Ernährungsbericht Hilfsorganisationen warnen vor Hungersnot in 56 Ländern

842 Millionen Menschen haben weltweit nicht genügend Nahrung zu Verfügung. Der Welthunger-Index 2013 schlüsselt auf, welche Regionen besonders stark von Unterernährung betroffen sind. Am kritischsten ist die Situation in drei afrikanischen Ländern.

Somalisches Flüchtlingskind: 842 Millionen Menschen weltweit hungern
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Somalisches Flüchtlingskind: 842 Millionen Menschen weltweit hungern


Berlin - In Burundi, Eritrea und den Komoren ist der Hunger am größten. Das geht aus dem am Montag veröffentlichten Welthunger-Index (WHI) hervor. In den drei afrikanischen Ländern ist der Hunger demnach "gravierend", in weiteren 53 Ländern ist die Ernährungssituation "ernst" oder "sehr ernst".

Der Index 2013 wurde für 120 Länder berechnet. Der Anteil der weltweit hungernden Menschen nimmt demnach ab. Dennoch: Jeder achte Mensch ist nicht ausreichend ernährt. 842 Millionen Menschen hatten im Jahr 2013 nicht genügend Nahrung zu Verfügung.

Weltkarte des Hungers: In drei Ländern ist die Mangelernährung "gravierend", in 16 "sehr ernst" und in 37 "ernst". Für mehrere Krisenstaaten (hier grau) fehlen zudem belastbare Daten.

Weltkarte des Hungers: In drei Ländern ist die Mangelernährung "gravierend", in 16 "sehr ernst" und in 37 "ernst". Für mehrere Krisenstaaten (hier grau) fehlen zudem belastbare Daten.

Obwohl Südasien seit 1990 die größten Fortschritte in der Hungerbekämpfung gemacht hat, ist der Hunger in der Region am größten. In Afrika ist besonders die Situation in der Sahelzone kritisch. Neben den Konflikten im Norden Malis und Nigerias führen dort Dürren, Heuschreckenplagen, Ernteeinbußen und hohe Lebensmittelpreise zu Mangelernährung.

Die Welthungerhilfe ist eine der für den Welthunger-Index verantwortlichen Organisationen. Sie fordert ein Umdenken in der Entwicklungsarbeit, damit die Bevölkerungen dieser Regionen besser auf die Krisen reagieren können. Dazu gehört die bessere Verzahnung von humanitärer Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit. Außerdem sollte die lokale Bevölkerung aktiv in die Planung und Durchführung etwa von Frühwarnsystemen einbezogen werden.

Für die Demokratische Republik Kongo, Somalia, den Irak oder Afghanistan lagen keine belastbaren Daten vor, sie konnten nicht in den WHI 2013 aufgenommen werden. Die UNO warnte außerdem im Juli vor einer drohenden Hungersnot in Syrien - dessen Einstufung im Index als "gut" ist deshalb auf mittlerweile überholte Daten zurückzuführen.

Was ist der Welthunger-Index?

Mit dem Welthunger-Index wird auf Grundlage von drei Indikatoren Hunger und Unterernährung gemessen. Diese sind der Anteil der Unterernährten an der Bevölkerung, der Anteil untergewichtiger Kinder unter fünf Jahren und der Anteil der Kinder, die vor dem fünften Lebensjahr sterben. Die Länder werden entsprechend einer 100-Punkte-Skala mit dem bestmöglichen Wert von 0 (kein Hunger) bis zum schlechtesten Wert von 100 bewertet, wobei keiner dieser Extremwerte tatsächlich erreicht wird.

Der Welthunger-Index wird seit 1990 gemessen. 23 Länder konnten seitdem ihre WHI-Werte um 50 Prozent oder mehr senken, 27 Länder konnten die Kategorien "gravierend" und "sehr ernst" verlassen. Die größten Fortschritte haben seit 1990 Kuwait, Vietnam und Thailand gemacht.

asp



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peregrino2007 14.10.2013
1. Mittlerweile
muss man nicht mehr zu anderen Kontinenten schauen. Aber die Wohlstand und Friedenspolitik der EU muss uns das schon wert sein. Schönen Gruss an "Die Tafel".
Gewissenhaft 14.10.2013
2. Die Erde kann
genug Nahrung für alle produzieren. Aber das ist eben nicht gewollt. Stattdessen spekuliert man an der Börse mit Lebensmitteln und hält mit Absicht das Angebot knapp oder verzögert Liefertermine um den Preis nach oben zu treiben. Niemand auf dieser Erde muss verhungern, wenn die westlichen Länder ein richtiges Interesse daran hätte alle zu versorgen. Das Interesse ist nicht da, weil die Erdbevölkerung künstlich reguliert wird um eine Überbevölkerung zu vermeiden. Wenn ich sehe was allein in Deutschland an Obst verfault, weil die Deutschen zu faul sind ihre eigenen Obstgärten abzuernten, dann wird einem schlecht. Lieber im Aldi heruntergezüchtete Äpfel kaufen, als die guten aus dem eigenen Garten.
nano-thermit 14.10.2013
3. Hauptsache die Banken sind gesund!
Zitat von sysopGetty Images842 Millionen Menschen haben weltweit nicht genügend Nahrung zu Verfügung. Der Welthunger-Index 2013 schlüsselt auf, welche Regionen besonders stark von Unterernährung betroffen sind. Am kritischsten ist die Situation in drei afrikanischen Ländern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/welthunger-index-a-927658.html
Und danke liebe Angie und danke lieber ESM, dass ihr so vehement für die Rettung der Banken eingetretten seid!
Deichscheich 14.10.2013
4. In welcher Welt leben sie eigentlich
peregrino, als ich das letzte Mal aus dem Fenster geschaut habe, hungerten weite Teile der deutschen Bevoelkerung noch nicht. Wer in Deutschland zur Tafel geht, hungert noch lange (!) nicht - dies gleichzusetzen mit humanitaeren Katastrophen in der 'dritten' Welt ist ziemlich kleinkariert. Und was ist eigentlich die Friedenspolitik der EU? Schlagen sie vor, wir sollten mal wieder irgendwo einmarschieren, oder was?
Bernhard.R 14.10.2013
5. Lebensmittel vernichten - ist das nicht furchtbar?
Das gehört in die Zeit des Kapitalismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts. So habe ich es in der Schule gelernt. Bis dann zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine grüne Landwirtschaftsministerin eine Viertelmillion gesunder Rinder vernichten ließ, anstatt sie in die Hungerländer abzugeben.
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