Wen Jiabao, China Recht auf Schmutz

China schickt die Nummer drei im Machtgefüge, Premier Wen Jiabao. Er wird hart verhandeln - und nichts versprechen. Sein Land will zwar effizienter mit Energie wirtschaften. Aber eine Verpflichtung, die Emissionen seines Landes zu reduzieren, wird es mit ihm nicht geben.

Von , Peking

Chinas Premier Wen Jiabao: Markenzeichen erhobener Zeigefinger
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Chinas Premier Wen Jiabao: Markenzeichen erhobener Zeigefinger


Kurz nachdem US-Präsident Barack Obama versprach, zur Klima-Konferenz nach Kopenhagen zu reisen, kündigte auch Peking an, einen hochrangigen Politiker nach Dänemark zu schicken. Allerdings wird nicht Staats- und Parteichef Hu Jintao ins Flugzeug steigen, sondern Ministerpräsident Wen Jiabao. Der 67-Jährige ist in Chinas kompliziertem Machtgefüge die Nummer drei.

Womöglich ist Wen die bessere Wahl: Er leitet die Nationale Führungsgruppe Klimawandel, kennt sich also in der komplizierten Materie von Kohlendioxid, fossilen Brennstoffen und erneuerbaren Energien bestens aus. Viel Spielraum wird er in Kopenhagen allerdings nicht haben: Chinas Führung entscheidet stets im Kollektiv und reagiert deshalb auf neue Situationen wenig flexibel.

Immerhin wirkt er weniger hölzern als der Präsident. Wens Markenzeichen ist der Zeigefinger, den er gern oberlehrerhaft in die Luft streckt, wenn er seinem Volk etwas erklärt. Die Chinesen mögen ihn dennoch. Viele nennen ihn "Großvater" oder "Onkel" Wen. Er ist einer der wenigen Politiker Chinas, die menschliche Regungen zeigen. Zuweilen weint er, etwa beim Erdbeben in Sichuan im vorigen Jahr oder nach Minenunglücken.

In Kopenhagen wird er Chinas Klimaziele verkünden. Bis 2020 will Peking die Kohlendioxidemissionen um 40 bis 45 Prozent senken, allerdings nicht gemessen an der Menge des Ausstoßes, sondern "pro Einheit des Bruttoinlandsprodukts". Die Rechnung beginnt im Jahr 2005.

Die Klimaziele sind bisher nur innenpolitisch verpflichtend

Im Klartext heißt das: China will fortan Energie sparsamer in der Produktion einsetzen. Für eine Tonne Stahl zum Beispiel soll weniger Strom verbraucht werden als bisher. Das heißt aber auch: Wächst die Wirtschaft des Landes weiter so schnell (in den ersten neun Monate 2009 waren es 7,7 Prozent), werden auch mehr Abgase als bisher in die Atmosphäre fliegen. Pessimisten rechneten gar aus, China werde 2020 fast doppelt so viel Treibhausgase ausstoßen wie heute - vorausgesetzt, China steigert seine Produktion so energisch wie in den vergangenen Jahren.

Für "nicht außergewöhnlich" halten internationale Fachleute das Ziel, das Wen in Kopenhagen vortragen wird: Ohnehin sei es schon offizielle Politik ist, Chinas Industrie effizienter zu organisieren. 1990 bis 2003 gelang es bereits, die sogenannte Kohlendioxidintensität um die Hälfte nach unten zu drücken.

International wird die Volksrepublik vorerst keine Verträge unterzeichnen. Bislang sprechen Pekings Funktionäre davon, dass die Klimaziele nur innenpolitisch verpflichtend seien. Immerhin wird Premier Wen in Kopenhagen versprechen, den Anteil "nicht-fossiler" Energiequellen auf 15 Prozent zu steigern. Dazu zählen die Chinesen erneuerbare Energie, die aus Wind, Wasser, Sonnenstrahlung und Biomasse gewonnen wird. Schon jetzt drehen sich in vielen Landstrichen Windräder, in der Inneren Mongolei ist ein riesiges Sonnenkraftwerk geplant. Allerdings gehören nach Ansicht Pekings auch Atomkraftwerke in diese Kategorie. Zu den elf bereits arbeitenden Reaktoren werden in den kommenden elf Jahren rund 40, womöglich sogar 60 hinzukommen. Allein in diesem Jahr wurde der Bau von fünf Meilern begonnen.

Bislang liegt der Anteil der Kohle bei Chinas Energieverbrauch bei knapp 69 Prozent. "Die Emission per Energieeinheit war viel höher als der Weltdurchschnitt, was es enorm schwierig macht, die CO2-Emissionen zu verringern", heißt es selbstkritisch in einem Regierungsbericht von diesem November.

China ist derzeit für die Hälfte des Zuwachses des Kohlendioxidausstoßes weltweit verantwortlich. Pekings Regierung hat die Dramatik der Situation erkannt. Denn wenn das Klima wärmer wird, sich Dürren häufen, das Meer womöglich über seine Ufer tritt, könnte es schwerer werden, die Bürger zu ernähren. Gleichwohl sind die Funktionäre davon überzeugt, dass die traditionellen Industriestaaten den Anfang machen müssen.

Sie halten die Volksrepublik für ein Entwicklungsland, dessen Bürger das gleiche Recht auf Wohlstand haben wie Europäer und Amerikaner. Von der massiven Industrialisierung des Landes wollen sie auf keinen Fall abweichen. Peking fordert deshalb, dass die entwickelten Länder China Technologien übertragen und einen Teil der Kosten für Energiesparprogramme bezahlen.



Forum - Was bringt der Klimagipfel in Kopenhagen?
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yubi 28.10.2009
1. Was bringt der Klimagipfel?
Er bringt viel inhaltsloses Geschwätz, vollmundige (und windelweiche) Absichtserklärungen, Forderungen an "die Anderen", endlich auch etwas zu tun (bevor man selber was tut), .... Gut, daß die mal wieder drüber gesprochen haben ..... Ausser Spesen wieder nichts gewesen, und .... dann bis zum nächsten mal.
Maschinchen, 28.10.2009
2.
Bleiben seitens der EU finanzielle Zusagen für Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern weiterhin aus, wird es schwer, diese mit ins Boot zu holen. Meiner Ansicht nach ist es ohnehin utopisch, das Zwei-Grad-Ziel noch zu erreichen. Klimaschützer werden sich zunehmend mit dem ungeliebten Wort adaptation anfreunden müssen.
Edgar, 28.10.2009
3.
Wird wohl auf die übliche Verzögerunstaktik hinaus laufen, Aussitzen, bis die Klimahysterie vorbei ist, bis da hin Valium verteilen. Gut so! Wird nämlich trotzdem noch viel zu viel Geld sinnlos verbrannt. Deutschland wird wohl leider wieder als letzter Staat merken, dass die Party vorbei ist, und brav 'Vorbild' spielen.
Internetnutzer 28.10.2009
4. Atomkraft
Alle reisen mit dem Flugzeug an, residieren in klimatisierten Hotels, lssen sich in großen Limousinen zum Tagungsgebaude chaufiieren und reden über CO2 Reuzierung. Bis an die Unterlippe verschuldet wollen sie dann finanzielle Zusagen an Drittländer geben? Und an den ganzen Klimaquatsch glauben die meisten sowieso nicht, es ist aber so spekulativ die Welt zu retten, da muß man doch bei sein. Ein Riesenhumbug, wie im alten Rom: Brot und Spiele. Danach: Außer Spesen nichts gewesen. Ich hatte das schon mal gesagt: Wenn die Malediven wirklich etwas für den Klimaschutz tun wollen, dann sollen sie ihren Flughafen dicht machen, das wäre ein echtes Zeichen, daß sie verstanden haben.
Maschinchen, 28.10.2009
5.
Zitat von InternetnutzerAlle reisen mit dem Flugzeug an, residieren in klimatisierten Hotels, lssen sich in großen Limousinen zum Tagungsgebaude chaufiieren und reden über CO2 Reuzierung. Bis an die Unterlippe verschuldet wollen sie dann finanzielle Zusagen an Drittländer geben? Und an den ganzen Klimaquatsch glauben die meisten sowieso nicht, es ist aber so spekulativ die Welt zu retten, da muß man doch bei sein. Ein Riesenhumbug, wie im alten Rom: Brot und Spiele. Danach: Außer Spesen nichts gewesen. Ich hatte das schon mal gesagt: Wenn die Malediven wirklich etwas für den Klimaschutz tun wollen, dann sollen sie ihren Flughafen dicht machen, das wäre ein echtes Zeichen, daß sie verstanden haben.
Nun, was schlagen Sie vor? Anreise im Schlauchboot, Übernachtung auf dem Campingplatz?
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