Stockholm - Es ist ein fast schon historischer Sprung im Ranking der Rüstungsriesen. Zum ersten Mal seit dem Ende des Kalten Krieges schafft es ein neues Land in die Top Fünf der Waffenexporteure. China ist drin - Großbritannien fliegt raus. Für die Briten bedeutet es die erste Nicht-Platzierung seit das Stockholm International Peace Research Institute (Sipri) sein Ranking veröffentlicht.
Der schwedische Think Tank vergleicht seit 1950 die weltweiten Ex- und Importe konventioneller Waffen über Zeiträume von fünf Jahren. Nun liegen die Zahlen der Jahre 2008 bis 2012 vor. China hat seine Exporte während dieser Periode im Vergleich zu 2003 bis 2007 um 162 Prozent gesteigert. Weltweit stieg das Handelsvolumen mit Waffen um 17 Prozent.
Diese Entwicklung schlägt sich auch im Gesamtanteil der Chinesen an den weltweiten Rüstungsexporten nieder: Dieser kletterte von zwei auf fünf Prozent - das reicht für Platz fünf. Dabei bleibt ein großer Teil von Pekings Waffenlieferungen in der Region. 74 Prozent gingen an Länder in Asien und Ozeanien.
Wichtigster Käufer bei den Chinesen: Pakistan
Mit 55 Prozent aller Exporte war Pakistan mit Abstand der größte Abnehmer von Kriegsgerät "made in China". Schon lange versucht Peking, seinen Marktanteil in dem Atomstaat zu stärken. Zu verlockend ist die Aussicht, Pakistan im Wettrüsten mit dem ungeliebten Nachbarn Indien zu unterstützen. Neben wirtschaftlichen verfolgen die Chinesen also auch handfeste strategische Interessen in Pakistan.
"Chinas Aufstieg wurde vor allem durch die großen Rüstungsverkäufe nach Pakistan beschleunigt", sagt Paul Holtom, Waffenanalyst bei Sipri. "Trotzdem belegt eine Serie neuer Vertragsabschlüsse, dass sich China zu einem bedeutenden Versorger für eine ganze Reihe von Staaten entwickelt." So finden sich Burma und Bangladesch als weitere wichtige Kunden Chinas auf der Sipri-Liste.
Peking senkt Waffenimporte drastisch
Trotz steigender Exporte liegt China mit fünf Prozent Marktanteil immer noch deutlich hinter Ländern wie den USA (30 Prozent) und auch Deutschland (sieben Prozent) zurück (die kompletten Zahlen finden Sie in der Fotostrecke).
Gleichzeitig strebt China selbst immer mehr nach Unabhängigkeit von ausländischen Waffenlieferungen. Zwar basiert das Prunkstück der Marine, der Flugzeugträger "Liaoning", noch auf Sowjet-Know-How. Doch insgesamt gehen die Importe drastisch zurück. Belegte das Land von 2003 bis 2007 noch mit Abstand den ersten Platz bei den Importen, liegt es in der aktuellen Rangliste nur noch auf Rang zwei. Pekings Waffeneinfuhren sanken im Beobachtungszeitraum um 47 Prozent.
Top Fünf der Importeure: alle aus Asien
Trotzdem spielen die asiatischen Länder bei den weltweiten Importen die entscheidende Rolle. Den Spitzenrang nimmt Indien ein, das rund zwölf Prozent aller gehandelten Waffen einführt. Die Importe des Landes stiegen um 59 Prozent. Laut dem Spiri-Papier verbesserte die indische Armee vor allem ihre Langstrecken-Schlagkraft. So lieferte Russland mehr als hundert Su-30MKI-Kampfjets, drei Radar-Aufklärungsflugzeuge und ein Atom-U-Boots der "Akula"-Klasse.
Hinter Indien folgen China, Pakistan, Südkorea und Singapur - allesamt Staaten in Asien. Insgesamt gingen die Importe der Top Fünf jedoch im Vergleich zu den fünf Vorjahren um drei Prozent zurück.
Die Sipri-Analysten haben in ihrer Studie weitere bemerkenswerte Entwicklungen hervorgehoben. Alle beziehen sich auf den Vergleich der Jahre 2003 bis 2007 und 2008 bis 2012:
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