Kairo - Die Bilanz der vergangenen Tage in Kairo ist furchtbar: Nach neuen Angaben des ägyptischen Gesundheitsministeriums starben seit Sonntag 22 Menschen bei den Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Das meldeten ägyptische Medien unter Berufung auf das Ministerium. Rund 1750 Menschen wurden verletzt. Angaben, ob unter den Opfern auch Polizisten sind, machte das Ministerium demnach nicht.
Am Montagmorgen flammte in der Kairoer Innenstadt nach einer relativ ruhigen Nacht die Gewalt erneut auf: Rund 3000 Protestierende, die sich gegen die amtierende Militärregierung wenden, besetzten den zentralen Tahrir-Platz, obwohl die Polizei mit Tränengas und Knüppeln gegen die Menge vorging. Offenbar brannte auch ein Gebäude in der Nähe des Platzes. Über einem sechsstöckigen Wohnhaus stieg schwarzer Rauch auf. Eine Frau rief aus einem Obergeschoss um Hilfe.
Die Demonstranten warfen nach Angaben von Reportern Steine auf Polizisten und versuchten, zum Innenministerium zu marschieren. Auf Fernsehbildern waren Krankenwagen zu sehen. Die Jugendprotestbewegung 6. April warf dem Militärrat vor, er wende die gleichen Methoden an wie einst Mubarak. In einer Erklärung forderte die Bewegung den Rücktritt der Übergangsregierung.
Ägypten erlebt die schlimmste Gewalt seit dem Sturz des früheren Machthabers Husni Mubarak Anfang des Jahres. Die seit Freitagabend andauernden Auseinandersetzungen hatten ihren Ausgang in einer Demonstration gegen die Militärherrschaft und die Übergangsregierung genommen, die von islamistischen Parteien organisiert worden waren. Die Islamisten hatten sich jedoch nach ihrer großen Protestkundgebung am Freitag zurückgezogen.
Am nächsten Montag beginnt in Ägypten die erste freie Wahl seit Jahrzehnten. Angesichts des neuerlichen Gewaltausbruchs fürchten Beobachter allerdings, dass die Abstimmung gestört wird. Ohnehin wird die Macht bis zu den Präsidentenwahlen beim Militär bleiben. Ein neuer Präsident soll erst Ende 2012 oder Anfang 2013 gewählt werden.
anr/dpa/dapd/Reuters
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