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Blackwater, Halliburton und Co.: Profiteure des Krieges

Irak-Krieg: Milliarden für private Firmen Fotos
AFP

Der Irak-Krieg hat die US-Regierung Billionen Dollar gekostet. Besonders viel Geld zahlte sie an Privatunternehmen: 138 Milliarden Dollar flossen laut "Financial Times" an Bau-, Technik- und Sicherheitsfirmen. Die Dienstleister hätten wenig zur militärischen Mission beigetragen, monieren Kritiker.

London - Es sind Konzerne wie Blackwater, die die US-Truppen im Irak unterstützt haben. Spezialunternehmen, die für Sicherheit, Logistik und Wiederaufbau zuständig waren - und dabei noch mehr verdienten als bislang bekannt. 138 Milliarden Dollar flossen an diese Dienstleister, geht aus einer Analyse der "Financial Times" hervor. Ein teurer, privatisierter Krieg.

Zu Beginn der Irak-Invasion am 20. März 2003 war die US-Regierung unter dem republikanischen Präsidenten George W. Bush noch von deutlich niedrigeren Kosten ausgegangen: Sie veranschlagte für Militär und Wiederaufbau Gesamtkosten in Höhe von 50 bis 60 Milliarden Dollar. Doch die Ausgaben explodierten. Insgesamt hat der Krieg der Studie "Costs of War Project" zufolge rund 2,2 Billionen Dollar gekostet.

Davon profitierten besonders die Spezialfirmen wie Kellogg Brown and Root, Aegis, Ecolog und auch Blackwater, das sich später umbenannte. Die USA haben mehr private Anbieter als in irgendeinem anderen Konflikt zuvor engagiert, teilweise waren fast genau so viele Angestellte von Service- und Sicherheitsunternehmen vor Ort wie Soldaten. Zurzeit sind laut "Financial Times" noch 14.000 Firmenmitarbeiter im Irak, davon 5500 Sicherheitsleute. Das Pentagon spricht von rund 8500 Mitarbeitern und rund 2300 Sicherheitsleuten.

Die Subunternehmer haben im letzten Jahrzehnt in dem Land vielfältige Tätigkeiten übernommen: Einige bewachten Botschaften, Unternehmen oder öffentliche Einrichtungen, andere bekochten die Soldaten. In den Irak kamen amerikanische Gabelstaplerfahrer, Elektriker, Ersatzteillieferanten, Öl-Leute - ein ebenso lukratives wie gefährliches Geschäft. Die Männer und Frauen verdienten im Irak in einem Jahr so viel Geld wie zu Hause in einem ganzen Jahrzehnt.

"Unter die Uniformierten mischen sich die Marketender des Krieges, Geschäftemacher von wilder Erscheinung, tätowierte Abenteurer, gekleidet oft wie verwegene Comic-Figuren, mit aufgeschnallten Flinten, alten Weltkriegshelmen, Lederwesten, Cowboystiefeln", beschrieb SPIEGEL-Reporter Ullrich Fichtner die Mitarbeiter dieser Firmen in einer Reportage aus dem Jahr 2007.

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Die Invasion: Wie die US-Truppen auf Bagdad marschierten
Doch waren sie ihr Geld wert? Die demokratische Senatorin Claire McCaskill bestreitet das. "In der letzten Dekade wurden Milliarden Steuergelder für Dienstleistungen und Projekte ausgegeben, die wenig - oder teilweise nichts - zu unserer militärischen Mission beigetragen haben."

Die kritisierten Unternehmen sind naturgemäß anderer Meinung. Unter den Top-Verdienern ist laut "Financial Times" Kellogg Brown and Root (KBR), eine Tochtergesellschaft des Mischkonzerns Halliburton. Fast 40 Milliarden Dollar habe KBR eingenommen - eine Sprecherin sagte, die Firma habe die Aufgaben "in einer feindlichen, komplexen, unsicheren" Umgebung "ehrenvoll und aufopferungsvoll" ausgeführt.

Demokratische Politiker kritisieren allerdings seit langem, dass KBRs Mutterkonzern Halliburton dank der guten Beziehungen zum Weißen Haus in den Anfangsjahren des Konflikts bevorzugt behandelt wurde. Dick Cheney, der in der Zeit von 2001 bis 2009 Vizepräsident war, hatte den Konzern bis zu seinem Amtsantritt geleitet.

Verschwendung von Steuergeldern?

Immer wieder gab es Vorwürfe wegen unsauberer Finanzen der Dienstleister - auch KBR war 2004 in einen Abrechnungsskandal verwickelt. Eine US-Kommission kam 2011 zu dem Schluss, dass sowohl im Irak als auch in Afghanistan Milliarden an Steuergeldern verschwendet oder veruntreut wurden, weil die Firmen nicht richtig geprüft, Aufträge schlecht geplant wurden oder Korruption um sich griff.

Besonders das brachiale Auftreten von Sicherheitstruppen wie Blackwater entsetzte die internationale Öffentlichkeit. Anlass war unter anderem ein Blutbad, das Blackwater-Leute am 16. September 2007 in Bagdad anrichteten. Damals eröffneten die Söldner, die einen Konvoi mit US-Diplomaten schützen sollten, das Feuer auf dem belebten Nisur-Platz. 17 Menschen starben, auch Frauen und Kinder. Das US-Außenministerium entzog danach Blackwater alle Aufträge zum Schutz von Mitarbeitern und Konvois im Irak - zumal es schon andere Vorfälle gegeben hatte, die national wie international Aufsehen erregten. Blackwater benannte sich später in Xe Services und schließlich in Academi um.

Doch die Ära der Subunternehmer ist noch immer nicht vorbei. Besonders im expandierenden Ölsektor in der Region um Basra im Süden können sie jetzt Geld verdienen, berichtet die "Financial Times". Für die Jahre 2011 bis 2016 habe zudem das US-Außenministerium allein für den Schutz der Botschaft in Bagdad drei Milliarden Dollar für private Sicherheitsarmeen veranschlagt.

Denn sicher ist der Irak noch immer nicht. Nahezu jede Woche wird das Land von Anschlägen erschüttert. Bei einer Serie von 20 Explosionen wurden allein am Dienstag mindestens 50 Menschen getötet, mehr als 170 verletzt. Von 2003 bis 2011 sind US-Studien zufolge zwischen 120.000 und 190.000 Menschen getötet worden. Hinzu kommen Millionen Flüchtlinge.

kgp

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insgesamt 73 Beiträge
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1. Frage
warndtbewohner 19.03.2013
stehen diese Söldner auch unter der Genfer Konvention?
2. Taliban vs Blackwater
systemfeind 19.03.2013
Zitat von sysopAPDer Irak-Krieg hat die US-Regierung Billionen Dollar gekostet. Besonders viel Geld zahlte sie an Privatunternehmen: 138 Milliarden Dollar flossen laut "Financial Times" an Bau-, Technik- und Sicherheitsfirmen. Die Dienstleister hätten wenig zur militärischen Mission beigetragen, monieren Kritiker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/wer-wirklich-am-irak-krieg-verdient-hat-a-889675.html
moderne Kriege sind Privatsache - entsprechend brauchen wir blackwater und co falls unsere "Regierungen" nicht mehr funktionieren ( siehe spon : salafisten bei der Bullerei ...dieser Staat hat fertig ) . ( Matussek bei ntv war wieder grottenschlecht )
3.
spon-facebook-10000283853 19.03.2013
Zitat von warndtbewohnerstehen diese Söldner auch unter der Genfer Konvention?
Die Terroristen im Irak und in Afghanistan stehen z.B. nicht unter den Genfer Konventionen, weil sie keiner nationalen Armee angehören. Sie sind Kombatanten - die sich selbst natürlich auch nicht an den Genfer Konventionen halten. Genau deswegen ist Guantanamo eben auch nicht illegal, auch wenn es in Deutschland immer wahrheitswidrig in den Staatsmedien verbreitet wird.
4. Gewinnler
Izmi 19.03.2013
Zitat von sysopAPDer Irak-Krieg hat die US-Regierung Billionen Dollar gekostet. Besonders viel Geld zahlte sie an Privatunternehmen: 138 Milliarden Dollar flossen laut "Financial Times" an Bau-, Technik- und Sicherheitsfirmen. Die Dienstleister hätten wenig zur militärischen Mission beigetragen, monieren Kritiker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/wer-wirklich-am-irak-krieg-verdient-hat-a-889675.html
Viele Foristen haben immer angeführt, es ginge den US-Amerikanern einzig ums Öl im Irak. Andere stritten dies vehement ab und betonten den Einsatz nur für Demokratie und Menschenrechte. Mögen die Oelmilliarden nun in andere Taschen fließen - es wird deutlich, wie sehr man auch auf andere Weise an Krieg, Mord und Totschlag verdienen kann. Wieviel davon hat Bush persönlich eingesteckt?
5.
Goodner 19.03.2013
Es mag ja sein, dass dort viele an dem Krieg profitiert haben. Selbstverständlich besteht dann auch die Gefahr der Korruption. Die USA haben es jedoch geschafft einen der größten Verbrecher der Menschheit zu schnappen, der mehr als über hunderttausend Menschen auf bestialische Weise umgebracht hat. Davon liest man in Europa nie etwas. Schade!
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Irak-Politik: Protest gegen Berlin und Paris

Fläche: 434.128 km²

Bevölkerung: 37,548 Mio.

Hauptstadt: Bagdad

Staatsoberhaupt: Fuad Masum

Regierungschef: Haidar al-Abadi

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