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Wankelmut im US-Wahlkampf: Obama jetzt doch für Ölbohrungen vor US-Küste

Barack Obama reagiert auf die Ängste der US-Wähler: Angesichts der steigenden Benzinpreise kann er sich nun doch Ölbohrungen vor der Küste der USA vorstellen, die er bislang strikt abgelehnt hatte. Damit ändert Obama nicht zum ersten Mal seine Haltung in einer wichtigen Frage.

Washington - Unter bestimmten Bedingungen könnten Ölbohrungen sinnvoll sein, sagte Obama der Tageszeitung "Palm Beach Post" und gab damit seine bisherige strikte Ablehnung der Ölförderung in Küstengewässern auf. Wenn es um "wohldurchdachte, vorsichtige Bohrungen" gehe und "schwere Umweltschäden" vermieden würden, "dann will ich nicht strikt sagen, dass wir nichts tun können". Insgesamt sei er für eine "übergreifende Energiepolitik, die die Benzinpreise drücken kann".

Ölbohrung im Golf von Mexiko: "Ich will nicht strikt sagen, dass wir nichts tun können"
Getty Images

Ölbohrung im Golf von Mexiko: "Ich will nicht strikt sagen, dass wir nichts tun können"

Mit diesen Äußerungen rückte Obama deutlich von seiner bisherigen Haltung ab. Wie die gesamte demokratische Partei war er bisher gegen jede Art von Ölbohrungen in Küstengewässern, die unter Naturschutz stehen. Sein republikanischer Widersacher John McCain sieht dagegen in Förderanlagen vor der Küste eine Möglichkeit, die steigenden Energiepreise zu bekämpfen. Die Republikaner berufen sich auf Wissenschaftler, die unter dem Meeresboden des äußeren Kontinentalschelfs mehrere Milliarden Barrel Öl vermuten.

Der Schwenk Obamas ist nicht der erste in den vergangenen Monaten. So hatte der demokratische Präsidentschaftsbewerber anfangs einen vollständigen Abzug der US-Truppen versprochen, sollte er im Herbst zum US-Präsidenten gewählt werden. Anfang Juli, als der Vorwahlkampf gerade vorbei war, änderte Obama plötzlich seine Linie in der Irak-Politik: Er wolle die US-Truppen nicht mehr im Eiltempo abziehen, sondern schrittweise und in Abstimmung mit dem Militär, erklärte er. Gegner warfen ihm daraufhin Wortbruch vor.

Die Abkehr von Aussagen aus dem Vorwahlkampf überrascht Beobachter allerdings kaum. Im Vorwahlkampf geht es darum, bei der Parteibasis zu punkten - und dazu eignete sich die radikale Exit-Strategie aus dem Irak vorzüglich. Im Duell mit dem Republikaner John McCain ist hingegen Anpassung an den Mainstream gefragt - schließlich muss Obama auch konservative Wähler für sich gewinnen. Und so passt der Demokrat seine Linie pragmatisch an - siehe jetzt mögliche Ölbohrungen vor der Küste.

Manche Wahlkampfstrategen werten derartige Positionswechsel sogar als Pluspunkt. Viele Wähler seien die Sturheit von Präsident George W. Bush leid, lautet die Argumentation - Obama könne sich nun als flexibler und lernbereiter präsentieren. Für McCain eröffnet sich freilich die Möglichkeit, seinen Konkurrenten einmal mehr als wankelmütigen Luftikus darzustellen. Der Republikaner hatte Obama wiederholt vorgeworfen, dass er über keine Strategie verfüge, um die Energieprobleme des Landes zu meistern.

Die hohen Benzinpreise sind in den USA schon lange ein Politikum. Mehr als vier Dollar für eine Gallone Benzin sind mittlerweile die Regel. Im Land der SUVs und Straßenkreuzer interessieren sich Autofahrer plötzlich für sparsame Kleinwagen, weil die Rechnungen an den Tankstellen immer höher ausfallen. Und so dürften die Chancen eines Präsidentschaftskandidaten steigen, der den Wählern billiges Öl in Aussicht stellt.

hda/AFP/AP

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