Wieder Zwischenfall vor Libanon Israelischer Jagdbomber bedrängt erneut deutschen Hubschrauber

Vorige Woche lösten Schüsse eines israelischen Kampfjets über einem deutschen Marineschiff Irritationen aus - jetzt wird von einem neuen Zwischenfall an der libanesischen Küste berichtet. In Berlin fragt man sich: Hat Israel seine Luftwaffe noch im Griff?


Hamburg – Ein Bundeswehrhubschrauber, der zu einem der Schiffe des deutschen Marineverbandes vor der libanesischen Küste gehört, ist von einem israelischen Kampfflugzeug bedrängt worden. Das berichtet die "Bild am Sonntag". Das Verteidigungsministerium habe bestätigt, dass in der Nacht von Donnerstag auf Freitag israelische Jagdbomber des Typs F-16 einem Bundeswehrhubschrauber gefährlich nahe kamen. Die Zeitung berichtete, im Ministerium frage man sich jetzt, ob Israels Regierung - die ja um deutsche Einheiten bei dem Libanon-Einsatz gebeten habe - ihre Luftwaffe noch im Griff habe.

Israelische F-16: Neuer Zwischenfall vor Libanons Küste
AP

Israelische F-16: Neuer Zwischenfall vor Libanons Küste

Im Verteidigungsministerium herrsche Verwunderung, zumal der israelische Verteidigungsminister Amir Peretz seinem deutschen Kollegen Franz Josef Jung (CDU) erst kürzlich in einem Telefongespräch versichert habe, es werde keine gefährlichen Annäherungen an deutsche Hubschrauber im Uno-Marineverband Unifil mehr geben.

Tatsächlich hatte es zuvor schon zwei Zwischenfälle gegeben - auch einen mit einem Hubschrauber. Der deutsche Kommandeur des Unifil-Marineverbandes, Flottillenadmiral Andreas Krause, war mit seinem Hubschrauber in Gefahr geraten: Israelische Jets peilten den deutsche Hubschrauber angeblich mit ihrem Feuerleit-Radar an; dieses Radar dient dazu, ein Ziel zum Abschuss zu erfassen. Die anvisierten Flugzeuge oder Helikopter können mittels ihrer Technik an Bord registrieren, ob sie vom Feuerleit-Radar eines gegnerischen Flugzeugs erfasst wurden - dies gilt als letzter Schritt vor einem scharfen Schuss.

Weit mehr Aufsehen erregte am Dienstag der Zwischenfall zwischen dem deutschen Aufklärungsboot "Alster" und laut Verteidigungsministerium sechs israelischen Kampfflugzeugen. Diese überflogen demnach die "Alster" und schossen. Auch aus den libanesischen Streitkräften wurde dieser Vorfall bestätigt. Israels Verteidigungsminister Peretz erklärte dagegen, dass die israelische Luftwaffe nicht auf das Schiff geschossen habe. Israel habe keine Absicht, in irgendeiner aggressiven Art gegen die deutschen Streitkräfte vorzugehen. Die Bundesregierung bezeichnete den Zwischenfall daraufhin als "geklärt" - allerdings fordert die FDP jetzt die Herausgabe eines Videos, das den Zwischenfall zeigt. Die "Alster" hatte ihn mitgefilmt. Das Filmmaterial liegt dem Verteidigungsministerium in Berlin vor. Vizeadmiral Hans Joachim Stricker bestätigte nach Sichtung des Materials, es sei "tatsächlich alles so passiert, wie es von der deutschen Seite bekannt gegeben worden ist".

kaz/AFP/dpa

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