Tarnkappen-Drohnen: So spionieren die Amerikaner Iran aus
Dutzende Drohnenflüge über verdächtige Anlagen, eine Spezialabteilung mit Hunderten Analysten, verdeckte CIA-Operationen: So sieht laut "Washington Post" das Spionage-Programm der USA gegen Iran aus. Der Bericht offenbart vor allem neue Details über Operationen mit Tarnkappen-Drohnen.
Washington - Seit Jahren rätselt der Westen über das Atomprogramm Irans. Dabei wissen die Amerikaner offenbar bestens Bescheid über die nuklearen Pläne Teherans. Wie die "Washington Post" am Sonntag berichtet, haben die Amerikaner seit 2006 ihr Spionageprogramm gegen Iran ausgeweitet. Die Zeitung sprach mit aktuellen und früheren Sicherheitsberatern der US-Regierung. Sie kommt zu dem Schluss, dass man im Weißen Haus davon ausgehe, über eine Entscheidung Irans zum tatsächlichen Atombombenbau rechtzeitig Geheimdienstinformationen erhalten zu können.
Die Erkenntnisse würden die Verhandlungsposition der USA bei den neuen Fünf-plus-eins-Gesprächen stärken, die am Freitag in Istanbul wiederaufgenommen werden sollen, so das Blatt.
Mit neuen Details konnten die namentlich nicht genannten Regierungsvertreter vor allem beim Überwachungsprogramm mit Tarnkappen-Drohnen aufwarten. Bereits vor drei Jahren habe die CIA demnach eine Überwachungsdrohne vom Typ RQ-170 "Sentinel" auf einen Jungfernflug in den iranischen Luftraum geschickt. Knapp tausend Kilometer drang die Drohne über die Grenze nach Zentraliran vor - und kehrte sicher zu einer US-Basis zurück, ohne von den Iranern entdeckt zu werden.
Die Drohne machte Aufnahmen der damals geheimen Atomanlage bei Fordo nahe der zentraliranischen Stadt Ghom. Die Anlage steht im Zentrum des Atomstreits mit Iran - der Westen fordert vor den Verhandlungen kommende Woche die sofortige Schließung der lange geheim gehaltenen Anlage.
Der Flug der "Sentinel" bis nach Zentraliran ist offenbar kein Einzelfall. Laut "Washington Post" hat die CIA in den letzten Jahren Dutzende Tarnkappen-Drohnen in den iranischen Luftraum geschickt. Diese hätten Hunderte Male verdächtige Anlagen überflogen - bis zum Dezember 2011, als eine Drohne, ebenfalls vom Typ "Sentinel", über Iran abstürzte.
Drohnen mit Selbstzerstörungmechanismus?
Die Iraner präsentierten später das Fluggerät und behaupteten, das "Biest von Kandahar" abgeschossen zu haben. Später führten sie die Drohne im Staatsfernsehen vor. Die Amerikaner sprachen von einem technischen Defekt. Der Absturz gab der Öffentlichkeit zumindest einen kleinen Einblick in das Drohnen-Programm.
Vor dem Jungfernflug hatte es laut "Washington Post" eine interne Debatte in der CIA gegeben, ob man die Drohnen mit Selbstzerstörern ausrüsten solle, die das Fluggerät vernichten würden, sobald es vom Kurs abgekommt. Der damalige Nationale Geheimdienstkoordinator, Michael McConnell, habe dafür getrommelt, doch letztlich hätten sich Ingenieure der CIA durchgesetzt. Ihr Argument: Die Vorrichtung würde zu viel wiegen für die austarierte Leichtgewicht-Konstruktion.
Die Regierungsvertreter, die mit der "Washington Post" sprachen, berichteten, dass auch nach dem Absturz die Überwachungsflüge weitergingen und dass der Schaden für die allgemeine Überwachungsfähigkeit gering seien.
E-Mails und Satellitenbilder werden ausgewertet
In der Tat machen die Drohnenflüge nur einen Teil des breiten Spionageprogramms aus, das sich gegen Iran richtet. Die "Washington Post" berichtet, dass die National Security Agency (NSA), der größte Militärnachrichtendienst der USA, elektronische Kommunikation überwache und die National Geospatial-Intelligence Agency (zu deutsch etwa: "Nationale Agentur für geograpfische Aufklärung") Satellitenbilder auswerte. Letztere war es demnach, die die geheime Atomanlage bei Ghom erstmals entdeckte.
Der Westen verdächtigt Teheran, unter dem Deckmantel seines zivilen Atomprogramms am Bau einer Bombe zu arbeiten. Die iranischen Führung streitet dies ab. Israel fühlt sich von Iran in seiner Existenz bedroht und erwägt einen Angriff auf die Atomanlagen - wogegen sich die Amerikaner bislang aussprechen.
Das umfassende Programm hat laut dem Bericht 2006 seinen Ursprung genommen, als den Geheimdienstchefs und Sicherheitsberatern des damaligen Präsidenten George W. Bush aufgefallen sein, wie wenig man über die Absichten Irans in der Atomoffensive wusste.
Iran-Spezialisten werden im "Persia House" gesammelt
Die CIA habe daraufhin eine eigene Iran-Abteilung gegründet. Intern spricht man vom "Persia House". Die Abteilung zählt mittlerweile mehrere hundert Analysten und werde vom früheren CIA-Statthalter im pakistanischen Islamabad geleitet. Offiziell wollte die CIA keine Stellung dazu nehmen.
In der Region habe man fieberhaft ein Informantennetz aufgebaut. Und die Amerikaner konnten ihre Militärpräsenz in den iranischen Nachbarländern Afghanistan und Irak nutzen, um von dort aus Spionageoperationen zu starten, wie beim Fall des "Biests von Kandahar".
Was haben sie herausgefunden? Laut "Washington Post" sind die Amerikaner nach Jahren der verstärkten Spionagetätigkeit zu einer ähnlichen Einschätzung gekommen wie bereits 2007 in einem umstrittenen Bericht. Das Fazit lautete: Auch wenn sich die Iraner aktiv um die Voraussetzungen für ein Atomwaffenprogramm bemühen, hätte sich die Regierung bislang nicht dafür entschieden, auch tatsächlich einen atomaren Sprengkopf zu bauen.
Wenn sich dies ändere, sind die US-Regierungsvertreter überzeugt, würden es die amerikanischen Geheimdienste mitbekommen. Das dürften die Amerikaner auch deshalb betonen, weil sie einen Angriff Israels auf die iranischen Atomanlagen fürchten.
fab
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- Sonntag, 08.04.2012 – 20:00 Uhr
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Buschehr : Atomkraftwerk, im Mai 2011 nach mehrfachen Terminverschiebungen in Betrieb genommen - zunächst zu Testzwecken. Im September 2011 ging der Reaktor in Regelbetrieb, allerdings noch nicht auf voller Leistung
Isfahan : Forschungsreaktor
Jasd: Uranminen
Natans : Anlage zur Urananreicherung, angeblich mit 6000 Zentrifugen in Betrieb. Im Herbst 2009 gab Iran bekannt, nahe der Stadt Ghom eine zweite Anlage zur Urananreicherung zu besitzen.
Teheran : Forschungsreaktor
1979: Nach der Revolution und der Ausrufung der Islamischen Republik wird das Atomprogramm nicht weiter betrieben.
1980-1988: Im Irak-Iran-Krieg wird der Atomreaktor in Buschehr mehrfach bombardiert und dabei schwer beschädigt.
Neunziger Jahre: Deals auf dem Schwarzmarkt mit Abdul Qadir Khan , Pakistans "Vater der Atombombe"
1995: Abkommen mit Russland zum Wiederaufbau des Atomreaktors von Buschehr
2002: Iranische Oppositionelle im Exil berichten über ein geheimes Atomprogramm.
2003: Iran unterzeichnet das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag (bislang aber nicht vom Parlament ratifiziert).
2006: Der Uno-Sicherheitsrat verlangt in seiner Resolution 1696 erstmals den Stopp der Urananreicherung .
Juli 2008: Iran droht bei einem Angriff auf seine Atomanlagen mit militärischen Gegenschlägen. Das Regime testet Schahab-3-Raketen, die auch Ziele in Israel erreichen könnten.
November 2008: Iran hat nach eigenen Angaben die Zahl seiner für die Urananreicherung benötigten Zentrifugen auf 5000 erhöht.
Juni 2009: Iran hat laut Internationaler Atomenergiebehörde IAEA weitere tausend Gaszentrifugen im Atomzentrum Natans in Betrieb genommen und bisher knapp 1,4 Tonnen niedrig angereichertes Uran produziert.
Mai 2010: Nach Verhandlungen mit dem brasilianischen Präsidenten Lula und dem türkischen Regierungschef Erdogan erklärt sich Iran bereit, schwach angereichertes Uran im Ausland zu tauschen. Wenig später kündigt Teheran an, an der umstrittenen Urananreicherung auf 20 Prozent festhalten zu wollen.
Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat, die EU und die USA beschließen neue Sanktionen gegen Teheran. US-Präsident Obama spricht von den bisher härtesten Sanktionen überhaupt - doch Beobachter bleiben skeptisch, ob die Strafmaßnahmen Erfolg bringen.


Israelische Politiker, darunter auch Kabinettsmitglieder, sprechen sich für präventive Militärschläge gegen Iran aus.
November 2009: Die IAEA kritisiert in einer Resolution die jahrelang geheim gehaltene iranische Urananreicherungsanlage bei Ghom. Teheran reagiert mit der Ankündigung, zehn neue Uran-Anlagen zu bauen.
Dezember 2009: Iran testet die Mittelstreckenrakete Sedschil 2. Diese habe größere Zielgenauigkeit als das Vorgängermodell Schahab 3.
2. Februar 2010: Ahmadinedschad zeigt sich bereit, auf einen Vorschlag der IAEA einzugehen, der eine Anreicherung iranischen Urans auf 20 Prozent im Ausland vorsieht. Wenige Tage später rudert er wieder zurück.
7. Februar 2010: Iran verkündet, man habe niedrig angereichertes Uran von 3,5 auf 20 Prozent gebracht und sei in der Lage, es auf 80 Prozent anzureichern. Damit könnten Atomwaffen hergestellt werden.
11. Februar 2010: US-Präsident Barack Obama kündigt als Reaktion umfangreiche neue Sanktionen gegen Iran an.
1. April 2010: Nach langem Widerstand gegen neue Sanktionen ist China bereit, sich an den Verhandlungen über den Text einer verschärften Uno-Resolution zu beteiligen.
25. April 2010: Zur Abwehr neuer Sanktionen besucht Irans Außenminister Manutschehr Mottaki Österreich. Gespräche mit dem Chef der IAEA, Yukija Amano, und Österreichs Außenminister Michael Spindelegger bringen jedoch keinen Durchbruch.
17. Mai 2010: Nach Verhandlungen mit Brasilien und der Türkei lenkt Iran ein und will Uran im Ausland anreichern lassen. Doch die internationale Gemeinschaft reagiert skeptisch auf die Ankündigung.
9. Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat beschließt schärfere Sanktionen gegen Iran. Sie beinhalten weitere Hürden für die iranische Finanzbranche und eine Ausweitung des Waffenembargos. Auch die USA und die EU setzen schärfere Maßnahmen gegen Iran in Kraft.
Januar 2011: Die Atomgespräche zwischen Iran und den westlichen Mächten in Istanbul scheitern. Teheran hatte weiterhin "ein Recht auf Urananreicherung" gefordert.
Fläche: 1.648.195 km²
Bevölkerung: 74,962 Mio.
Hauptstadt: Teheran
Staatsoberhaupt und Religionsführer:
Ajatollah Ali Chamenei
Staats- und Regierungschef:
Mahmud Ahmadinedschad
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