Teddybär-Affäre in Weißrussland: Lukaschenko feuert Außenminister

Der weißrussische Autokrat Alexander Lukaschenko hat seinen Außenminister Sergei Martinow entlassen. Der Rausschmiss soll eine Folge der sogenannten Teddybär-Affäre sein: Schwedische Aktivisten hatten das Land vor zwei Monaten mit einer Aktion für mehr Demokratie düpiert.

Weißrusslands Ex-Außenminister Martinow: "Auf einen anderen Posten" Zur Großansicht
REUTERS

Weißrusslands Ex-Außenminister Martinow: "Auf einen anderen Posten"

Minsk - Der weißrussische Außenminister Sergej Martinow ist nach Angaben des Präsidialamts "auf einen anderen Posten" versetzt worden. Sein Nachfolger wird der bisherige Chef des Präsidialamts, Wladimir Makei. Er gilt als enger Vertrauter des Staatschefs Alexander Lukaschenko. Die Regierung in Minsk machte zu den Umständen des Personalwechsels keine weiteren Angaben. Der 59-jährige Martinow war seit 2003 im Amt.

Der Entlassung Martinows vorausgegangen war die sogenannte Teddybär-Affäre: Schwedische Menschenrechtsaktivisten waren im Juli über Litauen in den weißrussischen Luftraum eingedrungen und hatten Teddybären an kleinen Fallschirmen abgeworfen, die mit Parolen auf die mangelnde Demokratie in der ehemaligen Sowjetrepublik aufmerksam machen sollten. Daraufhin hatte Lukaschenko Anfang August alle schwedischen Diplomaten ausgewiesen, die Botschaft wurde geschlossen.

Der Chef des Grenzschutzes und der oberste Kommandeur der Luftwaffe wurden entlassen, nun traf es auch Außenminister Martinow. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass Lukaschenko den Grenzschützern den Befehl erteilt hätte, jeden zukünftigen Eindringling im weißrussischen Luftraum zu beschießen.

Der neue Außenminister Makei wird nicht an EU-Treffen und Konferenzen in Europa teilnehmen können: Seit unter seiner Führung Proteste nach der Präsidentenwahl 2010 gewaltsam niedergeschlagen wurden, hat die Europäische Union Makei mit einer Einreisesperre belegt. "Die Ernennung von Makei kann nicht dabei helfen, die Beziehungen mit dem Westen bedeutend zu verbessern", sagte der weißrussische Politologe Roman Jakowlewski der Nachrichtagentur AFP. Andere Kommentatoren in Minsk werteten die Ernennung Makeis dennoch als Signal an die EU. In der Vergangenheit habe dieser zum Dialog zwischen Weißrussland und Europa beigetragen.

Präsident Lukaschenko regiert Weißrussland seit 18 Jahren. Wegen Menschenrechtsverletzungen ist das Land mit zahlreichen Sanktionen belegt. Die Regierung des ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush nannte Lukaschenko "den letzten europäischen Diktator".

jls/AFP/Reuters

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ministerkegeln...
Uebelkraehe 21.08.2012
...gehört bekanntlich zu den Lieblingsbeschäftigungen von Josef Adolfowitsch, wie ihn die Minsker rufen (leise)!). Igendwie hat er die Teddymission auch falsch verstanden, die sollten ihm doch nur zeigen, wie er sich aus einem Kleinflugzeug über Olympia abwerfen lassen soll! Nur auf diesem Weg kann er Einladungen Folge leisten wie die der Schweden, denn anders kommt er ja bei Einreiseverbot nicht über die Grenze...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Weißrussland
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 1 Kommentar
  • Zur Startseite

Bevölkerung: 9,588 Mio.

Hauptstadt: Minsk

Staatsoberhaupt: Alexander Lukaschenko

Regierungschef: Michail Mjasnikowitsch

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Osteuropa-Reiseseite