Westen besorgt Iran schießt neue Trägerrakete ins All

Präsident Ahmadinedschad soll persönlich den Countdown heruntergezählt haben: Iran hat eine Rakete zum Abschuss eines Satelliten ins All geschossen. Der Westen ist besorgt: Die gleiche Technik kann angeblich auch genutzt werden, um Atomsprengköpfe über weite Entfernungen zu transportieren.


Teheran - "Samir Omid" - Hoffnungsbote - heißt die weiterentwickelte Trägerrakete, die Iran ins All beförderte. Der Test in der Nacht zuvor habe der Vorbereitung eines ersten eigenen Satelliten-Transports in den Weltraum gedient, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Irna. Die Bilder vom nächtlichen Start wurden im iranischen Fernsehen mit patriotischen Liedern unterlegt. 2005 war der erste iranische Satellit noch mit russischer Technik ins All gebracht worden.

Raketenstart im arabisch-sprachigen iranischen Sender al-Alam: Ahmadinedschad war dabei
AFP

Raketenstart im arabisch-sprachigen iranischen Sender al-Alam: Ahmadinedschad war dabei

Präsident Mahmud Ahmadinedschad habe den Countdown zum Start der Rakete eingeleitet, hieß es. Er bezeichnete den Test als großen technologischen Erfolg für das iranische Volk. Die Fähigkeit, Satelliten ins All zu bringen, ist ein erheblichen Fortschritt im iranischen Raketen- und Raumfahrtprogramm. Bereits im Frühjahr hatte der Iran sein erstes Raumfahrtzentrum eingeweiht und damit weitere Ängste bei der internationalen Gemeinschaft geschürt.

Jetzt reagierte die US-Regierung erneut irritiert. "Die Entwicklung und der Test von Raketen durch den Iran ist eine Quelle der Beunruhigung und wirft neue Fragen über die Absichten auf", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Gordon Johndroe. Die US-Regierung und andere westliche Staaten verdächtigen Teheran, mit seinem Programm zur Uran-Anreicherung den Bau von Atomwaffen anzustreben. Mit der Technik zum Transport von Satelliten hätte das Regime zudem eine Waffenplattform, die Atomsprengköpfe an jeden Punkt der Welt transportieren könnten. Wegen des umstrittenen Atomprogramms hat die Uno bereits dreimal Sanktionen gegen die Islamische Republik verhängt. Grund für die Sanktionen ist die Weigerung Teherans, die umstrittene Urananreicherung zu stoppen.

Nach Angaben der Führung in Teheran soll sich das Raketenprogramm vor allem auf wissenschaftliche Bereiche konzentrieren. Innerhalb von zwei Jahren sollen vier Satelliten ins All gebracht werden, die den Angaben zufolge in der Telekommunikation sowie zur Beobachtung von Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Hochwasser eingesetzt werden sollen. Es wird jedoch erwartet, dass die Satelliten auch zur Spionage, vor allem zur Beobachtung der Lage im Nachbarland Irak und in Afghanistan, wo umfangreich ausländische Truppen stationiert sind, genutzt werden können.

Die jetzt verwendete Rakete vom Typ "Safir Omid" (Hoffnungsbote) ist eine Weiterentwicklung der "Kavoshgar 1" (Forscher), die erstmals im Februar getestet worden war. Seit Jahren hat Iran ein strategisches Raketen-Arsenal aufgebaut. Auf der Basis hauptsächlich von Nordkorea gelieferter Scud-Raketen wurden bis zu 750 Schahab ("Komet")-Kurzstrecken-Raketen entwickelt.

Schahab-1 und Schahab-2 haben angeblich mehrere hundert Kilometer Reichweite. Bis zu 2000 Kilometer - und damit weit über Israel hinaus bis in den Mittelmeerraum - reicht die aus der nordkoreanischen Nadong entwickelte Schahab-3. An einer noch weiter reichenden Schahab-4-Rakete wird nach iranischen Angaben bereits gebaut.

Die iranische Luftwaffe hat nach eigenen Angaben auch die Reichweite ihrer Kampfflugzeuge so weit verbessert, dass sie auch Israel erreichen und wieder zu ihrer Heimatbasis zurückkehren können. General Ahmad Mighani sagte dem staatlichen Fernsehen zufolge, die Flugzeuge könnten 3000 Kilometer ohne Auftanken zurücklegen. Israel liegt rund 1000 Kilometer von Iran entfernt. Um welche Kampfflugzeuge es sich genau handelte und wie dies erreicht wurde, sagte der General nicht.

Die USA wollen in der israelischen Negev-Wüste ein leistungsstarkes Radarsystem installieren, mit dem früher als bisher unter anderem vor möglichen Raketenangriffen aus Iran gewarnt werden kann. Beide Seiten hätten eine entsprechende Vereinbarung getroffen, wonach erstmals auch US-Soldaten ständig in Israel stationiert werden sollen, berichtete die israelische Tageszeitung "Haaretz" am Sonntag unter Berufung auf hochrangige israelische und US-Militärs.

Das Radarsystem solle spätestens im Frühjahr kommenden Jahres einsatzbereit sein. Eine israelische Armeesprecherin sagte auf Anfrage, der Zeitungsbericht sei bekannt, werde aber nicht kommentiert.

als/Reuters/dpa/AP

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