Neue Verhandlungen im Atomstreit: Westen verlangt von Iran Schließung unterirdischer Atomfestung

In neuen Verhandlungen über Irans Atomprogramm will der Westen die sofortige Schließung der unterirdischen Anlage Fordo und die Verlagerung von angereichertem Uran ins Ausland fordern. Das berichten US-Medien. Die Amerikaner haben offenbar wichtige Details der Nuklearfabriken ausspioniert.

Atomanlage Fordo bei Ghom: Mit Bomben praktisch nicht zu zerstören Zur Großansicht
REUTERS/ DigitalGlobe

Atomanlage Fordo bei Ghom: Mit Bomben praktisch nicht zu zerstören

New York/Washington - Die westlichen Staaten haben sich vor neuen Atomverhandlungen mit Iran auf ihre Ziele festgelegt. Sie verlangen einem Pressebericht zufolge von Iran die sofortige Schließung der kürzlich vollendeten Atomanlage Fordo. Wie die "New York Times" unter Berufung auf ungenannte westliche Diplomaten berichtete, wollen die USA und die EU-Staaten bei den Verhandlungen zudem den Stopp der Urananreicherung und die Verlagerung der bestehenden Uranbestände ins Ausland fordern.

Die Gespräche Irans mit der 5+1 Gruppe der fünf Uno-Vetomächte und Deutschland waren im Januar 2011 ergebnislos abgebrochen worden. Die Gespräche sollen kommenden Freitag in Istanbul wieder aufgenommen werden. Zuletzt hatte sich die iranische Führung gegen den vorgesehenen Verhandlungsort gesträubt und einen "neutraleren Ort" vor, wie Irak oder China, vorgeschlagen. Am Sonntag meldete der staatliche iranische Sender PressTV dann jedoch, dass tatsächlich in Istanbul verhandelt werde.

Bei den Gesprächen sind laut "New York Times" die vorrangigen Ziele der US-Regierung, dass Iran seinen Bestand an 20-prozentigem angereicherten Uran aus dem Land schafft und dass die Atomanlage Fordo geschlossen wird. Die Zerstörung der Anlage wäre ein späterer Schritt.

"Wir haben keine Ahnung, wie die Iraner reagieren werden"

Das Blatt wies darauf hin, dass die Forderung nach der Aufgabe der unterirdischen Urananreicherungsanlage von Fordo für die iranische Führung schwer zu akzeptieren sein werde. Die Anlage nahe der zentraliranischen Stadt Ghom liegt so tief unter dem Erdboden, dass sie kaum mit Bomben zu zerstören ist. Nach Angaben der Zeitung sind Beobachter geteilter Meinung über die Auswirkung einer derart weitreichenden Forderung. "Wir haben keine Ahnung, wie die Iraner reagieren werden", zitierte die Zeitung einen hochrangigen US-Beamten.

Während manche Experten glauben, dass sich angesichts der scharfen Sanktionen und der Drohung Israels mit einem Militärschlag in Iran die Befürworter eines Kompromisses durchsetzen könnten, fürchten andere Beobachter, dass die Forderungen eher die Verfechter einer harten Linie stärken.

Der Westen verdächtigt Teheran, unter dem Deckmantel seines zivilen Atomprogramms am Bau einer Bombe zu arbeiten. Die iranischen Führung streitet dies ab. Israel fühlt sich von Iran in seiner Existenz bedroht und erwägt einen Angriff auf die Atomanlagen. Vom Ausgang der 5+1-Gespräche könnte abhängen, ob der Westen Israel von einer möglichen Planung eines militärischen Angriffs abbringen kann. Am Samstag hatte US-Präsident Barack Obama dem geistlichen Oberhaupt Irans, Ajatollah Ali Chamenei, signalisiert dass die USA ein ziviles iranisches Atomprogramm akzeptieren könnten.

US-Drohnen machten hunderte Aufklärungsflüge

Laut einem Bericht der "Washington Post" können sich Amerikaner bei den Verhandlungen auf umfassende Geheimdienst-Informationen stützen. Das Blatt berichtet von einer Aufklärungsoffensive und verdeckten CIA-Operationen gegen das iranische Atomprogramm.

US-Drohnen hätten in den vergangenen Jahren auf Hunderten Flügen über iranischem Gebiet Aufnahmen von Dutzenden verdächtigen Anlagen angefertigt. Unter Berufung auf einen ungenannten früheren US-Agenten berichtete das Blatt, dass bereits vor mehr als drei Jahren eine Beobachtungsdrohne RQ-170 Sentinel des US-Geheimdiensts CIA unerkannt bis weit in iranischen Luftraum vordrang. Sie machte Aufnahmen der Atomanlage bei Ghom und wurde dabei nicht von der Luftabwehr erfasst. Erst im Dezember ging eine Drohne dieses Typs über Iran nieder - Iraner feierten das als Abschuss des "Biests von Kandahar".

Die verbesserten Geheimdienst-Informationen würden die Verhandlungsposition der USA in den angekündigten Verhandlungen stärken, so die "Washington Post".

fab/AFP/Reuters

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1. Die Forderungen sind mehr als unrealistisch
u.loose 08.04.2012
Salopp: Mit Bomben die Israel abwerfen will, nicht zu zerstören, also macht mal den Laden freiwillig dicht und als nächsten Schritt zerstört ihn selbst... Das muss einem die Nachruhe Israels doch wert sein. Und das Ganze auf Basis von Vermutungen... Manchmal habe ich das Gefühl, es wäre besser der Iran würde sich was Fertiges von der Stange in Korea Nord anschaffen. Dann wäre wenigstens das Prinzip Abschreckung vorhanden und die ellenlange Diskussion hätte ein Ende. Ulrich
2. Das sieht böse aus
Gerdtrader50 08.04.2012
Zitat von sysopIn neuen Verhandlungen über Irans Atomprogramm will der Westen die sofrtige Schließung der unterirdischen Anlage Fordo und die Verlagerung von angereichertem Uran ins Ausland forden. Das berichten US-Medien. Die Amerikaner haben offenbar wichtige Details der Nuklearfabriken ausspioniert. Neue Verhandlungen im Atomstreit: Westen verlangt von Iran Schließung unterirdischer Atomfestung - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,826315,00.html)
Das werden die Iraner nicht tun. Eine Akzeptanz iranischer Atomwaffen in naher Zukunft wird der Westen nicht dulden. Ein möglicher israelischer, konventioneller Präventivschlag mit der Luftwaffe, Luftbetankung und Einsatz der neuesten und stärksten us-amerikanischen Bunkerbrecherbomben wird wahrscheinlicher. Falls die Schlagkraft der US-Waffen aus der Luft nicht ausreicht, traue ich den Israelis auch noch den unterstützenden Abwurf oder das Absetzen von Bodentruppen vor Ort mit Spezialeinsatz Eroberung und Zerstörung durchaus zu. Da helfen auch alle Friedensmärsche weltweiter Pazifisten nicht wirklich weiter. Bleibt zu hoffen, dass die Amis, Russen und Chinesen sich weitmöglich aus dem Konflikt draussen halten werden, um nicht einen 3. Weltkrieg zu provozieren.
3. Unterirdische Atomanlagen
Inuk 08.04.2012
Zitat von sysopIn neuen Verhandlungen über Irans Atomprogramm will der Westen die sofrtige Schließung der unterirdischen Anlage Fordo und die Verlagerung von angereichertem Uran ins Ausland forden. Das berichten US-Medien. Die Amerikaner haben offenbar wichtige Details der Nuklearfabriken ausspioniert. Neue Verhandlungen im Atomstreit: Westen verlangt von Iran Schließung unterirdischer Atomfestung - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,826315,00.html)
Wieso lässt der Westen den Besitz von Atomwaffen bei den Israelis durchgehen, verlangt aber von den Iranern, die unterirdischen Nuklearfabriken zu schließen? Kein Ajatollah wird dem zustimmen. Ahmadinedschad ist vermutlich nur noch kurze Zeit im Amt und die Iraner sind bestimmt so klug, Israel nicht anzugreifen und ins Meer zu treiben.
4. Schon mal dagewesen
prophet46 08.04.2012
Zitat von sysopIn neuen Verhandlungen über Irans Atomprogramm will der Westen die sofrtige Schließung der unterirdischen Anlage Fordo und die Verlagerung von angereichertem Uran ins Ausland forden. Das berichten US-Medien. Die Amerikaner haben offenbar wichtige Details der Nuklearfabriken ausspioniert. Neue Verhandlungen im Atomstreit: Westen verlangt von Iran Schließung unterirdischer Atomfestung - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,826315,00.html)
Haben die Amerikaner nicht auch schon beim Irak ein angebliches Atomprogramm "ausspioniert", dass sich nachher, nach 100 Td. Ziviltoten als schrecklicher Irrtum erwiesen hat. Die Amerikaner sollten sich nicht zum Büttel eines Nahostlandes machen lassen.
5. Nur eine Forderung, die..
Baikal 08.04.2012
Zitat von sysopIn neuen Verhandlungen über Irans Atomprogramm will der Westen die sofrtige Schließung der unterirdischen Anlage Fordo und die Verlagerung von angereichertem Uran ins Ausland forden. Das berichten US-Medien. Die Amerikaner haben offenbar wichtige Details der Nuklearfabriken ausspioniert. Neue Verhandlungen im Atomstreit: Westen verlangt von Iran Schließung unterirdischer Atomfestung - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,826315,00.html)
.. den schon beschlossenen Krieg moralisch rechtfertigen soll. Netanjahu hat gesiegt und wir können später - nach Grass - nicht mehr sagen, von der ganzen Kriegstreiberei nichts gewußt zu haben.
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Irans Atomprogramm
Streit
AP
Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Anlagen
Arak : geplanter Schwerwasserreaktor
Buschehr : Atomkraftwerk, im Mai 2011 nach mehrfachen Terminverschiebungen in Betrieb genommen - zunächst zu Testzwecken. Im September 2011 ging der Reaktor in Regelbetrieb, allerdings noch nicht auf voller Leistung
Isfahan : Forschungsreaktor
Jasd: Uranminen
Natans : Anlage zur Urananreicherung, angeblich mit 6000 Zentrifugen in Betrieb. Im Herbst 2009 gab Iran bekannt, nahe der Stadt Ghom eine zweite Anlage zur Urananreicherung zu besitzen.
Teheran : Forschungsreaktor
Geschichte
1974: Unter Beteiligung von Siemens beginnt bei Buschehr der Bau eines Kernkraftwerks.
1979: Nach der Revolution und der Ausrufung der Islamischen Republik wird das Atomprogramm nicht weiter betrieben.
1980-1988: Im Irak-Iran-Krieg wird der Atomreaktor in Buschehr mehrfach bombardiert und dabei schwer beschädigt.
Neunziger Jahre: Deals auf dem Schwarzmarkt mit Abdul Qadir Khan , Pakistans "Vater der Atombombe"
1995: Abkommen mit Russland zum Wiederaufbau des Atomreaktors von Buschehr
2002: Iranische Oppositionelle im Exil berichten über ein geheimes Atomprogramm.
2003: Iran unterzeichnet das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag (bislang aber nicht vom Parlament ratifiziert).
2006: Der Uno-Sicherheitsrat verlangt in seiner Resolution 1696 erstmals den Stopp der Urananreicherung .
Juli 2008: Iran droht bei einem Angriff auf seine Atomanlagen mit militärischen Gegenschlägen. Das Regime testet Schahab-3-Raketen, die auch Ziele in Israel erreichen könnten.
November 2008: Iran hat nach eigenen Angaben die Zahl seiner für die Urananreicherung benötigten Zentrifugen auf 5000 erhöht.
Juni 2009: Iran hat laut Internationaler Atomenergiebehörde IAEA weitere tausend Gaszentrifugen im Atomzentrum Natans in Betrieb genommen und bisher knapp 1,4 Tonnen niedrig angereichertes Uran produziert.
Mai 2010: Nach Verhandlungen mit dem brasilianischen Präsidenten Lula und dem türkischen Regierungschef Erdogan erklärt sich Iran bereit, schwach angereichertes Uran im Ausland zu tauschen. Wenig später kündigt Teheran an, an der umstrittenen Urananreicherung auf 20 Prozent festhalten zu wollen.
Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat, die EU und die USA beschließen neue Sanktionen gegen Teheran. US-Präsident Obama spricht von den bisher härtesten Sanktionen überhaupt - doch Beobachter bleiben skeptisch, ob die Strafmaßnahmen Erfolg bringen.
Sanktionen
REUTERS
Uno-Sanktionen: Verbot von Waffen- und Nuklearhandel, Einfrieren von Konten, Reisebeschränkungen, verhängt in Resolution 1737 (23.12.2006), Resolution 1747 (24.03.2007), Resolution 1803 (03.03.2008)

Sanktionen der USA: Vollständiger Handels- und Investitionsboykott, beruhend auf Executive Order 12959 von 1995, neue Sanktionen im Juni 2010

Sanktionen der EU: Einschränkungen für Handel und Investitionen, Einfrieren von Vermögen, Reisebeschränkungen, beruhend auf Verordnung (EG) Nr. 423/2007 des Rates (19.04.2007)

Nahost
dpa
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärt, das israelische "Besatzungsregime" müsse "aus den Annalen der Geschichte verschwinden".
Israelische Politiker, darunter auch Kabinettsmitglieder, sprechen sich für präventive Militärschläge gegen Iran aus.
Personen
Said Dschalili , Atomunterhändler seit Oktober 2007
Yukiya Amano , Generaldirektor der IAEA
Der Verhandlungspoker um die Urananreicherung
Oktober 2009: Vertreter Irans, Deutschlands und der fünf Vetomächte im Sicherheitsrat kommen zu Atom-Gesprächen in Genf zusammen.
November 2009: Die IAEA kritisiert in einer Resolution die jahrelang geheim gehaltene iranische Urananreicherungsanlage bei Ghom. Teheran reagiert mit der Ankündigung, zehn neue Uran-Anlagen zu bauen.
Dezember 2009: Iran testet die Mittelstreckenrakete Sedschil 2. Diese habe größere Zielgenauigkeit als das Vorgängermodell Schahab 3.
2. Februar 2010: Ahmadinedschad zeigt sich bereit, auf einen Vorschlag der IAEA einzugehen, der eine Anreicherung iranischen Urans auf 20 Prozent im Ausland vorsieht. Wenige Tage später rudert er wieder zurück.
7. Februar 2010: Iran verkündet, man habe niedrig angereichertes Uran von 3,5 auf 20 Prozent gebracht und sei in der Lage, es auf 80 Prozent anzureichern. Damit könnten Atomwaffen hergestellt werden.
11. Februar 2010: US-Präsident Barack Obama kündigt als Reaktion umfangreiche neue Sanktionen gegen Iran an.
1. April 2010: Nach langem Widerstand gegen neue Sanktionen ist China bereit, sich an den Verhandlungen über den Text einer verschärften Uno-Resolution zu beteiligen.
25. April 2010: Zur Abwehr neuer Sanktionen besucht Irans Außenminister Manutschehr Mottaki Österreich. Gespräche mit dem Chef der IAEA, Yukija Amano, und Österreichs Außenminister Michael Spindelegger bringen jedoch keinen Durchbruch.
17. Mai 2010: Nach Verhandlungen mit Brasilien und der Türkei lenkt Iran ein und will Uran im Ausland anreichern lassen. Doch die internationale Gemeinschaft reagiert skeptisch auf die Ankündigung.
9. Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat beschließt schärfere Sanktionen gegen Iran. Sie beinhalten weitere Hürden für die iranische Finanzbranche und eine Ausweitung des Waffenembargos. Auch die USA und die EU setzen schärfere Maßnahmen gegen Iran in Kraft.
Januar 2011: Die Atomgespräche zwischen Iran und den westlichen Mächten in Istanbul scheitern. Teheran hatte weiterhin "ein Recht auf Urananreicherung" gefordert.

Fläche: 1.648.195 km²

Bevölkerung: 74,962 Mio.

Hauptstadt: Teheran

Staatsoberhaupt und Religionsführer:
Ajatollah Ali Chamenei

Staats- und Regierungschef:
Hassan Rohani

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