Polen Nationalisten ziehen durch Warschau

Sie riefen "Gott, Ehre, Vaterland" und "Wir wollen Gott": In Warschau haben am Nationalfeiertag Zehntausende an einer von Ultrarechten organisierten Demonstration teilgenommen.

Demonstranten in Warschau
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Demonstranten in Warschau


Am polnischen Unabhängigkeitstag haben in Warschau mehrere Zehntausend Menschen an einer von ultrarechten Nationalisten organisierten Demonstration teilgenommen. Mit polnischen Flaggen zogen in Schwarz gekleidete Rechtsradikale sowie Anhänger der nationalkonservativen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) am Samstag durch die Innenstadt.

Hintergrund war der 99. Jahrestag der Wiedererlangung der staatlichen Unabhängigkeit Polens im Jahr 1918. Damals war die lange Teilung Polens durch Preußen, Österreich-Ungarn und Russland überwunden worden. In einer offiziellen Zeremonie zum Nationalfeiertag hatten Präsident Andrzej Duda und weitere Spitzenpolitiker am Nachmittag am Grabmal des unbekannten Soldaten in Warschau Kränze niedergelegt.

Teilnehmer des von Nationalisten organisierten Unabhängigkeitsmarsches
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Teilnehmer des von Nationalisten organisierten Unabhängigkeitsmarsches

Vereinzelt waren Feuerwerkskörper zu hören, einige Demonstranten hielten Rauchfackeln in die Höhe. Unter den Demonstranten waren allerdings auch Senioren und Familien mit kleinen Kindern. Das Motto der Kundgebung, "Wir wollen Gott", wurde von einigen Teilnehmern als Absage an den Islam und die Flüchtlingspolitik der EU gewertet.

Andere Teilnehmer erklärten, nicht aus politischen oder religiösen Gründen gekommen zu sein: "Ich bin hier, um mich wieder als Polin zu fühlen", sagte eine Demonstrantin. Zu den Veranstaltern habe sie keinerlei Verbindung.

An zwei weiteren Demonstrationen in Warschau, zu denen Antifa-Gruppen und Oppositionsparteien aufgerufen hatten, nahmen mehrere Tausend Menschen teil.

Teilnehmer der von Antifaschisten organisierten Gegendemonstration
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Teilnehmer der von Antifaschisten organisierten Gegendemonstration

An der offiziellen Feier nahm neben dem polnischen Präsidenten Andrzej Duda auch EU-Ratspräsident Donald Tusk teil. Bei seiner Ankunft am Flughafen von Warschau sagte Tusk, der Unabhängigkeitstag sei immer ein Fest für alle Polen gewesen und nicht das Fest einer einzelnen Partei. "Kein Politiker in Polen hat jemals das Monopol für Patriotismus gehabt oder wird es jemals haben", sagte Tusk. Der ehemalige polnische Regierungschef war im März gegen den Willen der polnischen Regierung als EU-Ratspräsident wiedergewählt worden.

koe/dpa/AFP

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