Washington: Früherer US-Verteidigungsminister McNamara ist tot

Sein Name ist untrennbar mit dem Vietnam-Krieg verbunden - dass er den Feldzug Jahrzehnte später als "schrecklichen Fehler" bezeichnete, änderte daran nichts mehr. Nun ist der einstige US-Verteidigungsminister Robert McNamara im Alter von 93 Jahren gestorben.

Washington - Er war in den turbulenten sechziger Jahren Verteidigungsminister der USA und ging als "Architekt des Vietnam-Krieges" in die Geschichte ein: Robert McNamara ist in den frühen Morgenstunden in seinem Haus in Washington im Schlaf gestorben. Das berichtete die "Washington Post" in ihrer Online-Ausgabe unter Berufung auf Familienmitglieder. Eine Todesursache wurde zunächst nicht genannt.

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Politiker McNamara: Der Vietnam-Krieg, ein "schrecklicher Fehler"

McNamara war während des Vietnam-Krieges von 1961 bis 1968 Verteidigungsminister, zunächst unter Präsident John F. Kennedy, dann unter dessen Nachfolger Lyndon Johnson. Danach wechselte er an die Spitze der Weltbank, die er bis 1981 führte. Bis 1981 führte er die Bank, setzte sich für die Überwindung von Hunger und Armut in der Dritten Welt ein - eine erstaunliche Wandlung vom "Falken" zum Kriegs- und Atomwaffengegner.

Anfang der Sechziger war das noch kaum vorstellbar. Präsident Kennedy wollte McNamara gleich bei seinem Amtsantritt 1961 in die Regierung holen. Dieser war gerade erst zum ersten Präsidenten des Auto-Giganten Ford ernannt geworden, der nicht der Gründerfamilie entstammte. Mit aggressiven, neuen Management-Methoden hatte er sich als Unternehmensreformer einen Namen gemacht.

Wegen seiner Begeisterung für Statistiken und Tabellen nannten ihn manche während seiner sieben Amtsjahre im Pentagon "Computer mit Beinen" - mal bewundernd, mal abschätzig. Er unterstützte zunächst den fehlgeschlagenen Umsturzversuch auf Kuba - später sprach er von einem Fehler. Die Lösung der Kuba-Krise ein Jahr später mit dem erzwungenen Abzug der sowjetischen Raketen war hingegen ein Erfolg. McNamara formulierte überdies die US-Nuklearstrategie neu, weg von der "massiven Vergeltung" hin zur "flexiblen Antwort".

Unter McNamara wurden die US-Truppen im Vietnam-Krieg systematisch aufgestockt, die Bombardements wurden ausgeweitet. Später wechselte er seine Strategie, erklärte die jahrelang verfolgte Linie der Eskalation für falsch und schied aus dem Amt. Zum Vietnamkrieg, den er dank technologischer Überlegenheit zunächst für gewinnbar hielt, schwieg er lange. 1995 nannte McNamara ihn in einem Buch dann aber einen "furchtbaren Irrtum".

Ähnlich seine Einschätzung des Irak-Krieges unter Präsident George W. Bush: "Was wir tun, ist einfach falsch. Es ist moralisch falsch, politisch falsch, wirtschaftlich falsch", sagte er in einem Interview. Immer wieder setzte McNamara sich öffentlich für die Vernichtung aller - oder beinahe aller - Atomwaffen ein. Das Risiko von Unfällen oder die Gefahr, dass sie in falsche Hände gerieten, sei einfach zu groß.

ffr/dpa/AP/AFP

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