Weißrussland: Präsident Lukaschenko droht Oppositionellen Prügel an

Steigende Preise treiben die Menschen in Weißrussland auf die Straßen. Präsident Lukaschenko kündigte jetzt an, hart gegen die Demonstranten vorzugehen: Der Autokrat drohte, Aktivisten zu verfolgen und eigenhändig so hart zuzuschlagen, dass sie "keine Chance haben, zu flüchten".

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Weißrussischer Präsident Lukaschenko: "Internetaktivisten eigenhändig verprügeln"

Minsk - Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko will Aktivisten, die über das Internet zu Protesten aufrufen, eigenhändig "verprügeln". Die Opposition in Minsk nutze soziale Netzwerke, um zu Protesten aufzurufen, zitierte das Staatsfernsehen Lukaschenko am Dienstag. Ich werde das beobachten und dann so hart zuschlagen, dass sie keine Chance haben werden, ins Ausland zu flüchten", drohte der seit 16 Jahren autokratisch regierende Staatschef.

Wegen der wirtschaftlichen Probleme nehmen Proteste in Weißrussland derzeit zu. Am Wochenende wurden Bereitschaftspolizisten an den Grenzübergängen zu Polen stationiert, nachdem weißrussische Demonstranten die Übergänge bei einer Protestaktion gegen neue Exportbeschränkungen blockiert hatten. Augenzeugen zufolge ging die Polizei mit Tränengas gegen die etwa 200 Demonstranten vor.

Während viele Bewohner der Grenzregion vom Handel mit dem Nachbarland abhängen, sprach Lukaschenko von "Profitgeiern", die es auf "billiges Benzin, Zigaretten und andere Dinge" abgesehen hätten. Zuvor hatten bereits Autofahrer in Minsk gegen rasant steigende Benzinpreise demonstriert, woraufhin die Regierung einen Höchstpreis für Benzin festlegte.

Auch gegen die Berichterstattung über die Lage in der früheren Sowjetrepublik gehen die Behörden hart vor. So begann am Dienstag der Prozess gegen einen weißrussischen Korrespondenten einer polnischen Zeitung, dem Beleidigung des Staatschefs vorgeworfen wird. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm vier Jahre Haft.

Nachdem Lukaschenko nach seiner umstrittenen Wiederwahl im Dezember eine Demonstration der Opposition brutal niederschlagen ließ, gab es zunächst nur wenige Berichte über Demonstrationen. Angesichts steigender Preise und der Geldentwertung nimmt die Unzufriedenheit der Bevölkerung jedoch zu.

Das wirtschaftlich angeschlagene Land hofft auf einen Milliardenkredit beim Internationalen Währungsfonds ( IWF), der jedoch einen klaren Plan zur Lösung der Krise erwartet. Beobachtern zufolge wird ein Kredit auch von einer gemäßigteren Haltung Lukaschenkos gegenüber der Opposition abhängig gemacht.

Immer stärker macht sich die Unzufriedenheit vieler Menschen auch über das Internet breit. So wird im Netz unter dem Motto "Besiege deine Angst - Werde zum Helden" zu einem Generalstreik am 3. Juli aufgerufen. Selbst die eigentlich loyal zu Lukaschenko stehenden Gewerkschaften haben davor gewarnt, dass die beständig steigenden Lebensmittelpreise zu weiteren Protesten führen werden.

lgr/AFP/Reuters

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1. Er sieht aus wie ein Mensch,
vantast64 15.06.2011
und ist doch nur ein kalter Massenmörder. Und der soll auch noch mit (unserem) Geld subventioniert werden? Will man sich an dieser Front Ruhe erkaufen? Schrecken ohne Ende oder Ende mit Schrecken? Leider steht ihm sein großer seelenloser Bruder Putin zur Seite, der ihn unterstützt. Soll der ihm doch helfen, bevor sich das Volk erhebt.
2. --
Phil_O_Soph 15.06.2011
Zitat von vantast64und ist doch nur ein kalter Massenmörder. Und der soll auch noch mit (unserem) Geld subventioniert werden? Will man sich an dieser Front Ruhe erkaufen? Schrecken ohne Ende oder Ende mit Schrecken? Leider steht ihm sein großer seelenloser Bruder Putin zur Seite, der ihn unterstützt. Soll der ihm doch helfen, bevor sich das Volk erhebt.
Befor sich das Volk erhebt? Das Volk erhebt sich wegen der Sanktionen seitens EU und nicht weil sie von Westen trämen bzw der "Freiheit" die der Westen ihnen schenken will. Die Menschen sind frei.. Glauben Sie wirklich dass überall in diesen Ländern die Befölkerung geknechtet ist und nur darauf wartet von uns befreit zuwerden? Der Westen bestimmt welches Land demokratisch ist und welches nicht...in Saudi Arabien werden Frauen gesteinigt und wir marschieren in Afganistan ein...wo ist der Sinn? Da wurde Chodorkowski daran gehindert die Ressoursen des Landes zuverschleudern und sitzt im Gefängniss und wir sagen er ist ein "Kremlkritiker" und wenn er rauskommt ist Russland "demokratisch" aber die Tatsache das die ganze Befölkerung in Russland meint,dass Chodorkowski zurecht in Knast ist interessiert keinen...oder sind die armen Russen nur falsch informiert? Die Befölkerung wird instrumentalisiert für die Politik und zwar von beiden Seiten..
3. Bluthund oder Vasallentum der Amerikaner
Diomedes 15.06.2011
Eine Gretchenfrage; nun ja, wie im Falle Russlands so steht auch sein weißer Verwandter vor der Frage, ob es von einem Bluthund mehr schlecht als recht regiert werden möchte oder ob es wirtschaftlich und politisch dem Einfluss der USA ausgeliefert sein möchte, so wie das übrige Europa; denn ein drittes gibt es nicht, da man hier mit China vom Regen in die Traufe kommen würde. Denn sobald man den Parlamentarismus und das damit verbundene Parteienunwesen erlaubt, wird dieses unweigerlich zur willigen und billigen Marionette der westlich-amerikanischen Wirtschaftsmächte – wobei man hier den Hund schwer von seinem Schwanz unterscheiden kann (wedelt nun die US-Regierung mit der Wirtschaft oder umgekehrt?) – herabsinken; allerdings: Den durch den Kommunismus hervorgerufen Niedergang von Volk und Staat vermochte bisher keiner der Bluthunde mit diesen Rezepten Einhalt zu gebieten; allenfalls wurde er verlangsamt und gestaut, mehr aber nicht. Im Übrigen bin ich dafür, dass der despotisch-bürokratische Moloch zu Brüssel und das inflationäre Spielgeld, genannt Euro, zerstört werden müssen!
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Hauptstadt: Minsk

Staatsoberhaupt: Alexander Lukaschenko

Regierungschef: Michail Mjasnikowitsch

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