Finanzgeflecht der Machtelite: Chinas roter Adel scheffelt Milliarden

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Sie sind die Söhne, Töchter und Erben "unsterblicher" Funktionäre - doch mit Revolution und Kommunismus haben Chinas "Prinzlinge" wenig zu tun. Sie raffen lieber Milliarden, logieren in Palästen und finden nichts dabei. Hinter der strengen Fassade ist die KP zum Selbstbedienungsladen geworden.

Finanzgeflecht in China: Geldsegen dank bester Verbindungen Fotos
Getty Images

Als der unermesslich reiche Clan der Suhartos Mitte der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts stürzte, waren ein Nagel zum Sarg jene hartnäckigen Berichte über sein Vermögen, seine Unternehmen, seine Geschäftsverbindungen, seine Schummeleien und Durchstechereien.

Indonesische Journalisten und Wissenschaftler blieben den Suhartos trotz Zensur, Drohungen und Verboten auf den Fersen - indem sie Firmenbilanzen auswerteten, öffentliche Ausschreibungen analysierten und sogar Todesanzeigen nach Seilschaften durchforsteten.

Lange Zeit blieben die Funktionäre Chinas und ihre Familien von peinlichen Enthüllungen über Konten, Käufe und Konzernbeteiligungen verschont. Nur während der Studentenunruhen im Frühjahr 1989 tauchten in Wandzeitungen Berichte über die kapitalistischen Aktivitäten hochrangiger Kader auf, etwa über Deng Xiaoping - jenem Patriarchen, der die Reform- und Öffnungspolitik lostrat.

Nun aber, mehr als 20 Jahre danach, häufen sich die Berichte über den enormen Wohlstand der Funktionäre - und damit die Beweise für das, was Chinas kritische Bürger schon immer vermutet hatten: Die KP ist zu einem Selbstbedienungsladen verkommen - und die meisten Funktionäre finden daran gar nichts auszusetzen.

Die jüngste Enthüllung stammt von der US-Nachrichtenagentur Bloomberg, deren Journalisten akribisch das Vermögen der Prinzlinge erforscht haben - jener Söhne und Töchter von roten Kämpfern, von denen sich viele als rechtmäßige Erben der chinesischen Revolution betrachten. Der neue Parteichef Xi Jinping zählt dazu, auch das mittlerweile gestürzte Ex-Parteibüromitglied Bo Xilai ist ein roter Adliger.

Besonderes Augenmerk richtete Bloomberg auf die Clans der sogenannten "Unsterblichen" - acht Funktionäre, die dem 1976 gestorbenen Staatsgründer Mao Zedong besonders nahestanden und die 1949 der KP den Weg zur Macht in China geebnet hatten. Bloomberg untersuchte die Vermögen von 103 Personen: alle direkte Nachkommen der "Unsterblichen" oder ihre Ehepartner.

Stimmt das Amt, sprudeln die Millionen

Die meisten Prinzlinge sind gut ausgebildet, sie durften schon an Eliteuniversitäten in den USA, Australien und Europa studieren, als ein Reisepass in China noch ein wertvolles Privileg war. Manche wurden später von ausländischen Geldhäusern und Technologiefirmen angeheuert, die sich einen guten Draht zur chinesischen Führung versprachen.

Sabrina Chen etwa, Enkelin des "Unsterblichen" Chen Yun, arbeitete zunächst für Morgan Stanley in New York und wurde jüngst von der europäischen Vermögensverwaltung Permira Advisers LLP in Hongkong angeheuert. 2006 tanzte sie auf einem Pariser Debütantenball neben europäischen Adligen.

26 dieser Erben führten oder führen staatliche Betriebe. Drei, darunter Dengs Schwiegersohn, stehen an der Spitze von Unternehmen, die Waren im Wert von vielen Milliarden Euro produzieren. Das ist auf den ersten Blick nicht verwerflich. Aber: Diese Leute haben in der Regel ihre Ämter ausgenützt und privat Anteile an anderen Betrieben erworben.

Eine Sieben-Millionen-Bleibe für die Tochter

Dazu zählen der Schwiegersohn Dengs, He Ping, der Schwiegersohn des früheren Präsidenten Yang Shankun, Wang Xiaochao, und Wang Jun, der Sohn eines legendären Generals. Wang ist Vorsitzender einer Firma, die Hongkonger Pfandleiher kontrolliert, seine Tochter lebt in einem Hongkonger Sieben-Millionen-US-Dollar-Apartment. Die Enkelin zeigt sich gern mit dem Schauspieler Jackie Chan, schreibt Blogs über ihre manikürten Fingernägel und ist seit kurzem Chefin einer Internet-Firma.

Andere Prinzlinge haben eigene Firmen gegründet und vermutlich ihre Beziehungen ausgenutzt, um lukrative Geschäfte einzufädeln. Das Vermögen von KP-Chef Xis Familie schätzt Bloomberg auf 376 Millionen US-Dollar, dazu kommen Immobilien in Hongkong im Wert von 55,6 Millionen Dollar.

"Die Beweise sind klar und eindeutig. Die Nachkommen und die Familien der acht 'Unsterblichen' haben mit enormen Vermögen, enormer Macht und enormen Privilegien von den Marktreformen der Staatsbetriebe profitiert", zitiert Bloomberg den australischen Finanzexperten Glenn Maguire.

Straßen im Sudan, Villen in Peking, Erz aus Australien

Einige Prinzlinge engagierten sich zunächst in der staatlichen Citic-Gruppe, einem riesigem Finanz- und Investmentunternehmen. Andere waren in der China-Poly-Gruppe aktiv, einem Staatskonzern, das zunächst nur mit Waffen handelte, später auch Kohleminen betrieb, Straßen im Sudan baute, Villenviertel in Peking hochzog, einen TV-Sender und eine Kinokette betreibt.

Mindestens 18 Nachkommen der Unsterblichen besitzen oder leiten Firmen, die in der Karibik oder in afrikanischen Staaten registriert sind. Ye Jingzi, Ehefrau des Enkels von Marschall Wang Zhen, organisierte Autorennen und Miss-Wahlen in China und ist Chefin einer Motorenfabrik im Nordosten Chinas. Diese arbeitet mit einem malaysischen Unternehmen zusammen, das auf den Britischen Jungferninseln registriert ist. Zhuo Su, Enkel von Deng Xiaoping, ist Vorsitzender von Yijian Investment, das Anteile an einem australischen Eisenerz-Unternehmen besitzt.

"Meine Generation und die nächste Generation haben nichts zu Chinas Revolution, zur Unabhängigkeit und zur Befreiung beigetragen", sagt Song Kehuang, ebenfalls Sohn eines Unsterblichen. "Nun nutzen einige Leute die Position ihrer Eltern, um Hunderte von Millionen Yuan zusammenzuraffen."

Er scheint, obwohl selbst erfolgreicher Geschäftsmann, der einzige kritische Prinzling zu sein. Die anderen von Bloomberg angesprochenen Nachkommen der Acht Unsterblichen hüllten sich in Schweigen.

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1. Kann die Vetternwirtschaft dem Drachen China gefährlich werden?
edmond_d._berggraf-christ 27.12.2012
In China dürfte es ein offenes Geheimnis sein, daß die Sippe der hohen Staatsbeamten von diesen vielfach begünstigt und beschenkt wird, weshalb man dort deren Nachwuchs Prinzen zu nennen pflegt; daher dürfte sich auch die öffentliche Empörung über die Vermögensstände der Staatsbeamten in Grenzen halten. Wenn die Erblichkeit von Macht und Vorrechten auch die liberalen Gecken gar sehr erbosen dürfte. Für China wird dies nur dann zum Problem, wenn der Nachwuchs seiner Beamten ungeachtet seiner Befähigung in die hohen Ämter gelangen würde, was aber gegenwärtig nicht der Fall zu sein scheint; ganz im Gegensatz zu den VSA, wo Georg Läufer Busch der Sohn nicht nur die Eliteuniversitäten des Landes mit Bravour absolvieren konnte, sondern auch seinem Vater in die Staatsämter nachfolgen konnte. Es sei hier noch erwähnt, daß das alte China den Beamtenanwärtern sehr strenge Prüfungen abverlangte und daß namentlich die chinesischen Abiturprüfungen noch heute stark diesen Charakter tragen.
2. Es lebe
rigo-de-hain 27.12.2012
der Möchtegern-Kommunismus! Ich bin sehr, sehr, sehr enttäuscht
3. Ist doch logisch.
Badischer Revoluzzer 27.12.2012
Geld macht korrupt. Der Kommunismus ist nur fürs Volk da. Die Bonzen haben immer ihre Privilegien, egal in welchem politischen System.
4. Chinas KP ist ein Unternehmen wie jedes andere weltweit auch
iffel1 27.12.2012
Die Chefs sind durch die gleichen Qualifikationen wie in anderen weltweit tätigen Unternehmen an ihre Positionen gekommen: Networking - schleimen - mobben. Warum sollen sie weniger verdienen ? Nur weil ihre 1,2 Mrd. "Mitarbeiter" zu doof sind, selbst Karriere zu machen ?
5. Wo bitte schoen ist der Unterschied
hdudeck 27.12.2012
Zitat von sysopGetty ImagesSie sind die Söhne, Töchter und Erben "unsterblicher" Funktionäre - doch mit Revolution und Kommunismus haben Chinas "Prinzlinge" wenig zu tun. Sie raffen lieber Milliarden, logieren in Palästen und finden nichts dabei. Hinter der strengen Fassade ist die KP zum Selbstbedienungsladen verkommen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/wie-chinas-machtelite-dank-verbindungen-milliarden-scheffelt-a-874854.html
zum westlichen Systemen? Hier wie dort werden Personen an den Schaltstellen und mit dem richtigen Vitamin B vermoegend. Im Westen wird das mehr oder weniger offen zugegeben und hochgehalten, in Russland und China wird dies (noch) unter dem Mantel Sozialismus gehalten. Jede Kritik an China ist somit mehr oder weniger auch Kritik an unseren Systemen, wo die Reichen reicher und die Armen zu Hartzer werden, und die Mittelschicht langsam verschwindet. So, warum in dei Ferne schweifen?
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Bevölkerung: 1341,335 Mio. Einwohner

Hauptstadt: Peking

Staatsoberhaupt: Xi Jinping

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