100. Unabhängigkeitstag Warschau verbietet rechte Großdemo

Am polnischen Nationalfeiertag wollen wieder zahlreiche Rechtsextreme durch Warschau marschieren. Nach den Erfahrungen aus dem Vorjahr hat die Bürgermeisterin die Kundgebung am Sonntag nun untersagt.

Demonstranten beim Unabhängigkeitstag 2017
DPA

Demonstranten beim Unabhängigkeitstag 2017


Die liberale Warschauer Bürgermeisterin, Hanna Gronkiewicz-Waltz, hat eine große nationalistische Demonstration zum polnischen Nationalfeiertag verboten. Zahlreiche rechtsextreme Gruppierungen hatten zuvor angekündigt, am Sonntag anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Unabhängigkeit Polens wieder auf die Straße zu gehen. Gronkiewicz-Waltz begründete die Absage unter anderem mit der Gefahr gewalttätiger Ausschreitungen.

Eine der rechtsextremen Gruppen hinter der Demo kündigte bereits an, sich dem Verbot zu widersetzen. 2017 waren rund 60.000 Nationalisten aus ganz Europa am 11. November, dem polnischen Nationalfeiertag, durch Warschau gezogen - und skandierten unter anderem "Gott, Ehre, Vaterland" und "Wir wollen Gott". Einige hielten islamfeindliche Plakate in die Höhe, auch die Forderung nach einem "weißen Europa" war zu lesen.Tausende stellten sich den Rechten entgegen.

"Durch Nationalismus bereits genug gelitten"

Nun jährt sich die Wiedererlangung der staatlichen Unabhängigkeit Polens zum 100. Mal. Damals, zum Ende des Ersten Weltkriegs, war die lange Teilung Polens durch Preußen, Österreich-Ungarn und Russland überwunden worden.

"Warschau hat durch aggressiven Nationalismus bereits genug gelitten", sagte Gronkiewicz-Waltz zur Absage der Neuauflage der nationalistischen Demo am Unabhängigkeitstag. Die Politikerin, die sich in Warschau bereits mehrfach gegen rechtnationale Kandidaten der PiS behaupten konnte, wies darauf hin, dass der Hauptorganisator des Warschauer Marsches zum Nationalradikalen Lager gehöre.

Die Gruppierung geht auf eine antisemitische Bewegung der Dreißigerjahre zurück. Gronkiewicz-Waltz hatte beim Justizministerium bereits ein Verbot der Organisation gefordert. Tomasz Dorosz, Anführer des Nationalradikalen Lagers sagte: "Wir verstehen die Entscheidung von Bürgermeisterin Gronkiewicz-Waltz nicht. Selbst wenn die Gerichte ihre Entscheidung bestätigen, werden wir uns trotzdem treffen. Der Marsch wird stattfinden."

apr/Reuters/AP



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