Von Gregor Peter Schmitz, Washington
Es war ein ehrgeiziges Vorhaben: Nach dem Willen des Auswärtigen Amtes und von Bundesaußenminister Guido Westerwelle sollte an der altehrwürdigen Upper East Side in New York ein German American Forum entstehen, um die transatlantischen Beziehungen neu zu beleben. Beamte des Auswärtigen Amtes hatten dem Haushaltsausschuss des Bundestags in einem Konzeptpapier vorgeschlagen, den früheren Sitz des Goethe-Instituts an der teuren Fifth Avenue - einen sechsstöckigen Stadtpalast gegenüber dem Metropolitan Museum of Art - für diese Zwecke renovieren zu lassen.
Doch jetzt hat die Bundesregierung nach SPIEGEL-Informationen die Pläne auf Eis gelegt. Das ambitionierte Vorhaben wird im Haushaltsausschuss des Parlaments nicht einmal beraten. "Bevor an eine konkrete Realisierung gedacht werden kann, bedarf das Projekt weiterer konzeptioneller Vorüberlegungen", heißt es nun aus dem Auswärtigen Amt. Zumindest in der angedachten Form dürfte das German American Forum damit gestorben sein.
Heftiger Widerstand von transatlantischen Organisationen
Ähnlich wie in der American Academy in Berlin sollten deutsche Wissenschaftler, Künstler und Intellektuelle als Stipendiaten auf Zeit in dem bundeseigenen Gebäude wohnen. Zudem war das Forum als Bühne für Reden und Vorträge deutscher Spitzenpolitiker während ihrer USA-Besuche gedacht.
Gegen die Pläne des Auswärtigen Amtes hatte sich heftiger Widerstand von transatlantischen Organisationen in New York geregt, die staatliche Konkurrenz fürchteten. Zudem hatte es finanzielle Bedenken gegeben: Allein die Kosten des Umbaus waren auf eine zweistellige Millionensumme geschätzt worden.
Wackeliges Finanzierungsmodell
Die hohen Kosten hatten auch Haushaltspolitiker wie den SPD-Bundestagsabgeordneten Klaus Brandner aufgebracht, der den Standort hinterfragte. "Wenn man so viel Geld in die Hand nimmt, sollte man eher in Gegenden investieren, wo nicht so viele deutsch-amerikanische Einrichtungen bereits aktiv sind, etwa an Amerikas Westküste", sagt Brandner. Außerdem wollte das Auswärtige Amt den Unterhalt des Forums maßgeblich durch private Spenden bestreiten - angesichts der aktuellen Weltwirtschaftskrise ein wackeliges Finanzierungsmodell.
Nun stellt sich die Frage, was mit dem 1907 errichteten Gebäude an der Fifth Avenue geschehen soll (geschätzter Marktwert: 50 Millionen Dollar). Es steht seit Jahren leer, der Unterhalt verursacht erhebliche Kosten. "Spätestens im Frühjahr muss eine Entscheidung über die Immobilie fallen", sagt Sozialdemokrat Brandner.
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