Katar versus Saudi-Arabien Duell am Roten Meer

Für Saudi-Arabien bilden Katar, Iran und die Türkei ein "Dreieck des Bösen". Am Roten Meer, im Sudan, investieren Doha und Ankara nun in ein strategisches Hafenprojekt - dort droht der nächste Konflikt.

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Mohammed bin Salman gibt sich gönnerhaft auf seinem rund zweiwöchigen Trip durch die USA. Saudi-Arabiens Kronprinz überreichte vergangene Woche Uno-Generalsekretär Antonio Guterres einen Scheck in Höhe von rund 750 Millionen Euro.

Das Geld soll als humanitäre Hilfe für die Menschen im Jemen eingesetzt werden - eine zynische Spende. Salmans Staat steht an der Spitze der sunnitischen Militärkoalition, die in dem bitterarmen Bürgerkriegsland gegen die vom schiitischen Iran unterstützte Huthi-Miliz kämpft. Guterres lächelte dennoch bei der Scheckübergabe.

Mohammed bin Salman und Antonio Guterres
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Mohammed bin Salman und Antonio Guterres

Der künftige König sucht bei seiner Rundreise auch nach Investoren für sein 500-Milliarden-Dollar-Projekt "Neom". Die Digital-Industriezone soll am Roten Meer auf einer Fläche von 26.500 Quadratkilometern entstehen. Die wahhabitische Monarchie will mit "Neom" unabhängiger vom Öl werden.

Es ist ein gigantisches Projekt. Dazu gehören werden auch die beiden strategisch bedeutsamen Inseln Tiran und Sanafir, die vor der Küste Saudi-Arabiens am Eingang zum Golf von Akaba liegen. Ägypten hatte diese im Juni vergangenen Jahres an Saudi-Arabien abgetreten.

Im Sudan, der direkt an Ägypten grenzt, hat sich nun aber ausgerechnet Katar eingekauft. Das Emirat wird seit Juni vergangenen Jahres von einer arabischen Allianz um Saudi-Arabien diplomatisch und wirtschaftlich blockiert.

Der reiche Zwergstaat wehrt sich bislang erfolgreich - und will nun bis zu vier Milliarden Dollar in den Ausbau des sudanesischen Frachthafens von Sawakin investieren. Der liegt - wie "Neom" - ebenfalls am Roten Meer. Und direkt gegenüber der saudi-arabischen Küste.

Für Mohammed bin Salman, auch MBS genannt, sind das schlechte Nachrichten. Denn Katar kommt nicht allein nach Sawakin. Auch die mit dem Emirat verbündete Türkei hat bereits im Dezember mit der sudanesischen Regierung einen Deal geschlossen.

Präsident Recep Tayyip Erdogan reiste dafür eigens nach Khartum. Mit Machthaber Omar al-Baschir schloss er Wirtschaftsabkommen in Höhe von mehreren Hundert Millionen Dollar und vereinbarte, eine kleine Insel in der Lagune von Sawakin zu pachten. Für 99 Jahre.

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Offiziell will die Regierung in Ankara nur die osmanische Altstadt von Sawakin restaurieren, die Ortschaft mit ihren weniger als 50.000 Einwohnern zu einer Touristenhochburg ausbauen. Die Türkei hat mit dem Sudan aber auch einen Vertrag über den Bau eines Militärhafens in Sawakin abgeschlossen.

"Dreieck des Bösen"

MBS hat sich nicht nur mit Katar überworfen, sondern auch mit der Türkei. Ein Grund: Beide Länder kooperieren mit seinem Erzfeind - Iran. Während einer Visite in Ägypten Anfang März bezeichnete er diese als "Dreieck des Bösen".

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Das Duell zwischen Katar und Saudi-Arabien am Roten Meer dürfte aber auch Israel beunruhigen. Jerusalem und Riad arbeiten in Sicherheitsfragen mittlerweile eng zusammen. Sie eint der gemeinsame Feind in Teheran.

Vor wenigen Monaten erklärte Israels Generalstabschef in einem Interview: "Iran versucht, die Kontrolle im Nahen Osten zu übernehmen, einen schiitischen Halbmond vom Libanon bis nach Iran und dann vom Persischen Golf bis zum Roten Meer zu schaffen." Der Sudan spielt für diesen - mutmaßlichen - zweiten Schritt offenbar eine wichtige Rolle.

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Der Streit auf der Arabischen Halbinsel wird folglich nicht allein dort, sondern auch im Roten Meer ausgetragen und ist längst Teil eines zweiten Konflikts, der afrikanische Anrainerstaaten betrifft.

Das Rote Meer ist eine der wichtigsten Passagen für die internationale Schifffahrt. China hat deshalb im kleinen Dschibuti eine Freihandelszone und eine Marinebasis errichtet. Auch die USA , Frankreich, Italien und selbst Japan haben Soldaten am sogenannten Tor zum Roten Meer stationiert.

Im benachbarten Eritrea sind hingegen mittlerweile die machtbewussten Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) vertreten - unter anderem mit einer eigenen Luft- und Seestreitkräftebasis in der Hafenstadt Assab (siehe Karte oben).

Direkt gegenüber von Assab, auf der anderen Küstenseite, liegt der Jemen, wo die VAE gemeinsam mit Ägypten und Saudi-Arabien kämpfen. Ägypten soll Anfang des Jahres einige Hundert Soldaten zu den Truppen der Vereinigten Arabischen Emirate nach Eritrea geschickt haben.

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Der Sudan rief daraufhin seinen Botschafter aus Kairo zurück. Auch das mit Eritrea verfeindete Äthiopien protestierte. Hinzu kommt, dass diese vier Nil-Anrainerstaaten seit vielen Jahrzehnten darüber streiten, wer wie viel Wasser aus dem Fluss nutzen darf. Die jüngsten Entwicklungen in der sudanesischen Hafenstadt Sawakin dürften keinen der beiden Konflikte entschärfen.

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