WikiLeaks-Berichterstattung Russland weist britischen Journalisten aus

Russland hat einen Korrespondenten des britischen "Guardian" ausgewiesen. Der Zeitung zufolge wurde ihrem Russland-Experten Luke Harding die Einreise verboten, als er nach zwei Monaten wieder nach Moskau zurückkehren wollte. Er hatte von London aus über die WikiLeaks-Dokumente berichtet.


Moskau/London - Luke Harding ist nach eigenen Angaben von den russischen Behörden des Landes verwiesen worden. Beamte an der Passkontrolle hätten dem britischen Journalisten bei seiner Ankunft aus London die Einreise verwehrt, ihn 45 Minuten lang in einer Flughafenzelle festgehalten und ihn dann nach Großbritannien zurückgeschickt. Das berichtete der "Guardian" am Dienstag auf seiner Internetseite. "Für Sie ist Russland geschlossen", habe ein Geheimdienstmann zu Harding gesagt. Der Journalist hatte zuletzt von London aus die WikiLeaks-Dokumente über Russland ausgewertet.

Harding hatte den Angaben zufolge zwei Monate in London verbracht. In seinen Berichten über die WikiLeaks-Dokumente schrieb er auch über angebliche Verbindungen zwischen russischen Regierungsvertretern, Oligarchen und dem organisierten Verbrechen.

Der britische Außenminister William Hague rief nach Angaben seines Ministeriums das russische Außenministerium an und bat um eine Erklärung. Der russische Außenminister Sergej Lawrow habe seinem britischen Amtskollegen zunächst keine Erklärung für den Vorfall geben können, schrieb das Blatt. Lawrow habe lediglich versprochen, die Sache zu untersuchen. Der Rauswurf sei vermutlich auf höchster Ebene angeordnet worden, vermutet der "Guardian".

Die staatliche russische Nachrichtenagentur RIA meldete inzwischen, Harding stehe auf der Liste unerwünschter Personen. Damit sei ihm die Einreise nach Russland verboten.

"Dies ist eindeutig eine äußerst beunruhigende Entwicklung mit schwerwiegenden Auswirkungen für die Pressefreiheit", sagte "Guardian"-Chefredakteur Alan Rusbridger dem Bericht zufolge. Nach Angaben der Zeitung war Harding wiederholt wegen seiner Berichte von den russischen Behörden schikaniert und bei einer Reise in die Konfliktregion Nordkaukasus im April 2010 auch kurzzeitig festgehalten worden.

Seit dem Mord an dem Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko in London gelten die Beziehungen beider Länder als angespannt. Der frühere KGB-Agent war 2006 mit radioaktivem Polonium 210 vergiftet worden. Großbritannien fordert die Auslieferung des Hauptverdächtigen Andrej Lugowoi, der jedoch eine Beteiligung bestreitet. Moskau verlangt seinerseits, im Londoner Exil lebende Russen wie den Oligarchen Boris Beresowski auszuliefern.

ler/dpa/AFP

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JDR 08.02.2011
1. ...
Zitat von sysopRussland hat einen Korrespondenten*des britischen*"Guardian" ausgewiesen. Der Zeitung zufolge*wurde ihrem Russland-Korrespondenten Luke Harding die Einreise verboten,*als er nach zwei Monaten wieder nach Moskau zurückkehren wollte. Er hatte von London aus über die WikiLeaks-Dokumente berichtet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,744188,00.html
Pressefreiheit und Oligarchen in allen Ehren, manchmal ist der Grund auch einfach eine schöne Frau... (http://english.ruvr.ru/2011/01/14/39728335.html)
greenpea 08.02.2011
2. Claqueure fuer die Oelschranzen, bitte!
Es ist aber ueberhaupt kein Problem fuer Otto Normalverbraucher weiterhin russisches Erdgas und russische Unternehmens-Aktien zu kaufen. Otto Normalverbraucher schert sich weiterhin einen Dreck darum, ob mit seinem Geld weltweit die Journalisten zum Schweigen gebracht werden oder die Umwelt zerstoert wird. Doch bezueglich der Oelmafia bin ich optimistisch, dass die Klimafalle ueber den Verursachern mindestens genauso zusammenschnappt wie ueber den Verbrauchern - und Leuten in Waldbrand, Schlammlawine oder Flutwelle hilft auch kein mutiger Journalist mehr, da hilft nur noch der liebe Gott!
lbm1958, 08.02.2011
3. es ist wirklich kein Problem
Zitat von greenpeaEs ist aber ueberhaupt kein Problem fuer Otto Normalverbraucher weiterhin russisches Erdgas und russische Unternehmens-Aktien zu kaufen. Otto Normalverbraucher schert sich weiterhin einen Dreck darum, ob mit seinem Geld weltweit die Journalisten zum Schweigen gebracht werden oder die Umwelt zerstoert wird. Doch bezueglich der Oelmafia bin ich optimistisch, dass die Klimafalle ueber den Verursachern mindestens genauso zusammenschnappt wie ueber den Verbrauchern - und Leuten in Waldbrand, Schlammlawine oder Flutwelle hilft auch kein mutiger Journalist mehr, da hilft nur noch der liebe Gott!
Da sind wir also wieder einmal in der widerlichsten Ecke der Demagogie gelandet. Auf der einen Seite die guten Diktatoren wie Mubarak, Saakachwili oder Ghadafi, Menschenfreunde bei denen man sich wundert das sie den Friedensnobelpreis noch nicht bekommen haben, naja dann sind da noch die bösen Diktatoren wie Putin, Lukaschenko und Hugo Chavez. Es ist nur zu blöd das die einen für den Westen genau so wichtig sind wie die anderen. Und der Klimaschwindel wurde als "Ablasshandel" des 21.Jhrdt. auch von den angloamerikanischen Börsenbrüdern konzipiert. Vor 100 Jahren gab es noch keine Schlammlawinen, Erdrutsche und Vulkanausbrüche das sind die verwerflichen Taten des Neuzeitmenschen der dafür über die Kraftfahrzeugsteuer gehörig zur Kasse gebeten werden muß. Es ist nur Schade für die Abzocker im "Emissionsrechtehandel" das die USA den Blödsinn eingestellt haben und die Japaner aufhören. Chinesen, Inder und Brasilianer haben gar nicht erst mitgemacht, die Spielverderber.
MarkusKrawehl, 08.02.2011
4. Durchschaubar
Zitat von sysopRussland hat einen Korrespondenten*des britischen*"Guardian" ausgewiesen. Der Zeitung zufolge*wurde ihrem Russland-Korrespondenten Luke Harding die Einreise verboten,*als er nach zwei Monaten wieder nach Moskau zurückkehren wollte. Er hatte von London aus über die WikiLeaks-Dokumente berichtet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,744188,00.html
Dass er wegen irgendwelcher russlandkritischer Wikileaks Artikel ausgewiesen wurde, ist eine reine Vermutung. Medwedjew hat erst neulich angeboten Assange im Notfall Asyl vor der US-Repressalien in Russland zu gewähren. Dass EU-Länder hier gnadenlos einknicken, sollte zwischenzeitlich ja bekannt sein. Die Zusammenarbeit mit dem Guardian hat Assange erst neulich aufgekündigt: http://www.gulli.com/news/wikileaks-the-telegraph-wird-neuer-medien-partner-2011-02-01 Ich nehme an, dass Assange auch eine Hintergründe zu seinem Ex-"Medienpartner" Harding aufdecken konnte. Pech für Harding!
bmg7652 09.02.2011
5. Durchsichtige Manöver
Zitat von MarkusKrawehlDass er wegen irgendwelcher russlandkritischer Wikileaks Artikel ausgewiesen wurde, ist eine reine Vermutung. Medwedjew hat erst neulich angeboten Assange im Notfall Asyl vor der US-Repressalien in Russland zu gewähren. Dass EU-Länder hier gnadenlos einknicken, sollte zwischenzeitlich ja bekannt sein. Die Zusammenarbeit mit dem Guardian hat Assange erst neulich aufgekündigt: http://www.gulli.com/news/wikileaks-the-telegraph-wird-neuer-medien-partner-2011-02-01 Ich nehme an, dass Assange auch eine Hintergründe zu seinem Ex-"Medienpartner" Harding aufdecken konnte. Pech für Harding!
Glauben Sie im Ernst, dass Russland Assange so ganz uneigennützig Asyl anbieten wollte? Oder dass Medwedjew in seinem Eröffnungsvortrag in Davos so ganz aufrichtig festgestellt hat, Russland habe mit Wikileaks eigentlich keine Probleme, weil es nicht wirklich etwas zu verbergen habe. Das sind doch völlig durchsichtige Manöver, um den USA eins auszuwischen und sich selbst als souveräner und unangreifbarer hinzustellen. Wohl wissend, dass die eigenen Kontrollmechanismen -inklusive Geheimdienst und Mafia wahrscheinlich wirklich besser funktionieren bzw. aufgrund ihrer allseits bekannten Brutalität Whistleblower besser abschrecken als in den USA. Da können missliebige Journalisten auch viel besser gehandhabt werden, notfalls lässt man ausländische Journalisten ohne Angabe von Gründen gar nicht erst wieder einreisen. Oder im Falle von Assange dürfte er vielleicht gerne einreisen, aber dann stiesse ihm sicher über kurz oder lang ein Unfall zu. Nicht viel anders, als ihm das auch etliche US-Amerikaner wünschen würden. Die unbequemen bis empörenden Wahrheiten sind nirgendwo beliebt bei den Mächtigen, die sie bedrohen könnten. Bestes Beispiel derzeit in Ägypten, wo die Sicherheitsdienste und ihre angeheuerten Schläger gegen alle Journalisten, vor allem ausländische, vorgehen, die der Wahrheit die Ehre erweisen wollen.
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