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Schließung der Balkanroute: Wie Griechenland Platz für Flüchtlinge schaffen will

Von , Thessaloniki

Flüchtlingskrise: Griechenland baut neue Lager Fotos
Getty Images

Die Balkanroute ist geschlossen, Zehntausende Flüchtlinge sitzen in Griechenland fest. Sie müssen nun im Land unterkommen - in Baracken, Schulen, Industriebauten. Schon jetzt ist klar: Das wird nicht reichen.

Die Zahl der Flüchtlinge in Griechenland steigt von Stunde zu Stunde. Immer mehr Migranten kommen aus der Türkei an. Die Balkanroute ist geschlossen, die Menschen können nicht mehr gen Norden weiterreisen. Doch wo sollen sie bleiben?

Fast 36.000 Migranten sind in Griechenland gestrandet, schätzt der Krisenstab in Athen - und befürchtet zugleich, dass es noch vor Ende März dreimal so viele sein werden. Im ganzen Land werden jetzt Gebäude in Flüchtlingslager umgewandelt: ungenutzte Militärbaracken, leerstehende Industriebauten, alte Hotels, unbewohnte Studentenheime.

Insgesamt entstehen 15 neue behelfsmäßige Heime, und zwar im Eiltempo. Bereits am Sonntag sollen zusätzliche Unterkünfte für 17.400 Menschen fertiggestellt sein. Die EU-Kommission hatte 12,7 Millionen Euro freigegeben, um den Bau von Flüchtlingslagern zu finanzieren.

Die Athener Regierung will provisorische Zeltstädte wie in Idomeni an der Grenze zu Mazedonien räumen. Die hygienischen Bedingungen dort sind katastrophal; sie werden wohl noch schlechter durch den heftigen Regen und die sinkenden Temperaturen. Krankheiten können sich hier schnell ausbreiten. Lokale Medien berichten über Streit unter den Flüchtlingen um das wenige vorhandene Essen oder Feuerholz.

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Alternative Flüchtlingsrouten: Neue Wege durch Europa
Dass die Länder an der Balkanroute - Slowenien, Kroatien, Serbien und Mazedonien - ihre Grenzen für Flüchtlinge geschlossen haben, hat die Menschen in Idomeni getroffen. Erste Migranten drehen bereits um. Am Dienstag brachten drei Busse 150 Menschen zurück nach Athen.

Die neuen Unterkünfte entstehen in der griechischen Hauptstadt sowie an zahlreichen anderen Orten im ganzen Land:

  • Athen: In Malakasa sollen in früheren Baracken 4000 Menschen beherbergt werden. In Agios Andreas wird ein Sommerzeltplatz für Kinder genutzt, um 500 Menschen unterzubringen. In Elaionas werden Quartiere für zusätzlich 700 Personen in einem bestehenden Camp geschaffen.
  • Viotia: Hier sollen 3000 Menschen leben.
  • Drama: In der Stadt im Norden Griechenlands sollen Flüchtlinge in einem alten Tabaklager in einem Industriegebiet leben, Platz ist hier für 800 Menschen. Das zweigeschossige Gebäude ist gereinigt worden, Toiletten und Kochgelegenheiten wurden eingerichtet. Die ersten Flüchtlinge sollten bereits Mittwochabend eintreffen.
  • Thermopylae: In einem verlassenen Hotel sollen künftig 400 Menschen leben.
  • Epirus: In der Region im Westen Griechenlands, die an Albanien grenzt, werden vier Einrichtungen vorbereitet. Sie sollen Raum bieten für insgesamt 2000 Menschen.
  • Thessalien: In dieser zentralen Region werden unter anderem ungenutzte Militärbaracken hergerichtet. 2000 Flüchtlinge sollen in insgesamt vier Einrichtungen wohnen.
  • Litochoro: Auch in dem Dorf am Fuß des Berg Olympus werden Militärbaracken in Unterkünfte für 4000 Flüchtlinge umgewandelt. Hier könnte es Proteste der Anwohner geben, die fürchten, dass dann Touristen in der Gegend ausbleiben. Der Alternativplan sieht vor, einen Schießplatz der Armee umzufunktionieren, wo 1000 Menschen leben könnten.

Mit dem Bau der Flüchtlingslager erfüllt Athen die Vorgaben der EU: 30.000 Migranten sollen in Griechenland Schutz finden, sowohl auf dem Festland als auch auf den Inseln.

Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch die neuen Unterkünfte überfüllt sind. Allein am Montag kamen 2293 Menschen auf den Inseln an. Die Regierung in Athen sieht sich gezwungen zu handeln: Sie hat Dutzende weitere Einrichtungen im ganzen Land identifiziert, die Flüchtlinge zur Not beherbergen könnten.

Zudem sind Lager wiedereröffnet worden, in denen illegale Migranten festgehalten werden können - eine grundlegende Änderung der bisherigen politischen Linie. Die Regierung von Alexis Tspiras hatte im vergangen Jahr etwa das berüchtigte Amygdaleza-Lager schließen lassen, weil zwei Menschen Suizid begangen hatten. Nun sitzen dort wieder 254 Menschen fest. Weitere acht Lager für sich illegal im Land aufhaltende Menschen sind in Betrieb genommen worden.

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