Warnung an Iran Italien und Russland weisen Kouchner in die Schranken

Frankreichs Außenminister Kouchner hält einen Krieg gegen Iran für möglich - und handelt sich damit Kritik aus Russland und Italien ein: Von einer militärischen Auseinandersetzung zu sprechen, sei keine glückliche Idee. Kouchner selbst relativierte seine Äußerungen.


Rom/Moskau - Seine ungewöhnlich deutlichen Worte zum Atomkonflikt mit Iran haben dem französischen Außenminister Bernard Kouchner Kritik eingebracht: Der italienische Außenminister Massimo D'Alema hat vor Kriegsdrohungen gegen Iran gewarnt. "Bevor man von einem neuen Krieg spricht, muss man der politischen und diplomatischen Initiative genügend Zeit lassen", sagte D'Alema nach einem Bericht der römischen Zeitung "La Repubblica".

Frankreichs Außenminister Kouchner: "Ich will nicht, dass man sagt, ich sei ein Kriegstreiber"
AFP

Frankreichs Außenminister Kouchner: "Ich will nicht, dass man sagt, ich sei ein Kriegstreiber"

Sein französischer Kollege Kouchner hatte in einem Rundfunkinterview die Einschätzung geäußert, die Welt müsse sich "auf das Schlimmste vorbereiten", ein Krieg gegen Iran sei möglich. Zugleich rief er zu schärferen europäischen Sanktionen gegen den Golfstaat auf, auch wenn "bis zum Schluss" verhandelt werden müsse.

"Ein neuer Krieg würde nur neue Tragödien bringen", sagte D'Alema dazu. Zu diesem Zeitpunkt von Krieg zu sprechen, sei in seinen Augen keine glückliche Idee, bekräftigte der Minister die Linie der italienischen Politik im Konflikt mit Teheran um das iranische Nuklearprogramm.

"Klar, dass es keine militärische Lösung gibt"

Der stellvertretende Außenminister Russlands, Alexander Losjukow, sagte in einem Interview der Tageszeitung "Wremja Novostej", "Bombardierungen gegen Iran würden mit katastrophalen Folgen enden". Losjukow äußerte in dem Interview die Hoffnung, der Streit um den vermuteten Bau einer Atombombe durch Teheran werde nicht eskalieren. "Wir sind davon überzeugt, dass es für das iranische Problem keine militärische Lösung gibt. Das ist unmöglich. Im übrigen ist klar, dass es für das Irak-Problem auch keine militärische Lösung gibt. Aber im Fall Irans wäre alles noch komplizierter", sagte Losjukow dem Blatt.

Unterdessen relativierte Kouchner seine Äußerungen: "Ich will nicht, dass man sagt, ich sei ein Kriegstreiber", sagte er der Zeitung "Le Monde". "Meine Botschaft war eine ernsthafte und entschlossene Friedensbotschaft".

Die Bundesregierung hatte zuvor Sorgen vor einem Krieg im Atomkonflikt mit Iran gedämpft - und sich hinter die französische Regierung gestellt. Ankündigungen der Regierung in Paris, Frankreich müsse sich auf einen Militäreinsatz gegen Iran einstellen, zeigten lediglich, "wie ernst unsere Freunde die Lage einschätzen", sagte ein Sprecher des Außenministeriums. "Es wäre völlig falsch von Kriegsdrohungen zu sprechen." Die deutsche Regierung bemühe sich mit Nachdruck um eine Verhandlungslösung, bekräftigte auch Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. "Alle anderen Optionen stehen für uns derzeit nicht zur Diskussion."

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärte, Iran nehme die Aussagen Kouchners nicht ernst. "Aussagen für die Medien sind von den wirklichen Positionen verschieden", sagte Ahmadinedschad vor Journalisten in Teheran. Die staatlichen iranischen Medien haben Kouchner für seine Äußerungen scharf kritisiert: Der Elysée-Palast habe es übernommen, die Politik des Weißen Hauses für Europa zu übersetzen, hieß es in einem Kommentar der amtlichen Nachrichtenagentur IRNA. Die französische Regierung habe einen Ton angenommen, "der noch härter, aufhetzender und unlogischer" sei als der in Washington.

Die fünf Veto-Mächte des Uno-Sicherheitsrats und Deutschland beraten derzeit über eine Verschärfung der Sanktionen in dem Konflikt. Die internationale Gemeinschaft verlangt von Iran einen Stopp der Urananreicherung, die als Schlüsseltechnologie für den Bau von Atomwaffen gilt. Der Iran hat den Verdacht zurückgewiesen, an einer Atombombe zu arbeiten.

anr/dpa/AP/AFP/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.