Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

USA gegen Russland: Kalter Krieg um die Ukraine

Von , Washington

Präsidenten Putin, Obama: "Kein Schachspiel" Zur Großansicht
AFP

Präsidenten Putin, Obama: "Kein Schachspiel"

Rendezvous mit der Geschichte: Im ukrainischen Ost-West-Konflikt stehen sich Russland und die USA als Konkurrenten gegenüber. Aus dem Neustart der Beziehungen ist nichts geworden, das Gefühl des Kalten Kriegs kehrt zurück.

Das Spionageflugzeug vom Typ U-2 ist legendär. Aus rund 20 Kilometern Höhe spähten die USA mit der Maschine ab den fünfziger Jahren die Rüstungsbemühungen der Sowjets aus, 1960 wurde der U-2-Pilot Gary Powers abgeschossen, wiederum zwei Jahre später lieferten die Aufklärer Fotos der sowjetischen Raketenstellungen auf Kuba. Die U-2 ist eines der zentralen Symbole des Kalten Krieges.

Mit dieser speziellen Art der Ausforschung soll nun Schluss sein. US-Verteidigungsminister Chuck Hagel will unter anderem die Spionageflugzeuge nach mehr als 50 Jahren außer Dienst stellen und durch Flugdrohnen ersetzen. Das Heer soll von 520.000 auf rund 450.000 Soldaten schrumpfen. So klein war die Truppe seit Beginn des Zweiten Weltkriegs nicht mehr. Es ist nicht allein der vom US-Kongress ausgehende Spardruck, der Hagel zu solch drastischen Maßnahmen greifen lässt. Es ist auch der politische Wille von US-Präsident Barack Obama.

Kampf zwischen Ost und West

Der will die USA für neue Herausforderungen rüsten: Weg von den Massenheeren der Vergangenheit, hin zu flexiblen Einsätzen mit Spezialeinheiten und Drohnen. Weniger Solo-Führungsmacht, mehr geteilte Lasten. Weniger Geld für die Krisenherde dieser Welt, mehr Brücken, Straßen, Schulen für Amerika - "nation building at home", nennt er das.

Doch just jetzt, wo Obama die U-2 einmotten und an seiner schönen neuen Welt basteln will, kehrt das Gespenst des Kalten Kriegs zurück: Die Zukunft der Ukraine wird zum Kampf zwischen Ost und West, zum Kräftemessen zwischen Russland und Amerika. Während die USA den Interimspräsidenten in Kiew als rechtmäßig anerkennen, sprechen die Russen von einem Staatsstreich.

Allzu offensichtlich müht sich die US-Regierung, den Gegensatz zu Russland kleinzureden. Kalter Krieg? Ach, Unsinn!

"Es ist nicht unser Ansatz, das wie ein Schachspiel aus Zeiten des Kalten Kriegs zu sehen", erklärte Obama. Ihm gehe es darum, dass die Ukrainer über ihre Zukunft selbst entscheiden könnten. Seine Sicherheitsberaterin Susan Rice assistierte: "Es liegt nicht in unserem Interesse, zum Konstrukt des Kalten Kriegs zurückzukehren, das die Realitäten des 21. Jahrhunderts nicht mehr widerspiegelt." Und Regierungssprecher Jay Carney betonte: "Das ist keine Neuauflage des Kalten Kriegs."

Der republikanische Senator John McCain hat dagegen trocken festgestellt: "Der Präsident sagt, es habe nichts mit Kaltem Krieg zu tun. Aus der Sicht von Wladimir Putin tut es dies sehr wohl. Er will das russische Reich wiederherstellen." Tatsächlich hatte Putin bei seinem Kiew-Besuch im letzten Sommer über "orthodox-slawische Werte" gesprochen und die "gemeinsamen Vorfahren". Sein Plan einer eurasischen Zollunion, zu der neben Kasachstan und Weißrussland auch die Ukraine gehören soll, wird in Washington naturgemäß äußerst kritisch gesehen.

Russland blockt und bockt

Obama hatte bei Amtsantritt auf einen "Neustart" mit Russland gesetzt, doch der blieb bald stecken. Russland blockt und bockt, die anhaltende Unterstützung für Syriens Diktator Baschar al-Assad ist bezeichnend. Doch den Amerikanern ist auch klar: Würden sie Putin zum Feind erklären, wäre das wohl der größte Gefallen, den sie ihm tun könnten. Denn Russlands Präsident setzt auf einen strikten Kurs der Abgrenzung gegenüber dem Westen, per Patriotismus und Anti-Amerikanismus soll die konservative Bevölkerungsmehrheit mobilisiert werden. Zudem ist Washington klar, dass weder der Bürgerkrieg in Syrien noch der Atomstreit mit Iran ohne Putin gelöst werden können. Der Westen braucht den Autokraten von Moskau:

"Wir haben einen extrem klaren Blick auf unsere Beziehungen zu Russland. Die werden nicht von Romantik oder der Hoffnung auf das angetrieben, was Russland tun könnte; sondern davon, was wir auf einigen Gebieten gemeinsam mit den Russen erreichen können - selbst wenn wir deutlich machen, wo wir mit ihnen uneinig sind", so Sprecher Carney.

Auch deshalb soll der Kalte Krieg um die Ukraine nicht Kalter Krieg heißen. Warum einen Konflikt auch noch rhetorisch aufladen? So oder so, um die Ukraine spielt sich ein Wettstreit zwischen Ost und West ab. Weil sie den Europäern - trotz des zwischenzeitlichen Verhandlungserfolgs der Außenminister aus Deutschland, Frankreich und Polen - nicht allzu viel zutrauen ("Fuck the EU"), haben die Amerikaner klare Position bezogen. Sie waren in der vergangenen Woche die ersten, die Sanktionen gegen ukrainische Top-Funktionäre verhängten. Und längst haben sie ihre Bereitschaft zu großzügigen Finanzhilfen signalisiert.

Schon bei einem Gespräch im Januar machte Obamas Vize-Sicherheitsberater Ben Rhodes die Bedeutung der Ukraine für die USA deutlich. Die "Orientierung und Integration" in Richtung Westen sei sowohl für die Ukraine als auch Europa und die USA mit Blick auf die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen vorteilhaft. Dem Nullsummenspiel aus Zeiten des Kalten Kriegs erteilte er dabei eine dezidierte Absage, die Westorientierung der Ukraine müsse nicht auf Kosten Russlands gehen: "Als Nachbar mit weit zurückreichenden Verbindungen wird Russland ebenfalls enge Beziehungen zur Ukraine haben können."

"Ebenfalls enge Beziehungen" - das mag aus Putins Sicht dennoch wie eine Kampfansage klingen.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 179 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ha,ha
mikeklatt 25.02.2014
Wieder einmal ein Pressebericht, der Presse willen...Ich liebe ja Spiegel und Co... aber es reicht dann auch so manchmal. Es ist überzogen. Ach...und wenn einer den "Krieg" gewinnen soll...also für mich möge es "Macho" Putin sein. Da weiss man woran man ist...keine so verlogene usa /nsa Sch... - die Amis hab ich für mich schon längst abgehakt..da kommt nur noch Müll (ich glaub - da kam von jeher - ausschliesslich Müll)
2. Mir scheint es gerade umgekehrt
dunnhaupt 25.02.2014
Amerikanische und russische Diplomaten sind gemeinsam dabei, die ukrainische Frage zu l♫8sen. Nur der "Spiegel" versucht das zu einem Kalten Krieg hochzuspielen.
3.
irrenderstreiter 25.02.2014
Zitat von sysopAFPRendezvous mit der Geschichte: Im ukrainischen Ost-West-Konflikt stehen sich Russland und die USA als Konkurrenten gegenüber. Aus dem Neustart der Beziehungen ist nichts geworden, das Gefühl des Kalten Kriegs kehrt zurück. http://www.spiegel.de/politik/ausland/west-oder-ost-usa-und-russland-im-kalten-krieg-um-die-ukraine-a-955650.html
Es bedarf wohl schon der Washingtoner Perspektive für solch verzerrte Wahrnehmung. Egal wie man zur Entwicklung steht, dass sich USA und EU massivst in diesen Konflikt eingelinkt haben ist so offensichtlich, dass ich denjeneigen, der das Gegenteil behauptet der plumpen Propagande bezichtigen würde.
4.
gandhiforever 25.02.2014
Zitat von sysopAFPRendezvous mit der Geschichte: Im ukrainischen Ost-West-Konflikt stehen sich Russland und die USA als Konkurrenten gegenüber. Aus dem Neustart der Beziehungen ist nichts geworden, das Gefühl des Kalten Kriegs kehrt zurück. http://www.spiegel.de/politik/ausland/west-oder-ost-usa-und-russland-im-kalten-krieg-um-die-ukraine-a-955650.html
Endlich haben die dem Kalten Krieg Nachtrauernden erreicht, was sie wollten, naemlich eine Konfrontation mit Russland. Lange hat es gedauert, doch schliesslich ist der Erfolg da. Und wenn Ukraine dann dabei vor die Hunde geht, dann sitzt der dafuer Verantwortliche natuerlich in Moskau.
5.
syracusa 25.02.2014
Zitat von mikeklattWieder einmal ein Pressebericht, der Presse willen...Ich liebe ja Spiegel und Co... aber es reicht dann auch so manchmal. Es ist überzogen. Ach...und wenn einer den "Krieg" gewinnen soll...also für mich möge es "Macho" Putin sein. Da weiss man woran man ist...keine so verlogene usa /nsa Sch... - die Amis hab ich für mich schon längst abgehakt..da kommt nur noch Müll (ich glaub - da kam von jeher - ausschliesslich Müll)
Wo Sie nur die Wahl zwischen USA und Russland sehen, entscheide ich mich für Europa. Und die Ukraine tut das offenkundig auch.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fläche: 603.700 km²
(inklusive der Krim, die seit 2014 von Russland annektiert ist)

Bevölkerung: 45,363 Mio.

Hauptstadt: Kiew

Staatsoberhaupt:
Petro Poroschenko

Regierungschef: Volodymyr Hroisman

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Ukraine-Reiseseite

Fotostrecke
Geplünderte Paläste: Das Gold der Diktatoren

Fläche: 17.098.200 km²

Bevölkerung: 143,972 Mio.

Hauptstadt: Moskau

Staatsoberhaupt:
Wladimir Putin

Regierungschef: Dmitrij Medwedew

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Russland-Reiseseite

Fläche: 9.833.517 km²

Bevölkerung: 318,857 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | USA-Reiseseite



Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: