Weltjugendtag in Madrid Spanische Polizei greift gegen Papst-Gegner durch

Sein viertägiger Besuch soll ein Höhepunkt des Weltjugendtages werden - aber bei vielen ist der Papst nicht willkommen: 5000 Demonstranten haben gegen die Visite des Kirchenoberhauptes in Madrid protestiert, es kam zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei.


Madrid - "Von meinen Steuern keinen Cent für den Papst", "Gott ja, Kirche nein" oder "Diese Jugend ist nicht die des Papstes", stand auf ihren Spruchbändern: Am Rande des katholischen Weltjugendtages in Madrid haben rund 5000 Menschen für einen laizistischen Staat und gegen die Kosten des Papstbesuchs demonstriert.

Auch Anhänger der Bewegung der "Indignados" ("Empörten"), die aus Wut über die Wirtschaftskrise, die hohe Arbeitslosigkeit und den rigiden Sparkurs der spanischen Regierung entstanden war, nahmen an dem Protest am Mittwochabend teil.

Bei den Protesten kam es zu schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei. Auf Fernsehbildern ist zu sehen, wie Sicherheitskräfte mit Schlagstöcken auf Demonstranten prügeln. Polizeiangaben zufolge gab es elf Verletzte - sie hätten sich Auseinandersetzungen mit Polizisten geliefert, als diese einen Demonstranten festnehmen wollten, der mit einer Flasche auf sie losgegangen war.

Die Demonstranten kritisieren, dass Steuergelder für das Treffen der Kirche und für den Papst-Besuch ausgegeben würden. Die Veranstalter des Weltjugendtages bestreiten das. Nach ihren Angaben wurden die 50 Millionen Euro, die das Glaubensfest kostet, von den Teilnehmern selbst sowie mit Hilfe von Spendern aufgebracht. Die spanische Regierung erklärte, Spanien gewinne bei dem Papstbesuch mehr, als es dafür ausgebe.

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Protest gegen Papstbesuch: Gewalt in Madrid
Zu dem Protest hatten fast 140 Organisationen und Gruppierungen aufgerufen, darunter laizistische Gruppen, Homosexuellen-Verbände, Feministinnen-Gruppen und linksgerichtete Parteien. Der Papst wird anlässlich des in Madrid stattfindenden Weltjugendtages am Donnerstag in der spanischen Hauptstadt erwartet. Einige Pilger des Weltjugendtages reagierten am Mittwochabend mit Sprechchören wie "Es lebe der Papst" auf die Demonstration.

Zuvor hatte die spanische Polizei womöglich einen Angriff auf Papst-Gegner beim Weltjugendtag verhindert. Es sei ein ausländischer Student wegen des Verdachts festgenommen worden, mit Hilfe von "Stickgasen und anderen Chemikalien" einen geplanten Protestmarsch gegen Papst Benedikt XVI. angreifen zu wollen, teilte die Polizei am Dienstagabend mit. Bei dem Verdächtigen handelt es sich um einen 24-jährigen Mexikaner, der mit einem Studentenvisum in Spanien lebt, wie am Mittwoch aus Justizkreisen verlautete. Er sei als Freiwilliger für den Weltjugendtag tätig gewesen und werde am Donnerstag einem Richter vorgeführt. Nach Angaben der mexikanischen Botschaft bleibt der 24-Jährige vorerst in Madrid in Gewahrsam. Die Polizei der spanischen Hauptstadt beschlagnahmte nach eigenen Angaben bei dem Chemiestudenten Aufzeichnungen zu Chemikalien, die nichts mit seinem Studium zu tun hätten. Angaben über womöglich beschlagnahmte Chemikalien machte die Polizei indes nicht.

Der Pontifex weilt bis Sonntag in der spanischen Hauptstadt, wo er an verschiedenen Veranstaltungen des Glaubensfestes teilnimmt. Höhepunkt wird eine große Messe unter freiem Himmel auf dem ältesten Madrider Flugplatz Cuatro Vientos am Sonntag sein. Bereits am Samstagabend wird das 84-jährige katholische Kirchenoberhaupt dort eine Gebetswache zelebrieren. In Madrid will der Papst zudem die spanischen Kardinäle und Bischöfe sowie Vertreter der Königsfamilie treffen.

hen/dpa/AFP/dapd



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Schwede2 18.08.2011
1. Es gärt in den europäischen Staaten!
Zitat von sysopSein viertägiger Besuch soll ein Höhepunkt des Weltjugendtages werden - aber bei vielen Teilnehmern ist der Papst nicht willkommen: 5000 Demonstranten haben gegen die Visite des Kirchenoberhauptes in Madrid protestiert, es kam zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,780880,00.html
Wenn im erzkatholischen Spanien wegen Kosten ein Besuch des Pabstes in Frage gestellt und dagegen mit Gewaltausbrüchen demonstriert wird, läßt das für Europas Next Generation nur das Schlimmste erahnen. Es gibt dann nämlich nichts mehr, was heilig wäre! Es ist bereits zu spät, um zu sagen: "Währet den Anfängen!"
Lebostein 18.08.2011
2. Fussball
Ich frage mich, warum nie bei großen Sportevents (Weltmeisterschaften, Fußballgroßereignisse usw.) gegen die Verschwendung von Steuergeld demonstriert wird. Es gibt doch einen großen Teil der Bevölkerung, denen gehen diese Sportveranstaltungen am Po vorbei geht...
Koltschak 18.08.2011
3. es kam zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei.
"es kam zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei." Es geht doch nicht um den Papst. Die Spanier sind total frustriert. Es ist doch nicht nur England alleine, dass allein dasteht mit seinen großen wirtschaftlichen Problemen. Da kommt der Papst gerade Recht für den Protest. Aber wieso waren es nur 5.000? Das sind doch wirklich wenig. Und die wenig rühmliche Rolle der katholischen Kirche unter Franco ist ja noch nicht einmal in kleinsten Ansätzen aufgearbeitet. Es scheint Mode geworden zu sein, "sich mit der Polizei auseinaderzusetzen".
gaga007 18.08.2011
4. Wie dumm ist die Jugend von heute ?
Wie dumm ist die Jugend von heute ? Gewalt als Argument ist die primitivste Art der Auseinandersetzung - diese Jugend disqualifiziert sich und ihre vielleicht sogar berechtigten Anliegen von alleine.
Joinme66 18.08.2011
5. yeah
ich bin perplex ich dachte die Welt bestehe nur noch aus religiösen Fanatikern und Bibelfetischisten. Ich bin begeistert, bravo Ihr 5000. Ein Papst-Besuch ist so unnötig wie ein Kropf. Vor allem von diesem Papst und dieser Kirche.
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