Weißrussland Lukaschenko zwingt Bürger zum Arbeiten

Von Niederlassungsfreiheit hält der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko wenig: Mit hohen Geldstrafen will er verhindern, dass Arbeiter ins benachbarte Russland abwandern. Kritiker sprechen von einer Rückkehr zur Leibeigenschaft.

Hiergeblieben: Alexander Lukaschenko will keine Arbeiter mehr an Russland verlieren
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Hiergeblieben: Alexander Lukaschenko will keine Arbeiter mehr an Russland verlieren


Minsk - Grundsätzlich hat der weißrussische Staatschef Alexander Lukaschenko kein Problem damit, Arbeit ins Ausland zu verlagern. Nach SPIEGEL-Informationen wurde seine Regierungsmaschine kürzlich in Hamburg von Lufthansa Technik gewartet, Lukaschenkos Milizen wurden sogar von deutschen Polizisten geschult. Weniger duldsam ist der Präsident gegenüber weißrussischen Bürgern: Unter Androhung von drakonischen Geldstrafen hat er nun Tausenden verboten, ihre Arbeitsplätze aufzugeben und ins Ausland zu gehen.

Lukaschenko unterzeichnete am Freitag einen Erlass, mit dem er verhindern will, dass noch mehr Arbeiter nach Russland abwandern. Dort sind die Löhne höher als in Weißrussland. Das Dekret betrifft rund 13.000 Angestellte in der staatlich kontrollierten holzverarbeitenden Industrie und etwa 3000 Bauarbeiter, die an der Modernisierung der Sägewerke arbeiten. Durch eine Klausel in ihren neuen Arbeitsverträgen sollen sie verpflichtet werden, alle Gehälter seit Unterzeichnung des Vertrags zurückzuzahlen, falls sie kündigen.

Um das Geld einzutreiben, sollen die Behörden die Strafe vom Gehalt abziehen, wenn ein Arbeiter eine neue Stelle annimmt. Hat er keinen neuen Job, muss er wieder in sein altes Werk zurückkehren und trotzdem die Strafe zahlen. Lukaschenko hatte den Schritt bereits vergangene Woche beim Besuch eines Sägewerks angekündigt. Kritiker warfen ihm daraufhin vor, er wolle die Leibeigenschaft wieder einführen.

dab/dapd



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Zorpheus 08.12.2012
1.
Das Problem gab es ja auch so ähnlich in der DDR - man stellt das Wohl des Staates und der Gemeinschaft insgesamt über das Wohl des einzelnen. Naja, wenn man es als Arbeiten für die Führung sieht ist es Leibeigenschaft, das ist klar. Aber wenn es für das Wohl des Volkes ist?
OskarVernon 08.12.2012
2. Eben:
Zitat von ZorpheusDas Problem gab es ja auch so ähnlich in der DDR - man stellt das Wohl des Staates und der Gemeinschaft insgesamt über das Wohl des einzelnen. Naja, wenn man es als Arbeiten für die Führung sieht ist es Leibeigenschaft, das ist klar. Aber wenn es für das Wohl des Volkes ist?
Arbeitspflicht und Sanktionen für den bloßen Wunsch, das Land zu verlassen - und doch trauern dem gar nicht wenige nach; wo also ist eigentlich das Problem?
Kohle&Reibach 08.12.2012
3. Ach kommt
Zitat von sysopDPAVon Niederlassungsfreiheit hält der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko wenig: Mit hohen Geldstrafen will er verhindern, dass Arbeiter ins benachbarte Russland abwandern. Kritiker sprechen von einer Rückkehr zur Leibeigenschaft. http://www.spiegel.de/politik/ausland/weissrussischer-praesident-lukaschenko-zwingt-buerger-zum-arbeiten-a-871707.html
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Zorpheus 08.12.2012
4.
Wenn wir mal wieder einen sozialistischen Staat mit schwacher Wirtschaft gründen, sollten wir das folgendermaßen machen: Wer das Land verlassen will muss seine Ausbildung bezahlen. Ich mein, der Verlust der teuer ausgebildeten Fachkräfte war ja das gesamtwirtschaftliche Problem in der DDR. Und halbwegs gerecht wär das auch - in anderen Ländern muss man sein Studium ja auch auf Kredit finanzieren, anstatt es vom Staat bezahlen zu lassen.
sagmalwasdazu 08.12.2012
5. Bloßen Wunsch das Land zu verlassen ...
Zitat von OskarVernonArbeitspflicht und Sanktionen für den bloßen Wunsch, das Land zu verlassen - und doch trauern dem gar nicht wenige nach; wo also ist eigentlich das Problem?
Mir scheint, Lukaschenko hat das " Machtwerk " AGENDA 2010, bekannt unter SGB I-XII aufmerksam studiert. Gasgerd könnte ihm bei der Totalumsetzung sicherlich mit seinen Altkumpanen äußerst behilflich sein. Tantiemen vorrausgesetzt versteht sich.
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