Westjordanland Israelische Siedler sollen Moschee in Brand gesetzt haben

Angriff auf ein islamisches Gotteshaus: Im Westjordanland haben israelische Siedler nach Angaben palästinensischer Bewohner Feuer in einer Moschee gelegt. Teppiche verbrannten, mehrere Exemplare des Koran gingen in Flammen auf. Die israelische Armee verurteilte die Tat.


Ramallah - Von dem Anschlag berichteten die Bewohner des Ortes Beit Fadschar südlich von Bethlehem. Eine Mitarbeiterin der Dorfverwaltung teilte mit, mehrere Siedler seien vor Morgengrauen mit einem Auto in den Ort gekommen. Sie hätten Feuer in dem örtlichen Gebetshaus gelegt und sich dann wieder entfernt. Andere Augenzeugen berichteten von Auseinandersetzungen mit den Einwohnern. Israelische Soldaten hätten die Konfrontationen beendet und die Siedler gezwungen, das Dorf wieder zu verlassen.

Nach Angaben der palästinensischen Einwohner verbrannten in der Moschee Teppiche und etwa ein Dutzend Kopien des Korans. Die Palästinensische Autonomiebehörde verurteilte die Tat scharf als "ernsthafte Eskalation der Gewalt von Seiten der Siedler" gegen Palästinenser.

Nach israelischen Medienberichten sprühten die Täter auch hebräische Schmäh-Parolen gegen Muslime und den Propheten Mohammed an die Wände.

Die israelische Armeesprecherin Avital Leibovich verurteilte die Tat scharf. "Wir sehen dies als sehr schwerwiegenden Zwischenfall", sagte Oberstleutnant Leibovich am Montag. "Die Polizei versucht gemeinsam mit anderen Sicherheitskräften, die Gesetzesbrecher zu finden, die für diese Zerstörung verantwortlich sind. Wir gehen nicht zur Tagesordnung über."

In den vergangenen Monaten war es schon mehrmals zu Brandanschlägen von Siedlern auf Moscheen im Westjordanland gekommen - seit Dezember letzten Jahres wurden vier Mal Moscheen zerstört. Palästinenser warfen den Siedlern vor, sie wollten einen "Religionskrieg" anzetteln.

Unterdessen will das israelische Sicherheitskabinett einem Bericht zufolge am Mittwoch über eine mögliche Teilverlängerung des Baustopps für jüdische Siedlungen im Westjordanland beraten. Wie die israelische Zeitung "Haaretz" am berichtete, soll dabei ein Vorschlag von US-Präsident Barack Obama erörtert werden. Obama habe Israel um eine Verlängerung des Ende September ausgelaufenen Moratoriums um zwei Monate gebeten und dafür umfangreiche Zugeständnisse und Zusicherungen gemacht, schrieb das Blatt unter Berufung auf mehrere israelische Minister und Abgeordnete der rechtsgerichteten Likud-Partei von Regierungschef Benjamin Netanjahu.

anr/dpa/Reuters



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