Weißes Haus Konservativer Journalist mit Doppelidentität als Callboy

Ein US-Reporter für das Weiße Haus hat sich mit Nacktfotos als schwuler Callboy angeboten. Nun ist in den USA ein Streit darüber ausgebrochen, ob er sich als Journalist disqualifiziert hat. Der Mann arbeitete für Online-Publikationen, die den Republikanern nahe stehen - und verurteilte die Homo-Ehe als "Zustimmung zur Sodomie".


Website von GOPUSA: Exklusive Informationen aus dem Weißen Haus?

Website von GOPUSA: Exklusive Informationen aus dem Weißen Haus?

Hamburg - "Ich habe in meiner Vergangenheit Fehler begangen", zitiert die "Washington Post" in ihrer Online-Ausgabe den Reporter Jeff Gennon, der in Wirklichkeit James Dale Guckert heißt. Er bedauere es, dass das Weiße Haus nichts über seine anzügliche Nebentätigkeit gewusst habe. Aber, fragt er dann: "Bedeutet meine Vergangenheit, dass ich keine Zukunft haben kann? Disqualifiziert mich das als Journalist?"

Gannon/Guckert reagierte damit erstmals auf seine Kritiker, nachdem seine Tätigkeit als Callboy vergangene Woche durch liberale Web-Logger bekannt wurde. Er fragte weiter, ob es nun üblich sei, dass andere Reporter nun bei ihren Kollegen die sexuelle Vergangenheit ausforschen würden. "Ist das eine Art Lackmus-Test für Reporter? Ist es richtig, die Sexualität eines Anderen gegen ihn zu verwenden?"

Gannon/Guckert widersprach nicht der Darstellung, sich als Callboy für 200 Dollar die Stunde angeboten zu haben. Den Vorwurf jedoch, schwulenfeindliche Berichte verfasst zu haben, obwohl er selbst homosexuell sei, drehte er jetzt um: Seine liberalen Kritiker seien bereit ihre eigenen Prinzipien aufzugeben um ihn als Heuchler darzustellen. Gerade diese Liberalen seien es doch, für die ansonsten immer das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Unangreifbarkeit der Privatsphäre das höchste Gut seien.

"Doppelmoral der Konservativen"

John Aravosis, ein Aktivist der amerikanischen Schwulenbewegung, der die heiklen Fotos auf seiner Website Americablog.org veröffentlichte und seine Doppelidentät als Gannon/Guckert lüftete, wehrte sich nun seinerseits gegen die Vorwärtsverteidigung des konservativen Journalisten: Es gehe nicht darum, dass er Gannon das Recht abspreche als Journalist zu arbeiten, sondern um seinen Zugang zum Weißen Haus. Schließlich hätte ihn US-Präsident George W. Bush nicht in seine Räumlichkeiten gelassen, wenn er über seine Doppelidentität Bescheid gewusst hätte. Zudem sei er trotz aller Sicherheitsüberprüfungen bei den Pressekonferenzen des Präsidenten im Weißen Haus unter seinem falschen Namen aufgetreten.

Zudem habe er sich der Doppelmoral schuldig gemacht, die die gesamte konservative Familie betreffe. Schließlich habe Gannon/Guckert vergangenes Jahr geschrieben, dass John Kerry möglicherweise der "erste schwule Präsident" werden könne, weil er von "homosexuellen Menschrechtsanwälten" gestützt werde. In Kommentaren verurteilte er die die Debatte über die Legalisierung von Homo-Ehen als eine "juristische Zustimmung zur Sodomie". Der Gipfel sei nun, dass sich Gannon/Guckert jetzt Hilfe suchend an die Schwulengemeinde wende, schrieb Aravosis in seinem Weblog.

Gannon/Guckert gab nach Angaben der "Washington Post" Anfang des Monats seine Tätigkeit als Reporter für zwei konservative Websites auf. Er arbeitete ab Februar 2003 für die "Talon News" und "GOPUSA" als Reporter für das Weiße Haus, die beide einem texanischen Parteigänger der Republikaner gehören. Zur Zielscheibe für die Demokraten wurde er, als er Bush mit seinen Fragen die Vorlagen für heftige Kritik an den Demokraten lieferte und falsche Anschuldigungen gegenüber einen führenden Politiker der Demokraten erhoben hatte.

Aravosis hatte ihn zudem beschuldigt, dass er vom Weißen Haus mit exklusiven Meldungen versorgt wurde. So habe ihm Gannon etwa vier Stunden vor dem Angriff auf den Irak erzählt, bevor Bush den Beginn des Bombardements verkündete. Gannon wies diese Vorhaltungen zurück und sagte, er habe keine besonderen Freundschaften mit irgendjemand aus dem Amtssitz des Präsidenten gepflegt. Nun werde er auch noch dafür kritisiert, dass er Christ sei, empörte sich Gannon/Guckert weiter. "Ich glaube an einen Gott der Vergebung."



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