US-Newsblog "Women's March" "Die Revolution beginnt jetzt"

Überraschend trat Madonna beim "Women's March" in Washington auf - und hielt eine wütende Rede. Laut den Veranstaltern sind 500.000 Menschen dort. Das könnten mehr sein als zur Vereidigung Trumps. Der US-Newsblog.

REUTERS

21.16 Uhr

Verstopfte Straßen, Tausende Demonstranten mit Protestschildern, Schlangen vor U-Bahn-Stationen: Luftaufnahmen von CNN zeigen die beeindruckenden Menschenmengen, die landesweit zum "Women's March" zusammengekommen sind.

21 Uhr

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Heft 4/2017
Die neue Weltordnung

Pop und Politik, mit Schmackes vereint: Madonna verrät den Demonstrantinnen während ihres Auftritts im eleganten schwarz-roten Revoluzzer-Look, dass sie nach der Wahl am liebsten das Weiße Haus in die Luft gesprengt hätte, sich dann aber eines Besseren besann: "Das Gute hat nicht die Wahl gewonnen, aber das Gute wird am Ende gewinnen", versprach sie ins Mikro. Und allen, die behaupten, der Marsch bringe doch nichts, schmettert sie ein beherztes "Fuck you!" entgegen. Bevor sie anfing zu minimalistischen Beats und Akustikgitarre zu singen, gab sie auch noch die Losung des Tages aus: "Die Revolution beginnt jetzt!"

20.45 Uhr

Wer in Donald Trump eine dunkle Macht sieht, der ist natürlich schnell bei "Star Wars". Und wer verkörpert die weibliche Kraft dagegen? Klar, Prinzessin Leia. So gab es in Washington auch viele Plakate mit dem Konterfei der Sternenkriegerin. Motto: "Der Platz der Frau ist im Widerstand." Möge die Macht mit dem Marsch sein?

20.30 Uhr

Zu der Vereidigung Trumps kamen sehr viel weniger Menschen als zu der Obamas im Jahr 2009, das ist bekannt. Neu ist aber, was CNN mitteilt: So sollen Verantwortliche aus dem Trump-Team Mitarbeiter des für das Areal vor dem Kapitol verantwortlichen National Park Service angewiesen haben, diesen Zuschauerschwund nicht über Twitter zu verkünden. Das Social-Media-Team des National Park Service hatte zuvor ziemlich eindeutige Bilder über die vergleichsweise schlecht besuchte Veranstaltung getwittert.

20.10 Uhr

Die genaue Teilnehmerzahl des Marsches wird wohl nie geklärt werden. Da die Wolken über Washington tief hängen, können die Behörden keine verlässlichen Luftbilder machen. Und der für das Areal zuständige National Park Service gibt seit Längerem keine offiziellen Zahlen für Veranstaltungen dieser Art raus, weil man Angst hat, dass diese Zahlen politisch instrumentalisiert werden. So gibt es auch für Trumps Vereidigung vom Freitag keine Angaben. Es gilt jedoch als sicher, dass es weit weniger als die avisierten 800.000 Menschen waren. Für den "Women's March" steht fest, dass die gesamte geplante Route so voll mit Menschen ist, dass die Veranstalterinnen von ihren ursprünglichen Plänen abweichen müssen. Formal wird es keinen Demonstrationszug vom Kapitol zum Weißen Haus geben - allerdings geht die Polizei davon aus, dass sie die Menschenmengen sich trotzdem in diese Richtung in Bewegung setzen werden.

19.40 Uhr

Zum "Women's March" in Chicago sind so viele Menschen gekommen, dass die Organisatorinnen von ihrer ursprünglichen Route abweichen mussten. Statt durch die Innenstadt geht es jetzt zum Ufer des Lake Michigan, wo sich die Leute besser verteilen können.

19.25 Uhr

Gestern bei der Vereidigung von Trump waren die Reihen auf dem Platz vor dem Kapitol nicht so geschlossen. Konkrete belastbare Zahlen über die Teilnehmerinnenzahl beim "Women's March" in Washington gibt es nicht, aber es könnten sehr viel mehr sein als bei Inauguration am Freitag. Die Veranstalterinnen selbst gehen inzwischen von einer halben Million Teilnehmerinnen aus, das haben die Behörden aber bislang nicht bestätigt.

19.15 Uhr

Ob sich Donald Trump wohl auch die geballte Ablehnung seiner Person und seiner Politik anschaut? Er kommt wohl nicht umhin, Washington ist ja nun sein neues Zuhause. Wie die Nachrichtenagentur Associated Press mitteilt, hat er die Proteste aus dem Fenster seiner Limousine gesehen. Auf dem Weg von einem Gottesdienst zurück zum Weißen Haus soll er einigen Gruppen von Demonstranten begegnet sein.

19.05 Uhr

Der Ablauf auf der Hauptbühne in Washington ist extrem geschmeidig. Obwohl in schneller Taktung Musikerinnen und Rednerinnen wechseln, gibt es keine technische Probleme. Hip-Hop, Reggae, Latin - die Musikstile sind extrem gemischt.Unter anderem kann man das Programm im Live-Stream bei abc News anschauen.

18.55 Uhr

Aufputschender Auftritt der demokratischen Senatorin Tammy Duckworth aus Illinois, Amerikanerin asiatischer Herkunft. Auf Krücken gestützt ruft sie zur aktiven Teilnahme am demokratischen System auf: "Bewerbt Euch für Ämter!" 2004 wurde Duckworth als Hubschrauber-Co-Pilotin im Irak schwer verletzt - hier spricht eine Kriegsversehrte. Ein extrem starkes Statement gegen Trump.

18.45 Uhr

"Zusammen sind wir stark!" Hillary Clinton, die bei der Vereidigung am Freitag auf der Tribüne eisern lächelte, sendet via Twitter eine Solidaritätsadresse an die Anti-Trump-Demonstrantinnen.

18.20 Uhr

Wie viele Menschen in Washington genau auf der Straße sind, lässt sich schwer sagen. Offenbar sind es schon jetzt sehr viel mehr als zur Vereidigung von Donald Trump am Freitag. Beamte vom Verkehrsbetrieb gaben bekannt, dass bei der Inauguration insgesamt 193.000 Tickets für den Nahverkehr gelöst worden sind, während an diesem Samstag schon 275.000 gekauft wurden.

18.10 Uhr

Auch Männer sind auf der Bühne in Washington erlaubt. Van Jones, der einstige Umweltberater von Barack Obama, hält eine extrem aufgewühlte Ansprache. Er mahnt an, den politischen Gegner ernster zu nehmen. Nur so sei ein politischer Austausch möglich. Große Worte: "Wenn Liebe schwerfällt, liebt einfach härter!"

18 Uhr

Kristen Stewart hat auch ganz persönliche Gründe, um gegen Donald Trump auf die Straße zu gehen. Während der Trennung von ihrem damaligen Freund Robert Pattinson sonderte der jetzige US-Präsident vor drei Jahren allerlei impertinente Tweets ab, in denen er die US-Schauspielerin anging.

17.50 Uhr

Auch in St. Louis nimmt der "Women's March" beachtliche Ausmaße an. Hier ein Drohnenflug über rosa Köpfe und kämpferische Plakate. Protest der schwerelosen Art.

17.30 Uhr

Der bestens eingespielte Trump-Kritiker Michael Moore präsentiert sich bei seiner Rede in fröhlicher Kampfstimmung. Er appelliert an die Zuhörerinnen: "Ihr sollt jeden einzelnen Tag den Kongress anrufen!" Dafür gibt er ganz konkret die entsprechende Telefonnummer an und lässt die Demonstrantinnen die zentrale Nummer für die Volksvertreter als Sprechchor rufen: "202! 225! 3121!". Gelebte Demokratie, grandiose Unterhaltung.

17.15 Uhr

Wo man hinschaut in Washingtons Innenstadt: Die Straßen sind voll mit pinkfarbenen Mützen mit Katzenohren. Der Kopfschmuck wurde von einer Initiative namens "Pussyhat Project" extra für den "Women's March on Washington" gestrickt. Das Wort "Pussy" heißt auf Englisch "Kätzchen" - oder auch "Muschi", ist also ein anderes Wort für Vulva. Ein höhnischer Hinweis auf Trumps sexistische Ausfälle: Während des US-Wahlkampfs war im Oktober ein Video aufgetaucht, in dem der jetzige US-Präsident damit prahlte, er könne, wenn er wolle, jeder Frau "an die Muschi packen".

17 Uhr

Die einflussreiche Feministin und Journalistin Gloria Steinem ruft zur Solidarität mit Muslimen auf: "Wenn Ihr Muslime zwingt, sich zu registrieren, werden wir uns als Muslime registrieren lassen." Ein klare Kampfansage an Trumps Politik der Ausgrenzung.

16.30 Uhr

Am ersten vollen Arbeitstag des neuen US-Präsidenten Donald Trump werden hunderttausende seiner Kritiker und vor allem Kritikerinnen zu Demonstrationen erwartet. Allein in Washington sollen am Samstag mehr als 200.000 Teilnehmerinnen beim "Women's March" auf die Straße gehen, darunter prominente Vertreterinnen aus dem Showgeschäft.

Nachdem am Freitag auf der National Mall in Washington noch hunderttausende Trump-Anhänger die Vereidigung des 70-Jährigen gefeiert hatten, dürfte sich die Promenade im Zentrum der US-Hauptstadt am Samstag in ein Meer aus Protestplakaten verwandeln. Die Bewegung "Women's March on Washington" hatte über soziale Netzwerke zur Teilnahme an Demonstrationen im ganzen Land aufgerufen. Am Freitag hatten bereits 225.000 Menschen ihre Teilnahme in der Hauptstadt bestätigt. Die Veranstalterinnen rechen inzwischen sogar damit, dass bis zu einer halben Million Frauen an dem Marsch teilnehmen.

In rund 300 weiteren US-Städten, darunter New York, Boston, Los Angeles und Seattle, waren "Schwestermärsche" geplant.

Unterstützt wird die Aktion von namhaften Künstlern, darunter die Sängerinnen Cher und Katy Perry. Bei der Kundgebung in Washington wollten unter anderen Hollywood-Star Scarlett Johansson und Regisseur Michael Moore sprechen. Schriftsteller wollten in den USA und in anderen Ländern Lesungen gegen Trump veranstalten.

13.00 Uhr

Weltweit gehen Frauen an diesem Samstag gegen den neuen US-Präsidenten auf die Straße. Geplant waren weltweit mehr als 600 Märsche. Im australischen Sydney zogen etwa 3000 Frauen und Männer vom Hyde Park zum US-Konsulat. In Melbourne beteiligten sich nach Angaben der Veranstalter 5000 Menschen an der Aktion. Unter anderem auch vor dem Brandenburger Tor in Berlin, in Rom, London, Prag, Amsterdam, Südafrika, auf den Philippinen und in Macau gingen am Samstag Menschen auf die Straße.

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Proteste gegen Trump: "Frauen der Welt, vereinigt euch"

Trump hat nicht nur mit seinen Bemerkungen über Frauen, sondern auch mit zahlreichen Ausfällen gegen Einwanderer, Muslime, Menschen mit Behinderung oder Medien für Entsetzen gesorgt. Im Wahlkampf tauchte ein Video von 2005 auf, in dem zu hören ist, wie sich Trump vulgär über Frauen äußert. Mehrere Frauen warfen ihm zudem sexuelle Belästigung vor.

Mindy Freiband, eine der Organisatorinnen in Sydney, betonte, dass es nicht nur darum gehe, gegen Trump zu demonstrieren, sondern allgemein gegen Hassreden, Frauenfeindlichkeit, Bigotterie und Fremdenfeindlichkeit. "Wir wollen mit Frauen rund um den Globus eine vereinte Stimme präsentieren."

cbu/kry/AFP/dpa/Reuters

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