Weihnachtsansprache Papst Franziskus verurteilt Terror des "Islamischen Staats"

Millionen Christen verbringen dieses Weihnachtsfest auf der Flucht - an ihr Schicksal hat Papst Franziskus in seiner traditionellen Botschaft auf dem Petersplatz erinnert. Der Pontifex prangerte besonders die Verfolgung durch die IS-Terroristen an.


Rom - Papst Franziskus hat in seiner Weihnachtsansprache Gewalt und Hass gegen Christen im Nahen Osten angeprangert. "Den Retter der Welt bitte ich, dass er auf unsere Brüder und Schwestern im Irak und in Syrien schaue, die seit zu langer Zeit unter den Auswirkungen des Konfliktgeschehens leiden und mit den Angehörigen anderer ethnischer und religiöser Gruppen grausame Verfolgung erleiden", sagte Franziskus am ersten Weihnachtsfeiertag auf dem Petersplatz in Rom. Dort spendete der Pontifex den traditionellen Segen "Urbi et Orbi" - der Stadt und dem Erdkreis.

"Weihnachten bringe ihnen Hoffnung wie den zahlreichen Evakuierten, Vertriebenen und Flüchtlingen, Kindern, Erwachsenen und Alten in der Region und in der ganzen Welt", sagte der Papst weiter. Am Heiligen Abend hatte das religiöse Oberhaupt der Katholiken überraschend mit Christen in einem Flüchtlingslager in Ankawa im Irak telefoniert. "Ihnen geht es wie Jesus in der Weihnachtsnacht. Für ihn gab es auch keinen Platz", sagte der 78-Jährige.

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" hat Hunderttausende Christen aus ihrem Herrschaftsgebiet im Irak und in Syrien vertrieben. Jene, die in dem selbst ernannten Kalifat ausharren, werden brutal unterdrückt und als Menschen zweiter Klasse behandelt. "An diesem Weihnachten gibt es wahrlich so viele Tränen", sagte Franziskus.

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Weihnachtssegen des Papstes: "Urbi et Orbi"
Franziskus fordert Dialog zwischen Israelis und Palästinensern

Eindringlich rief der Papst zu Frieden im Heiligen Land auf: "Der Herr möge dem ganzen Nahen Osten Frieden schenken, indem er die Anstrengungen derer unterstütze, die sich tatkräftig für den Dialog zwischen Israelis und Palästinenser einsetzen", sagte Papst Franziskus vor etwa 80.000 Zuschauern in der italienischen Hauptstadt. Jesus möge auf alle schauen, die in der Ukraine leiden, "und gewähren, dass dieses geschätzte Land die Spannungen überwinde, den Hass und die Gewalt besiege".

Der Papst geißelte auch die Gewalt in Nigeria an, "wo weiteres Blut vergossen wird und zu viele Menschen ungerecht ihren Lebenskreisen entrissen, als Geiseln gehalten oder massakriert werden". Zudem erinnerte er an die Opfer der Ebola-Epidemie, besonders in Guinea, Sierra Leone und Liberia.

Franziskus rief außerdem zu besserem Schutz für Kinder auf, die besonders unter Konflikten und Krisen litten. "Zu viele von ihnen sind Opfer von Gewalt geworden, weil sie zum Gegenstand von Ausbeutung und Menschenhandel gemacht oder als Soldaten verdingt wurden."

syd/Reuters/dpa/AFP



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insgesamt 57 Beiträge
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naundob 25.12.2014
1. Dem ist nur noch hinzuzufügen...
Den wahren Retter der Welt - Sohn des Fliegenden Spaghettimonsters - bitte ich, dass er auf unsere Brüder und Schwestern im Irak und in Syrien schaue, die seit zu langer Zeit unter den Auswirkungen des Konfliktgeschehens leiden und mit den Angehörigen anderer ethnischer und religiöser Gruppen grausame Verfolgung erleiden. (Kann jedenfalls nicht schaden, oder?)
misericordia 25.12.2014
2. [Zaertlichkeit]
Welch entwaffnende Aussage am gestrigen Abend. Franziskus erreicht die Menschen. Sein gesamtes Engagement lässt sie hoffen. Er bewegt was in den Herzen und - in der Kirche. Man sollte seinem Weg mit Respekt begegnen.
adelsexperte 25.12.2014
3. Warum prangert er nicht
die Verursacher des Krieges an? Er sollte mal bei Herrn Scholl Latour nachlesen wer das war.
monolithos 25.12.2014
4. Lustig, lustig
Das Staatsoberhaupt des Christlichen Staates kritisiert den Islamischen Staat, obwohl die eigene Vergangenheit viel blutiger und dunkler war als die Gegenwart der Anderen. Es mag richtig sein, was er sagt. Glaubwürdigkeit lebt aber auch immer davon, wer es sagt.
trebbien 25.12.2014
5. Pardon - der Papst hat nichts verurteilt
es entspräche auch nicht der christlichen Haltung. Vor allem hat der Papst weder Namen noch Institutionen genannt. Vielmehr sprach er von den quälenden Vorgängen, und er bekannte sich zu allen, die darunter leiden - auch zu den pakistanischen Eltern der jüngst ermordeten Kindern. Wer seine Ansprache heute gehört hat, müsste es bestätigen können. Es war die einfache Botschaft vom Gott, der mitgeht.
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