Sowjet-Einmarsch 1968 Tschechiens Premier Babis auf Gedenkfeier ausgepfiffen

In seiner Rede wollte Tschechiens Ministerpräsident die Opfer des "Prager Frühlings" von 1968 würdigen. Doch Andrej Babis wurde ausgepfiffen - seine Regierung stehe dem Kommunismus zu nahe.

Andrej Babis
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Andrej Babis


Auf einer Gedenkfeier an die Opfer des Warschauer-Pakt-Einmarsches 1968 haben Demonstranten den tschechischen Ministerpräsidenten Andrej Babis lautstark ausgepfiffen. Das Publikum übertönte die Rede des Regierungschefs mit Pfiffen und "Schande"-Rufen .

Die Kritiker werfen dem Gründer der populistischen ANO-Partei vor, das er dem Kommunismus zu nah stehe. Seine Regierung stütze sich darauf, dass er die Kommunisten toleriere. Der Ministerpräsident war vor der Wende von 1989 selbst Mitglied der kommunistischen Partei.

Hintergrund der Gedenkfeier war die Nacht des 21. August 1968: Soldaten des sozialistischen Warschauer Pakts waren in der damaligen Tschechoslowakei (CSSR) eingefallen. Sie schlugen die Reformbewegung des "Prager Frühlings" nieder. Bis Ende 1968 wurden nach Angaben von Historikern 137 tschechoslowakische Zivilisten getötet.

Babis setzte seine Rede trotz der Proteste unbeirrt fort. Er sprach Bewunderung für all diejenigen aus, die sich 1968 tapfer verhalten hätten. "Die Invasion der Warschauer-Pakt-Armeen war brutal, viele unserer Leute sind umgekommen", sagte der 63-Jährige. Die Menschen in der Tschechoslowakei hätten die kommunistische Diktatur sowjetischen Typs nicht mehr gewollt.

Bei Gedenkveranstaltungen in der Slowakei stand vor allem die Person des damaligen reformkommunistischen Hoffnungsträgers Alexander Dubcek im Vordergrund. Der 1992 an den Folgen eines Autounfalls gestorbene Slowake wird in seiner Heimat bis heute besonders verehrt. Nach ihm sind der Platz vor dem Parlament in Bratislava und eine Universität in der Stadt Trencin benannt.

Auch die EU-Spitzen würdigten den "Prager Frühling": Die sowjetische Invasion in die damalige Tschechoslowakei 1968 habe die Reformbewegung zerschlagen, schrieb Ratspräsident Donald Tusk auf Twitter. "Aber die Sehnsucht nach Freiheit und Demokratie hat überlebt und ist die Essenz dessen, was Europa heute eint." EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker mahnte, dass "Freiheit und Respekt für Menschenrechte niemals als selbstverständlich betrachtet werden können".

Jeder dritte Russe hält im Rückblick den Einmarsch sowjetischer Truppen in die Tschechoslowakei vor 50 Jahren für gerechtfertigt. Auf die Frage, ob die Sowjetunion im August 1968 richtig gehandelt habe, antworteten in einer Umfrage 10 Prozent mit Ja und 26 Prozent mit eher Ja. Es sei darum gegangen, einen antisowjetischen Umsturz abzuwenden, lautete in einer anderen Frage die mit 23 Prozent meistgenannte Begründung. Das teilte das unabhängige Lewada-Zentrum für Meinungsforschung am Dienstag in Moskau mit.

kmy/dpa



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