Wegen Äußerungen zum Euro Briten empören sich über Schäuble

Die politische Atmosphäre zwischen Deutschland und Großbritannien ist seit Tagen gestört. Nun droht aus dem leichten Zerwürfnis ein heftiger Konflikt zu werden. Die Londoner Zeitungen erregen sich über Äußerungen des deutschen Finanzministers - und verwenden dabei drastische Kriegsrhetorik.

Euro-Flagge vor britischem Parlament: Zwei Dinge, die irgendwie nicht zusammenpassen
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Euro-Flagge vor britischem Parlament: Zwei Dinge, die irgendwie nicht zusammenpassen


Hamburg - Großbritannien tobt: "Deutschlands Krieg gegen das Pfund", titelt die Online-Ausgabe der "Daily Mail". Und selbst das seriöse Blatt "The Independent" spricht von einem "anti-britischen Gegenschlag" aus Berlin. Einen Tag nach dem bemüht freundlichen Treffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem britischen Premier David Cameron ist der Beruhigungseffekt schon wieder verpufft.

Was die Briten so aufregt, sind vor allem die Äußerungen von Wolfgang Schäuble (CDU). Der deutsche Finanzminister hatte am Freitag in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa angedeutet, dass er einen Beitritt des Königreichs zum Euro erwarte. Es sei das Recht Großbritanniens, vorläufig nicht der Euro-Zone anzugehören, so Schäuble. "Aber es geht vielleicht schneller, als mancher heute auf der britischen Insel glaubt." Eines Tages werde ganz Europa eine Währung haben.

Schäubles Ansage sei eine "hochprovokative Intervention" gewesen, schreibt die "Daily Mail" - und zitiert den Tory-Abgeordneten Philip Davies mit den Worten, "der deutsche Finanzminister lebe wohl "in Wolkenkuckucksheim" und solle sich gefälligst darauf konzentrieren, die Krise zu lösen. "Anstatt uns zu sagen, was wir zu tun haben, sollte er lieber zuhören, was die Leute in Deutschland wollen - ich bin ziemlich sicher, dass sie lieber die D-Mark zurückhätten, als Griechenland und Italien zu retten."

Der "Independent" schreibt, die deutschen Medien hätten in das Gezeter Schäubles eingestimmt und zitiert sowohl die Schlagzeile der "Bild"-Zeitung, die am Freitag fragte, was "die Engländer eigentlich noch in der EU" wollen, als auch einen Artikel auf SPIEGEL ONLINE mit der Überschrift "Krankes Empire".Die Spannungen zwischen Großbritannien und Deutschland waren schon Mitte der Woche aufgekommen, nachdem Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) gesagt hatte, in Europa werde nun "Deutsch gesprochen". Am Freitag hatten Merkel und Cameron bei ihrem Treffen versucht, die Lage zu beruhigen und sich gegenseitig der deutsch-britischen Freundschaft versichert.

Die Beruhigung währte nicht lange - und sie war ohnehin nur vordergründig. Inhaltlich liegen die beiden Regierungen bei vielen Punkten im Streit. So sträubt sich Großbritannien gegen die deutschen Pläne, die Integration in der Euro-Zone zu vertiefen. Auch bei der Frage nach der Einführung einer Finanztransaktionssteuer liegen Merkel und Cameron über Kreuz. Ebenso wie bei der nach der Rolle der Europäischen Zentralbank (EZB) bei der Krisenbekämpfung.

Großbritannien ist derzeit nicht das einzige Land, in dem die Deutschen schlecht gelitten sind. In Griechenland, Italien und Spanien klagen Bürger, Politik und Medien schon lange über das Spardiktat aus Berlin und die dominante Rolle, die die deutsche Regierung bei den Versuchen einnimmt, die Krise zu lösen. Neuerdings sind auch die Iren aufgebracht. Sie mussten am Donnerstag aus der Zeitung erfahren, dass ihre Mehrwertsteuer im kommenden Jahr erhöht wird: Die Pläne waren allerdings nicht von der eigenen Regierung kommuniziert worden, die Informationen kamen aus dem Deutschen Bundestag.

stk

insgesamt 380 Beiträge
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Seite 1
mc6206 19.11.2011
1. .
Viel Feind viel Ehr sagte schon Kaiser Wilhelm.
weltbetrachter 19.11.2011
2. Teamwork ???
Was ist Teamwork in Europa ? -- Jeder macht was er will ! - Keiner was er soll ! - Aber alle machen mit !
kellitom 19.11.2011
3. Der Euro wird scheitern
England tut gut daran, dem Euro nicht beizutreten. Wenn jetzt auch noch Spanien und Italien unter den Rettungsschirm müssen, wird der Euro scheitern.
Liberalitärer, 19.11.2011
4. Holland
Zitat von mc6206Viel Feind viel Ehr sagte schon Kaiser Wilhelm.
Ja, ja das sagte er. In Doorn?
Der Bruddler, 19.11.2011
5. Überschrift
Zitat von sysopDie politische Atmosphäre zwischen Deutschland und Großbritannien ist seit Tagen gestört. Nun droht aus dem leichten*Zerwürfnis ein heftiger Konflikt zu werden. Die Londoner Zeitungen erregen sich über Äußerungen des deutschen Finanzministers - und verwenden dabei drastische Kriegsrhetorik. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,798754,00.html
Jetzt greift der Größenwahn absolut um sich! Europa wird zusammenrücken und Deutschland arbeitet daran von möglichst vielen rausgedrängt zu werden. Wer meint nationale Interessen werden am besten egoistisch durchgedrückt, wird am Ende selbst durchgedrückt. Ist denn absolut keine Zusammenarbeit mehr möglich und gewollt?
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