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WikiLeaks-Enthüllungen: Codename Projekt 8

Die Veröffentlichung der US-Botschaftsdepeschen hat die Diplomatie erschüttert. Aber wie kam es dazu? In einem neuen Buch schildern die SPIEGEL-Redakteure Holger Stark und Marcel Rosenbach die dramatischen Verhandlungen mit WikiLeaks-Chef Assange - und wie das Projekt fast gescheitert wäre.

Julian Assange: Die WikiLeaks-Odyssee Fotos
AFP

Hamburg/Berlin - Die zeitgleiche Veröffentlichung von vertraulichen Botschaftsdepeschen der US-Regierung im November 2010 in mehreren großen Magazinen und Tageszeitungen weltweit erschütterte die Welt der Diplomatie. Wie aber kam es zu diesem Projekt?

Der Gründer von WikiLeaks, Julian Assange, liefert sich seit geraumer Zeit eine handfeste Auseinandersetzung mit dem Chefredakteur der "New York Times", Bill Keller. Assange wirft der Zeitung vor, das Material nur unvollständig veröffentlicht zu haben. Außerdem kritisiert er, die Zeitung habe dem Weißen Haus vor Veröffentlichung zu viele Mitspracherechte eingeräumt.

Chefredakteur Keller schießt jetzt zurück. Die "New York Times" will in einem Buch vom kommenden Montag an die Chronik der WikiLeaks-Veröffentlichung bekannt machen. In seinem Vorwort, das in Auszügen bereits veröffentlicht wurde, beschreibt Chefredakteur Keller die stürmische Beziehung mit WikiLeaks-Gründer Julian Assange. Der Australier hätte einem Stieg-Larsson-Thriller entstammen können, schreibt Keller. Die Journalisten, die mit ihm zu tun hatten, hätten Assange niemals als "Partner oder Mitarbeiter" angesehen, sondern als reine "Quelle", die ihre eigenen Ziele verfolge.

Keller bezeichnet Assange als "schwer zu fassen, manipulierend und unberechenbar". Seine Beziehung zur "New York Times" sei zunehmend "feindselig" gewesen, zum Schluss habe er das Blatt sogar von weiteren Veröffentlichungen ausschließen wollen.

Tatsächlich waren "New York Times" und "Guardian" bereits entschlossen, ohne Zustimmung von WikiLeaks zu veröffentlichen. Assange drohte mit Anwälten, es kam zu dramatischen Sitzungen. Die SPIEGEL-Redakteure Georg Mascolo, Marcel Rosenbach und Holger Stark waren für das deutsche Nachrichtenmagazin an den Gesprächen zur Veröffentlichung der WikiLeaks-Dokumente beteiligt.

Stark und Rosenbach schildern ihre Begegnungen mit Assange in einem neuen Buch mit dem Titel "Staatsfeind WikiLeaks", aus dem SPIEGEL ONLINE Auszüge dokumentiert:

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insgesamt 84 Beiträge
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1. Wikileaks sells
harryklein 27.01.2011
Meine Meinung: es ist einfach nur armselig, wie der Spiegel im Huckepack von Wikileaks versucht soviel Geld wie möglich zu machen. Erst ein Sonderheft, dann noch ein - leider gefloppter - Spiegel-Titel. Nun, wie die NY Times, noch ein schönes Buch. Wer braucht eigentlich solche "Journalisten"?
2. Überkrähe
Thomas Kossatz 27.01.2011
Zitat von sysopDie Veröffentlichung der US-Botschaftsdepeschen hat die Diplomatie erschüttert. Aber wie kam es dazu? In einem neuen Buch schildern die SPIEGEL-Redakteure Holger Stark und Marcel Rosenbach die dramatischen Verhandlungen mit WikiLeaks-Chef Assange - und wie das Projekt fast gescheitert wäre. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,741992,00.html
Aha, das ist also die Weltverbesserung Marke Wikileaks: Nicht mehr Regierungen entscheiden einsam über Geheimhaltungen, sondern Herr Assange ganz allein. Aber auch dafür werden sicherlich seine Jünger eine Entschuldigung finden. Und für den Wunsch eines geschönten Portraits in der NYT. Welcher Journalist arbeitet eigentlich noch ohne Scheere im Kopf, wenn er mit einer solchen Überkrähe zu tun hat? Naja, was soll's. Die Interessen Deutschlands sind in den Händen jeder Regierung, egal welcher Farbe, allemal besser aufgehoben als bei diesem Egomanen. Wir brauchen dringend weniger Staatsgeheimnisse, aber einen Kernbereich der Geheimhaltung, der auch geschützt ist. Alles andere ist gefährliche Naivität. Staaten wie Deutschland haben keine FReunde und keine Feinde... nur Interessen, und die gilt es zu wahren.
3.
Walter Sobchak 27.01.2011
Keinen cent werde ich fuer dieses Buch ausgeben. Der Spiegel sollte endlich mal wieder Journalismus betreiben und sich nicht wie die Sau im Pfuhl anderer rollen. Frueher gingen Geheimpapiere noch an den Spiegel direkt. Diese Zeiten sind laengst vorbei. Wo Der Spiegel mit der Regierung Kohl immer hart ins Gericht geht, wird vor Schroeder und Merkel und der ganzen Chunta gekuscht und alles schoengeschrieben.
4. Why not!
yogi_muc 27.01.2011
Ein paar Beiträge dieser Brisanz würden uns vielleicht http://www.memoro.org/de-de/ auch guttun :-), allerdings als persönlicher Viedeobeitrag, wie üblich! Nicht anonym.
5. Assange ist ein Verbrecher
eth_problembär 27.01.2011
hoffentlich kriegen sie ihn wegen der "Vergewaltigungen" dran. Schlimmer als jeder Anwalt der Mann, versucht seine gestohlenen Dateien auch noch zu verkaufen...
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