Korrespondentendinner in Washington Donald Trump will nicht lachen

Schluss mit lustig: US-Präsident Trump ist dem traditionellen Korrespondentendinner ferngeblieben. Beim Journalistentreffen in Washington herrschte heitere Ernsthaftigkeit.

AP

Eigentlich ist es ein jährlicher Pflichttermin für US-Präsidenten: Das White House Correspondents Dinner in Washington. Donald Trump hat auch mit dieser jahrzehntelangen Tradition gebrochen - mit Selbstironie hat er es offenbar nicht so.

Statt sich von einem Comedian vor der versammelten Hauptstadtpresse die Leviten lesen zu lassen und sich mit einer humoristischen Rede selbst auf den Arm zu nehmen, hat er sich am Samstag in Harrisburg vor Tausenden Anhängern für die ersten 100 Tage seiner Amtszeit feiern lassen.

In Washington hielt stattdessen Hasan Minhaj, ein Comedian der Satire-Sendung "Daily Show", die Rede im Saal. "Niemand wollte diesen Job hier machen, also muss natürlich ein Einwanderer ran", sagte Minhaj, der selbst Muslim und indischstämmiger US-Amerikaner ist. Der 31-Jährige erklärte, angesichts der turbulenten ersten 100 Tage von Trumps Amtszeit schaue er die Polit-Serie "House of Cards" zur Entspannung.

Weniger witzig, sondern ernst und grundsätzlich wurde Jeff Mason. Es sei gefährlich für die Demokratie, wenn versucht werde, die Medien zu untergraben, erklärte der Präsident der Korrespondentenvereinigung im Weißen Haus. "Wir sind nicht 'fake news', wir sind nicht im Niedergang begriffene Nachrichten-Organisationen, und wir sind nicht der Feind des amerikanischen Volkes", sagte der Reuters-Reporter.

"Goldenes Zeitalter" für Journalisten

Die Komikerin Samantha Bee hatte am Nachmittag vor dem Korrespondentendinner eine Zusatzausgabe ihrer satirischen Late-Night-Sendung "Full Frontal" in Washington aufgenommen. Der Titel diesmal: "Not the White House Correspondents' Dinner". Bee sagte, die Journalisten in den USA lebten in einem goldenen Zeitalter - "leider vor allem wegen eines goldenen Präsidenten, der Golden Showers mag".

Donald Trump tat so, als interessiere ihn das alles nicht. Er sagte in seiner Rede vor jubelnden Anhängern in Harrisburg, er könne nicht glücklicher sein, das Galadinner in der US-Hauptstadt zu verpassen. "In diesem Moment trösten sich eine große Gruppe von Hollywood-Schauspielern und Vertretern der Washingtoner Medien gegenseitig in einem großen Ballsaal in der Hauptstadt", erklärte er. Die Zuschauer reagierten mit Buh-Rufen. Trump attackierte auch erneut die "New York Times" sowie die Sender CNN und MSNBC und warf ihnen Lügen vor.

IM VIDEO: Trump verhöhnt die Hauptstadtmedien

REUTERS

dop/Reuters



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