Weißes Haus CNN-Reporter Acosta erhält dauerhafte Akkreditierung zurück

CNN-Reporter Jim Acosta darf jetzt doch wieder uneingeschränkt aus dem Weißen Haus berichten. Das entschied die US-Regierung - und erließ zugleich neue Regeln für Pressekonferenzen.

Jim Acosta (Archivfoto)
AP

Jim Acosta (Archivfoto)


Das Weiße Haus hat im Streit mit dem Sender CNN nachgegeben und die Akkreditierung des Reporters Jim Acosta wieder vollumfänglich hergestellt. Wie der US-Sender meldete, habe das Weiße Haus von seinen Drohungen abgelassen, Acosta seine Akkreditierung erneut zu entziehen.

"Nachdem wir eine formelle Antwort Ihres Gremiums auf unser Schreiben vom 16. November bekommen haben, haben wir uns dazu entschlossen, Ihnen die vollumfängliche Akkreditierung zurückzugeben", zitierte CNN aus einem Brief des Weißen Hauses an Acosta. "Wenn Sie sich weigern, sich zukünftig an die Regeln zu halten, behalten wir es uns vor, Maßnahmen einzuleiten. Der Präsident ist über diese Entscheidung informiert und stimmt mit ihr überein", hieß es weiter.

US-Präsident Donald Trump hatte den ersten Entzug der Akkreditierung des prominenten CNN-Journalisten nach einem Wortgefecht bei einer Pressekonferenz am 7. November angeordnet. Trump und der Journalist waren bei dem Termin verbal aneinandergeraten, nachdem Acosta Trump etwa für die Bezeichnung "Invasoren" für Flüchtende kritisiert hatte.

Im Video: Acosta und Trump streiten bei Pressekonferenz

REUTERS

Am Freitag erließ ein Bundesgericht allerdings eine einstweilige Verfügung, wonach Acosta bis zu einer endgültigen richterlichen Entscheidung wieder zu Pressekonferenzen zugelassen werden muss. Das Weiße Haus akkreditierte Acosta daraufhin vorläufig wieder.

Noch am selben Abend informierte das Weiße Haus den Journalisten über einen von Trump unterstützten Beschluss, dass die Akkreditierung nach Ablauf der 14-tägigen Gültigkeitsdauer der einstweiligen Verfügung wieder entzogen werde. CNN beantragte daraufhin am Montag eine Dringlichkeitsanhörung bei Gericht.

Weißes Haus erlässt neue Regeln für Pressekonferenzen

In dem jüngsten Brief an Acosta wurden laut CNN zugleich auch neue Regeln für Pressekonferenzen erlassen - die schlechtere Bedingungen für Journalisten insgesamt bedeuten: Eine davon lautete demnach, Journalisten dürften dem Präsidenten nur eine einzige Frage stellen, wenn sie aufgerufen würden. Es bleibe dem Präsidenten oder anderen Vertretern des Weißen Hauses vorbehalten, ob der jeweilige Journalist Folgefragen stellen dürfe. Danach müsse das Mikrofon abgegeben werden. Verstöße könnten mit der Suspendierung oder dem Entzug der Akkreditierung geahndet werden. Bisher waren Folgefragen üblich und wurden nicht geahndet.

Trump-Sprecherin Sarah Sanders teilte mit: "Wir haben diese Regeln mit einem gewissen Bedauern geschaffen." Sie hätte es vorgezogen, weiterhin Pressekonferenzen abzuhalten, "die sich auf eine Reihe von allgemein anerkannten beruflichen Normen stützen". Wegen der Haltung von CNN habe man sich nun aber gezwungen gesehen, die bisherigen Praktiken durch ausdrückliche Regeln zu ersetzen. Trump hatte in dem Streit "Anstand" von Journalisten im Weißen Haus eingefordert.

Mit dem Zugang zu Pressekonferenzen für Acosta ist das von CNN angestrengte Gerichtsverfahren vom Tisch. "In der Folge ist unsere Klage nicht mehr länger notwendig", teilte CNN mit. "Wir freuen uns darauf, weiter über das Weiße Haus zu berichten." CNN gehört zu den Medien, die am kritischsten über den US-Präsidenten berichten.

kry/dpa/AFP

insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
sailor60 19.11.2018
1. Nachfragen
sind also ab sofort nicht mehr erlaubt. Das hat dann eher etwas von einer gelenkten Presseerklärung. Beim ersten mal wird das spannend und danach sterbenslangweilig.
freddygrant 19.11.2018
2. Pressefreiheit schaut anders aus!
Die vom "White House" neu aufgestellten Regeln für dort stattfindende Pressekonferenzen haben mit Pressefreiheit so viel zu tun, wie die von Trump erwähnte Bezeichnung von Flüchtlingen aus Mexico als "Invasoren". So langsam wird das Weisse Haus in Washington zu einem journalistischen Tollhaus.
farfromhere 20.11.2018
3. Anstand
“Trump hatte in dem Streit "Anstand" von Journalisten im Weißen Haus eingefordert.” Den gleichen Anstand den Trump hat? Na dann wir es ja bald wie bei den Neandertalern bei der Pressekonferenz zugehen....
s.l.bln 20.11.2018
4. Letztendlich ist das...
...nichts anderes, als die in unzähligen Militärfilmen dargestellte Disziplinierungsmaßnahme, bei der die Kameraden des zu Disziplinierenden sanktioniert werden, nicht ohne mit dem Finger auf diesen zu zeigen und seinen Kameraden zu vermitteln, wem sie das zu verdanken haben, in der Hoffnung, diese würden ihn sich dann schon vornehmen.Teile und herrsche funktioniert auch im Kleinen. Außerdem kann er auf die Art wohl schneller zum Golfplatz. Da Trump auf Fragen, die ihm missfallen aber weder sofort noch auf Nachfrage antwortet, ist das vermutlich egal. In der Regel verfällt in solchen Fällen einen Wortschwall, auch als filibustering bekannt, dessen einziger Inhalt er selbst und seine Großtaten sind und redet komplett am Thema der Frage vorbei.
123egal 20.11.2018
5.
Trump-Sprecherin Sarah Sanders teilte mit: "Wir haben diese Regeln mit einem gewissen Bedauern geschaffen." Das Sie ein gefälschtes Video in Umlauf gebracht hat, und den Journalisten damit in Verruf bringen wollte, scheint wohl nicht mehr Thema zu sein ?!
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