17 Tote in Afghanistan Wie sich der Amokläufer aus seinem Armeelager schlich

Robert Bales soll in zwei afghanischen Dörfern 17 Menschen erschossen haben. Doch wie konnte sich der US-Soldat vor der Bluttat aus seinem Militärcamp schleichen? Nach einem Bericht der "New York Times" war das Lager möglicherweise kaum bewacht.

US-Soldat Bales: Ablauf der Tatnacht noch immer rätselhaft
AP/ DVIDS

US-Soldat Bales: Ablauf der Tatnacht noch immer rätselhaft


Kabul/New York - Der Amoklauf von Robert Bales sorgte weltweit für Entsetzen - und noch immer sind viele Fragen um den 17fachen Mord an afghanischen Zivilisten durch den US-Soldaten offen. So ist unklar, wie sich der 38-Jährige unbemerkt von seiner Basis in der Kandahar-Provinz entfernen konnte. Nach Informationen der "New York Times" waren in der Tatnacht vor allem afghanische Streitkräfte mit der Sicherung des Camps betraut.

Diese Soldaten, so das Blatt unter Berufung auf Ermittlungsakten, hätten einen einzelnen Soldaten womöglich eher passieren lassen, als ihre US-Kollegen. Nach bisherigem Stand der Ermittlungen waren auf der Basis kaum mehr als 40 amerikanische Soldaten stationiert, daher seien afghanische Einheiten öfter mit Wachaufgaben betraut gewesen.

Die Ermittlungsakten liefern zudem ein genaueres Bild der Tatabläufe in der Nacht auf den 11. März. Bales hatte seine Taten in zwei Dörfern begangen, nördlich und südlich der Basis gelegen - und kehrte zwischendurch offenbar auf den Stützpunkt zurück. Dort, so zitiert die "New York Times" einen Kommandeur der afghanischen Streitkräfte, wurde er von mindestens einem afghanischen Wachposten gesichtet. Unklar ist allerdings, ob dieser einem Vorgesetzten von seiner Entdeckung berichtet hat.

Während seines Aufenthalts auf der Basis - noch vor dem zweiten Amoklauf - soll sich Bales zudem einem amerikanischen Soldaten anvertraut haben. Dieser, so ein namentlich nicht genannter Armee-Offizieller, habe ihm sein Geständnis jedoch nicht geglaubt.

Bales soll mit dem Gesicht voran auf der Erde gelegen haben

Beim erneuten Verlassen des Camps sei Bales dann definitiv von einem einheimischen Wachposten gesehen worden, der seine Vorgesetzten verständigt habe. Statt sich jedoch sofort auf die Verfolgung zu machen, hätten die US-Soldaten zunächst die Schlafquartiere, Küchen- und Sanitäreinrichtungen durchsucht, heißt es in dem Artikel.

Mit Hilfe einer Infrarotkamera sei Bales wenig später auf einem nahegelegenen Feld entdeckt worden. Dieser habe mit dem Gesicht voran auf der Erde gelegen, warum ist unklar. Kurz darauf sei der Soldat dann aufgestanden und auf das Camp zugelaufen - wo ihm seine Waffen abgenommen worden seien. Offiziell bestätigt sind diese Details aus der Tatnacht jedoch nicht.

In Afghanistan halten sich zudem hartnäckig Gerüchte, wonach das Blutbad von einer Gruppe US-Soldaten angerichtet worden sein soll. Das US-Militär beharrt dagegen darauf, dass Bales als Einzeltäter unterwegs war.

Unklar ist neben dem genauen Ablauf der Tat auch immer noch das Motiv, das Bales auf die ihm unbekannten Zivilisten feuern ließ. Nach Angaben seines Anwalts habe der Soldat nach einem traumatischen Erlebnis im Irak an Depressionen und Angstzuständen gelitten.

Er rechne damit, dass dies in dem Verfahren gegen seinen Mandaten eine wichtige Rolle spielen werde, sagte der Verteidiger John Henry Browne. Dieser hatte bereits zu einem früheren Zeitpunkt erklärt, dass Bales während früherer Militäreinsätze großen Gefahrensituationen ausgesetzt gewesen sei.

Der Anwalt durfte den Soldaten elf Stunden lang im Militärgefängnis Fort Leavenworth im US-Bundesstaat Kansas besuchen. Er verwies darauf, dass in dem Verfahren konkrete Beweise gegen seinen Mandanten fehlten. "Das wird eine sehr komplizierte Geschichte für die Anklage werden", sagte der Anwalt.

jok

insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
Airkraft 29.03.2012
1. Sehe ich auch so!
Das hört man ja immer wieder, das Militärlager - speziell in Afghanistan - eher schlecht bewacht sind ;-)
wasabiroshi 29.03.2012
2.
Zitat von sysopAPRobert Bales soll in einem afghanischen Dorf 17 Menschen erschossen haben. Doch wie konnte sich der US-Soldat vor der Bluttat aus seinem Militärcamp schleichen? Nach einem Bericht der "New York Times" war das Lager möglicherweise kaum bewacht. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,824436,00.html
"Nach Informationen der "New York Times" waren in der Tatnacht vor allem afghanische Streitkräfte mit der Sicherung des Camps betraut. Diese Soldaten, so das Blatt unter Berufung auf Ermittlungsakten, hätten einen einzelnen Soldaten womöglich eher passieren lassen, als ihre US-Kollegen." Man möge mir meinen Zynismus verzeihen,aber wenn das so stimmt ,dann sieht man mal wieder wie problematisch Outsourcing ist. Auf der anderen Seite kann man so den schwarzen Peter wenn nicht weiter reichen ,dann doch wenigstens aufteilen : "Wenn die laxen Afghanen die Vorschriften eingehalten hätten"
idealist100 29.03.2012
3. Hallo
Zitat von wasabiroshi"Nach Informationen der "New York Times" waren in der Tatnacht vor allem afghanische Streitkräfte mit der Sicherung des Camps betraut. Diese Soldaten, so das Blatt unter Berufung auf Ermittlungsakten, hätten einen einzelnen Soldaten womöglich eher passieren lassen, als ihre US-Kollegen." Man möge mir meinen Zynismus verzeihen,aber wenn das so stimmt ,dann sieht man mal wieder wie problematisch Outsourcing ist. Auf der anderen Seite kann man so den schwarzen Peter wenn nicht weiter reichen ,dann doch wenigstens aufteilen : "Wenn die laxen Afghanen die Vorschriften eingehalten hätten"
Glauben Sie das etwa? Hier wird doch vertuscht und vernebelt. Was ist den mit den Hubschraubern, welche von Einheimischen gehört wurden? Wurden die auch von Afghanen geflogen? Wie lange dauert eigentlich ein Fußmarsch von 4 Km nach Norden und zurück sowie 4 km nach süden und zurück incl. erschießen und anzünden? Schatze mind. 4 Stunden.
viceman 29.03.2012
4. die einzeltäterbehauptung
Zitat von sysopAPRobert Bales soll in einem afghanischen Dorf 17 Menschen erschossen haben. Doch wie konnte sich der US-Soldat vor der Bluttat aus seinem Militärcamp schleichen? Nach einem Bericht der "New York Times" war das Lager möglicherweise kaum bewacht. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,824436,00.html
wird zusammenbrechen. es wird ja immer seltsamer, ein man schleicht zwischen den moreden zurück in sein lager, wird auch noch beim verlassen gesehen usw. wer weiß, was man bales angeboten hat, wenn er die schuld auf sich nimmt, es waren -definitiv- mehre mörder unterwegs...
cato-der-ältere 29.03.2012
5. Bewacht oder nicht?
Die Frage ist völlig irrelevant. Als ob mit etwas besserer Organisation so etwas nicht vorkäme. Das Problem ist viel grundsätzlicher. Die Leute die es als normal betrachten Kriege zu führen sind das Problem. Dabei kommen natürlich die Gegner, Unbeteiligte, aber ebenso die eigenen "Mitbürger in Uniform" zu Schaden. Weil Krieg Wahnsinn in Reinkultur ist und Menschen zerstört, auch wenn sie selbst gar nicht körperlich versehrt werden. Das Grundvertrauen in den Mitmenschen, und das grundlegende Vertrauen daran dass die Existenz letztlich gut ist geht verloren. Unter anderem solche Exzesse sind die unvermeidliche Folge. Es gibt keinen sauberen Krieg. Die Politiker sollten selbst an Kampfhandlungen teilnehmen müssen damit sie wissen was sie tun. Aber Leute wie Guttenberg posen nur mit Top-Gun-Sonnebrille in sicherer Entfernung, Struck schnoddert von der deutschen Verteidigung am Hindukusch, und von den US-Politkern wie Rumsfeld braucht man gar nicht zu reden...
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