Wegen Trump-Tweet Südafrika bestellt US-Diplomaten ein

Südafrika reagiert scharf auf einen Tweet von Donald Trump zur Debatte über eine Landreform am Kap: Das Außenministerium bestellte den Geschäftsführer der US-Botschaft ein.


Südafrika lässt sich Äußerungen von Präsident Donald Trump über die umstrittene Landreform nicht gefallen. Das Außenministerium bestellte den Geschäftsträger der US-Botschaft ein. Außenministerin Hon Lindiwe Sisulu wollte die Unzufriedenheit der Regierung und Bevölkerung über den "auf falschen Informationen basierenden Tweet" des US-Präsidenten zum Ausdruck bringen, hieß es in einer Mitteilung des Ministeriums auf Facebook.

Trump hatte sich in der Nacht zu Donnerstag per Twitter in die Debatte über die umstrittene Landreform in Südafrika eingemischt. Er habe Außenminister Mike Pompeo angewiesen, Enteignungen von weißen Bauern und Beschlagnahmungen landwirtschaftlicher Betriebe sowie die "großangelegte Tötung von Farmern" in Südafrika genau zu beobachten, twitterte er. Kurz zuvor war auf Trumps Lieblingssender Fox News ein Bericht über Enteignungen von weißen Landwirten gelaufen. Moderator Tucker Carlson bezeichnete die mehrheitlich schwarze Regierung Südafrikas darin als "rassistisch".

Trumps Tweet sei durch südafrikanische Lobbyisten beeinflusst worden, welche die Landreform zum Scheitern bringen wollten, hieß es vom südafrikanischen Außenministerium. Der Geschäftsträger der US-Botschaft sei informiert worden, dass Pretoria "enttäuscht" über die unterlassene Nutzung vorhandener diplomatischer Kanäle sei.

In Südafrika machen Weiße ungefähr 10 Prozent der Bevölkerung aus, aber knapp ein Vierteljahrhundert nach dem Ende des rassistischen Apartheid-Regimes gehört ihnen immer noch etwa 72 Prozent des landwirtschaftlich genutzten Landes. Schwarzen war der Landbesitz während der Apartheid-Jahre verboten.

als/dpa



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cmann 24.08.2018
1. Zweischneidige Angelegenheit,
Es stimmt, etwa 70 % des Farmlandes sind in Südafrika immer noch in der Hand von Weißen, eine Umverteilung ist nötig aber offensichtlich nur bedingt erfolgreich. Nimmt man das Beispiel Namibia und Simbabwe wo eine völlig chaotische "Landreform" durchgezogen wurde mit genau dem Szenario das Trump fälschlich in seinem Tweed zu Südafrika beschreibt. Ohne entsprechendes know how der schwarzen zukünftigen Farmer wird es ein ähnliches Chaos in Südafrika geben. Die einfache "Landnahme" wird die gleiche Katastrophe zur Folge haben wie sie in den Nachbarstaaten Südafrikas zu beobachten ist.
isi-dor 24.08.2018
2.
Trump sollte lieber vor der eigenen Türe kehren. Er selbst hat gerade weißen Rinderzüchtern erlaubt, sich Teile des heiligen Landes der First Nations im Bears Ears Nationalpark anzueignen und dort ihre Rinder weiden zu lassen, ohne dass diese Leute dort irgendwelche Besitzrechte besäßen. Überall enteignet Trump die First Nations und jetzt will er sich in die Landpolitik eines fremden Landes einmischen, das ihn überhaupt gar nichts angeht. Der Rassismus in Südafrika mag vorhanden sein, aber eines ist er sicher gar nicht: größer als Trumps Rassismus in den USA!
isi-dor 24.08.2018
3.
Zitat von cmannEs stimmt, etwa 70 % des Farmlandes sind in Südafrika immer noch in der Hand von Weißen, eine Umverteilung ist nötig aber offensichtlich nur bedingt erfolgreich. Nimmt man das Beispiel Namibia und Simbabwe wo eine völlig chaotische "Landreform" durchgezogen wurde mit genau dem Szenario das Trump fälschlich in seinem Tweed zu Südafrika beschreibt. Ohne entsprechendes know how der schwarzen zukünftigen Farmer wird es ein ähnliches Chaos in Südafrika geben. Die einfache "Landnahme" wird die gleiche Katastrophe zur Folge haben wie sie in den Nachbarstaaten Südafrikas zu beobachten ist.
In Namibia gibt es keineswegs eine chaotische Landreform. Dort kann man allenfalls kritisieren, dass sich die Clique des Ex-Präsidenten viel Farmland angeeignet hat, aber auch das ist letztlich eine innere Angelegenheit des jeweiligen Staates.
cmann 24.08.2018
4. Schön interpretiert,
Zitat von isi-dorIn Namibia gibt es keineswegs eine chaotische Landreform. Dort kann man allenfalls kritisieren, dass sich die Clique des Ex-Präsidenten viel Farmland angeeignet hat, aber auch das ist letztlich eine innere Angelegenheit des jeweiligen Staates.
als was würden Sie denn die Landnahme der Clique des ex Präsidenten bezeichnen? Als normalen im Süden Afrikas üblichen Vorgang, oder das was es ist kriminelle Machenschaften der Mächtigen zum Nachteil der eigenen Bevölkerung und deshalb kein Chaos?
seneca55 24.08.2018
5. 1/4-Jhdt. nach Ende der Apartheit muß die ANC-Reg nun handeln
Die Rep.Süd-Afrika wächst seit 10 Jahren kaum noch. Die ANC-Elite hat sich in der Post-Mandela-Ära vornehmlich selbst bereichert und den lieben Schwarzen (80%)geht es nicht besser, im Gegenteil. Im Kessel brodelt es bedenklich. Jetzt soll der Großgrundbesitz auch entschädigungslos enteignet werden und an "Bedürftige" verteilt werden - Mugabe läßt Grüßen. Das Leben der "Weißen" wird damit wohl bei Widerstand gefährlicher und ein weiterer Grund für Flucht aus Afrika in Zukunft geschaffen.
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