Weltweiter Einsatz Überfordertes US-Militär vernachlässigt Drogenbekämpfung

Durch die Kampfeinsätze im Irak und in Afghanistan stoßen die US-Streitkräfte an ihre Kapazitätsgrenzen. Darunter leidet etwa die Bekämpfung des Drogenschmuggels aus Südamerika in die USA. Wo die Amerikaner noch vor kurzem auf High-Tech setzten, geben sie sich jetzt gefährliche Blößen.


Washington - Nach einem Bericht der "Los Angeles Times" hat das Pentagon beispielsweise die Anzahl der Kontroll-Flüge über den klassischen Schmuggelrouten in der Karibik und im Pazifik in den vergangenen vier Jahren um fast zwei Drittel reduziert. Auch die Marine fahre ein Drittel weniger Patrouillen, um Boote, die Drogen transportieren, aufzuspüren.

Black Hawk Hubschrauber (im Einsatz über Bagdad): aus der Karibik abgezogen
AP

Black Hawk Hubschrauber (im Einsatz über Bagdad): aus der Karibik abgezogen

Hintergrund der erzwungenen Nachlässigkeit, so schreibt die "Los Angeles Times", sei die Verschiebung der Prioritäten der US-Regierung in der Nachfolge der Terroranschläge vom 11. September 2001: Weg von der Drogenbekämpfung hin zum Kampf gegen den internationalen Terrorismus.

In einem Dokument, das das Verteidigungsministerium im vergangenen Oktober an den amerikanischen Kongress sandte, heißt es etwa: "Die Position des Verteidigungsministeriums ist, dass die Aufdeckung von Drogenhandel eine niedrigere Priorität hat als die Unterstützung unserer Einheiten, die sich in laufenden Kampfeinsätzen befinden."

Die "Los Angeles Times" sieht allerdings in solchen Erklärungen einen Widerspruch zur offiziellen Linie der US-Regierung, wonach der Kampf gegen den Drogenhandel selbst ein integraler Bestandteil der Terrorismus-Bekämpfung sei. Die Aufklärungsarbeit der Nachrichtendienste habe ergeben, dass Drogen-Händler, Verbrecher-Organisationen und Terroristen zunehmend zusammenarbeiteten.

Dennoch zog die amerikanische Regierung beispielsweise zehn Black-Hawk-Hubschrauber aus der Karibik ab, durch die erhebliche Mengen an Drogen aus Südamerika ihren Weg in die USA finden. Zusätzliche wurden Überwachungsballons an der Südgrenze der USA deaktiviert mit der Begründung, man habe keine Mittel, die Ballons zu unterhalten und zu ersetzen. Auch hoch fliegende Aufklärungsflugzeuge wurden vom Anti-Drogen-Einsatz abgezogen.

Experten für Drogenbekämpfung führen an, dass gerade die Luftüberwachung enorm wichtig sei, um den Schmuggel zu stören. Ohne Luftunterstützung könne eine Schiff der US-Marine ungefähr eines von zehn verdächtigen Schiffen aufspüren. Mit einem Helikopter an Bord steige diese Quote schon auf fünf von zehn verdächtigen Schiffen, bei Einsatz von Flugzeugen gar auf sieben von zehn.

Mehrere US-Parlamentarier kritisierten die Verlagerung der Kräfte: Dies habe zur Folge, dass mehr billiges und hochwertiges Kokain aus Südamerika die USA erreichten. Genaue Zahlen darüber liegen aber nicht vor: Die Anti-Drogen-Einheiten geben nur an, welche Mengen sie entdeckt haben - nicht, wieviel ihnen entgangen ist.

jaf



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