30. April 2013, 07:16 Uhr

Hungerstreik

US-Militär schickt Mediziner nach Guantanamo

Der Hungerstreik im US-Gefangenenlager Guantanamo verschärft sich. Rund hundert Insassen verweigern das Essen. Nun hat die US-Navy zusätzliches medizinisches Personal in das Gefangenenlager geschickt: Rund 40 Krankenpfleger und Spezialisten sollen die Situation in den Griff kriegen.

Guantanamo Bay/Washington - Wegen des Hungerstreiks der Häftlinge in Guantanamo ist zusätzliches medizinisches Personal in das US-Gefangenenlager entsandt worden. Rund 40 Mitglieder der US-Navy, darunter Krankenpfleger und Spezialisten, seien im Laufe des Wochenendes in Guantanamo eingetroffen, sagte US-Militärsprecher Samuel House am Montag. Die Erhöhung des Personals sei bereits vor einigen Wochen geplant worden, als sich immer mehr Insassen dem Protest angeschlossen hätten, sagte der Sprecher der Haftanstalt.

House zufolge sind derzeit 100 der 166 Häftlinge im Hungerstreik, diese Zahl ist demnach seit dem Wochenende konstant. Insgesamt 21 Gefangene werden künstlich ernährt. Die Anwälte der Guantanamo-Insassen sprechen bereits seit Beginn des Protestes Anfang Februar von rund 130 Hungerstreikenden.

Die Situation im umstrittenen Militärgefängnis hatte sich Anfang Februar zugespitzt. Wärter hatten an diesem Tag Zellen durchsucht und zum Teil persönliche Gegenstände der Häftlinge beschlagnahmt. Dabei sollen die Wärter auch unangemessen mit Koran-Ausgaben umgegangen sein - ein Vorwurf, den das Pentagon zurückwies.

Im Kern richte sich der Hungerstreik aber gegen die seit elf Jahren andauernde unbegrenzte Inhaftierung ohne Anklage oder Prozess, erklärten Anwälte der Insassen.

Mitte April hatte es dann einen heftigen Zusammenstoß von Insassen und Wärtern gegeben, als mehrere Gefangene aus einem Gemeinschaftsbereich in Camp 6 in Einzelzellen verlegt werden sollten.

Der Hungerstreik verstärkt den Druck auf den US-Präsidenten. "Ich bin erschüttert, dass Präsident Barack Obama nichts getan hat und weiterhin nichts tut", sagte der britische Guantanamo-Experte Andy Worthington. Obama hatte vor seiner Wahl 2008 versprochen, das Lager zur Inhaftierung von Terrorverdächtigen zu schließen. Der Kongress verweigerte dafür jedoch die finanziellen Mittel und blockierte die Verlegung von Häftlingen in die USA. Worthington zufolge schweben einige der hungerstreikenden Häftlinge mittlerweile in Lebensgefahr.

fab/AP/AFP


URL:

Mehr auf SPIEGEL ONLINE:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH