Nach Parkland-Massaker US-Unternehmen heben Altersgrenze für Waffenkäufe an

Während Donald Trump davon spricht, "Trauer in Taten zu verwandeln", haben zwei große Firmen auf das Parkland-Massaker reagiert: Walmart und Dick's Sporting Goods verschärften ihre Regeln zum Waffenverkauf deutlich.

Waffen in einer Filiale von Dick's Sporting Goods in Pennsylvania
REUTERS

Waffen in einer Filiale von Dick's Sporting Goods in Pennsylvania


Nach dem Schulmassaker in Parkland mit 17 Todesopfern haben in den USA zwei große Unternehmen angekündigt, ihre Regeln zum Verkauf von Waffen zu verschärfen. Die Einzelhandelskette Dick's Sporting Goods nimmt Sturmgewehre aus ihrem Sortiment und verkauft generell Waffen nur noch an Kunden ab 21 Jahren, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte.

Der 19 Jahre alte Todesschütze von Parkland hatte eine Waffe bei Dick's gekauft. Es war aber nicht diejenige, die er bei dem Attentat verwendete. "Gedanken und Gebete sind nicht genug", heißt es in der Mitteilung von Unternehmenschef Edward Stack. Man respektiere und bewundere die Studenten, die sich seit dem Massaker lautstark für strengere Waffengesetze einsetzen. "Wir haben euch gehört, das Land hat euch gehört."

Zwar handle es sich bei der Mehrzahl der Waffenbesitzer in den USA um verantwortungsvolle Bürger. Aber: "Waffengewalt ist eine Epidemie, die zu viele Menschenleben fordert."

Nur wenige Stunden später kündigte auch die Supermarktkette Walmart an, in Anbetracht der "jüngsten Geschehnisse" künftig Waffen und Munition nur noch an Kunden zu verkaufen, die mindestens 21 Jahre alt sind. Zudem soll auf der Website nicht mehr für Produkte geworben werden, die aussehen wie Sturmgewehre, darunter auch Spielzeuge.

US-Medien zufolge ist Walmart der größte Verkäufer von Waffen und Munition im Land. Das Unternehmen verkauft eigenen Angaben zufolge bereits seit 2015 keine Sport-Sturmgewehre mehr, darunter auch das AR-15 - die Tatwaffe des Schützen von Parkland.

Trump will "Trauer in Taten verwandeln"

Nach dem Massaker in Parkland ist in den USA erneute eine Debatte um strengere Waffengesetze entbrannt. Sie sind je nach Bundesstaat anders geregelt. Jagdgewehre dürfen in einigen Staaten bereits von 18-Jährigen erworben werden. Vor allem die Republikaner verteidigen mit Verweis auf das verfassungsgemäße Recht auf Selbstverteidigung den Zugang zu Schusswaffen.

Mehrere Unternehmen gingen seit dem Attentat vor rund zwei Wochen auf Distanz zur mächtigen US-Waffenlobby NRA, darunter Autovermieter und Versicherer. NRA-Mitglieder erhielten bislang Vergünstigungen bei diesen Unternehmen.

Auch der öffentliche Handlungsdruck auf die Politik wuchs, insbesondere auf die Republikaner und Präsident Donald Trump. Er kündigte am Mittwoch an, das Waffenrecht verschärfen zu wollen. "Wir können nicht warten und Spielchen spielen, wir müssen etwas tun", sagte Trump bei einem überparteilichen Treffen mit Senatoren und Abgeordneten. "Wir sind entschlossen, unsere Trauer in Taten zu verwandeln." Er würde über eine höhere Altersgrenze sehr ernsthaft nachdenken, wenn es einen solchen Gesetzesentwurf geben sollte.

Man dürfe keine Angst vor der NRA haben, sagte Trump (mehr zur Macht der Waffenlobby lesen Sie hier). "Sie haben die Macht über mich verloren - wofür sollte ich sie brauchen? Aber sie haben Macht über euch. Manche von euch sind starr vor Angst. Das dürft ihr nicht sein", sagte er in die Runde. Trump bekamen im Wahlkampf Zuwendungen der NRA in Höhe von 30 Millionen Dollar.

Im Video: Trump zu Parkland-Massaker - "Ich wäre reingerannt, auch ohne Waffe"

Am Mittwoch startete für die Schüler an der Marjory Stoneman Douglas High School erstmals seit dem Massaker wieder der Unterricht. Der Gebäudekomplex, in dem die meisten Menschen getötet wurden, blieb allerdings geschlossen. Der Direktor der Highschool, Ty Thompson, sprach vom "Beginn des Heilungsprozesses". An diesem ersten Unterrichtstag gehe es nicht ums Lernen, sondern darum, sich wieder wohl zu fühlen in der Schule.

Bereits am Sonntag hatte es an der Schule einen freiwilligen Orientierungstag gegeben, um den Schülern die Rückkehr an die Highschool zu erleichtern.

aar/AFP/AP



insgesamt 26 Beiträge
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furanku 01.03.2018
1. Das wird nichts ändern
Solange Abermillionen von Waffen in Amerika frei im Umlauf sind, wird sich nichts ändern. Die Amerikaner aber zu entwaffnen würde in einem Bürgerkrieg enden. Und so gilt, so zynisch es klingt, "nach dem Massaker ist vor dem Massaker". In diesem Punkt sind die USA einfach unbelehrbar.
gottseidank.de 01.03.2018
2. Guter Trump
Er kann auch das Gute. Jetzt muss er es nur durchziehen. Waffen erst ab 21. Kriegswaffen und Kriegswaffen Ähnliches verbieten. Dazu psychologische Test, die alle 3 Jahre bestanden werden müssen. Außerdem eine fortwährende deutlich präsente Kampagne, die zur freiwilligen Abgabe von Waffen aufruft, ggf. mit einem attraktiven Rückkaufmodell. Werbung für Waffen stark einschränken und die Steuern auf alle Waffen verdreifachen.
so-long 01.03.2018
3. No problem
Der Herr Papa hat ausreichende Militarisierung im Schrank. Den Weg zu Dick's und Walmart kann ich mir sparen.
Entsetzen 01.03.2018
4. Es ist für potentielle Attentäter in den USA
ein riesiges Problem, wenn sie ihre Waffen, wegen der "Hintergrundarbeit" von Behörden oder wegen ihres Alters nicht mehr selbst kaufen können. Dann müssen sie auf das riesige Waffenpotential ihrer Eltern, ihrer Verwandten oder von Bekannten zurück greifen. Es gibt keine sinnvollen Vorschläge für die Verhinderung von solchen Gewaltverbrechen, außer die vollständige Entwaffnung der amerikanischen Bevölkerung. Ergo utopisch.
Pfaffenwinkel 01.03.2018
5. Augenwischerei
Man glaubt in den USA, ein paar Kleinigkeiten zu den Waffenkäufen zu ändern und alles wäre wieder gut.
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