Westjordanland Palästinenser verüben Messerattacken - mehrere Tote

Israels Ministerpräsident rief die Bürger zu "maximaler Wachsamkeit" auf: Am Wochenende haben erneut mehrere Palästinenser im Westjordanland Israelis mit Messern attackiert. Drei Angreifer und eine Frau wurden getötet.

Polizei und Notärzte an der Bushaltestelle im Westjordanland, an der ein palästinensischer Taxifahrer versuchte, Passanten zu überfahren
DPA

Polizei und Notärzte an der Bushaltestelle im Westjordanland, an der ein palästinensischer Taxifahrer versuchte, Passanten zu überfahren


Mehrere Tote und Verletzte im Westjordanland: Bei Messerattacken sind am Sonntag eine Israelin und drei palästinensische Angreifer getötet worden.

Ministerpräsident Benjamin Netanyahu rief die israelischen Bürger zur "maximalen Wachsamkeit" auf. "Wir haben es hier mit Terrorismus durch Einzeltäter zu tun", sagte er. Netanyahu sagte, er habe die Sicherheitskräfte angewiesen, vor allem in und um die Stadt Hebron aktiv zu werden, weil von dort die meisten Attentäter stammten.

Am Sonntag habe eine 16-jährige Palästinenserin versucht, Passanten mit einem Messer anzugreifen, berichteten israelische Medien. Ein Siedlerführer habe sie daraufhin gezielt mit seinem Auto gerammt. Danach wurde sie von Sicherheitskräften erschossen, wie die israelische Armee mitteilte.

Kurz darauf habe ein Palästinenser östlich von Jerusalem in einem Taxi versucht, israelische Passanten zu überfahren. Dann sei er ausgestiegen und habe mit einem Messer angegriffen. Ein Israeli wurde leicht verletzt. Ein Zivilist habe den Palästinenser daraufhin erschossen. Die palästinensische Zeitung "Al Kuds" nannte es hingegen eine "Hinrichtung" der beiden Palästinenser.

Israel schließt weitere Radiostation

Im südlichen Westjordanland kam es am Nachmittag zu einer weiteren Messerattacke. Ein Palästinenser verletzte eine israelische Zivilistin tödlich mit einem Messer. Er sei dann von Sicherheitskräften erschossen worden, teilte die israelische Polizei mit.

Am Samstagabend hatte ein Palästinenser aus Hebron in der israelischen Stadt Kiriat Gat vier Menschen mit einem Messer verletzt, darunter eine 13-Jährige. Die Polizei nahm ihn nach stundenlanger Suche fest.

Die israelische Armee schloss in der Nacht zum Samstag erneut eine palästinensische Radiostation im Westjordanland. Die Aktion sei eine Antwort auf die Hetze des Senders Radio Hebron gewesen, teilte die Armee mit. Der Sender habe etwa Lieder gespielt, die zu Anschlägen auf Israelis aufgerufen hätten. Mit derselben Begründung war am 3. November der Radiosender Al Hurria in Hebron geschlossen worden.

Seit Anfang Oktober sind bei einer Welle palästinensischer Anschläge 17 Israelis, ein US-Tourist und ein Eritreer getötet worden. Mehr als 90 Palästinenser kamen ums Leben, die meisten wurden bei ihren eigenen Anschlägen erschossen, die anderen bei Konfrontationen mit israelischen Sicherheitskräften.

Auslöser der Gewalt waren Gerüchte, Israel wolle die Gebets- und Besuchsrechte auf dem Tempelberg zu seinen Gunsten verändern. Die israelische Regierung hat dies offiziell dementiert, trotzdem reißt die Gewalt seit Wochen nicht ab.

lgr/dpa

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