegen dahinter. Einziger Trost für den Staatschef: Die Wahl ist erst im Mai 2012. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,749302,00.html
War nicht ein Wahlversprechen von Sarkozy mit einem Kercher durch die Banliues zu gehen? Irgendwie hat sich da nichts getan, außer das er vergangenes Jahr die Rotationseuropäer, die Schwächsten der Schwachen, aus Frankreich entfernt hat. Was insofern nicht als sonderliche Heldentat einzuordnen ist. Vielleicht trauen die Franzosen Marine Le Pen mehr zu.
law1964 06.03.2011
2. Ein Signal für Europa
Dies könnte ein Zeichen und ein Signal auch für den Rest von Europa sein aufzuwachen, die etablierten, demokratischen Parteien müssen endlich die Nöte, Sorgen und Probleme der Bürger Ernst nehmen und nicht schönreden. Manche (linke) Träume sind ausgeträumt, z.B. Multikulti, die Welt ist kein Straßenfest, was nun auch Frankfurt wieder einmal gezeigt hat. Sarazin hat in vielen Punkten Recht. Wir müssen die Probleme anpacken, aber auf dem Boden des GG.
kimba2010 06.03.2011
3. ...
Die Geschichte zeigt, was in Frankkreich politisch passiert, kommt etwas später auch nach Deutschland.
mitbestimmender wähler 06.03.2011
4. Na und?
Wenn die Wählenden es dann so meinen, dann soll es so sein. Den grösseren Scheiss als bei den anderen Parteien würde es nicht geben.
rama-6 06.03.2011
5. Was ist so schrecklich daran?
Das Wahlvolk schaut auf die Versprechen und sieht was dann kommt. Aber hier nun die Wahlvölker anderer Staaten in den Schmutz zu ziehen gehört zum deutschen Standart.
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