WikiLeaks-Gründer in Haft Assange soll Computerzugang bekommen

Einzelzelle, Laptopverbot, graue Sträflingskleidung: Nach seiner Festnahme kämpft WikiLeaks-Gründer Assange mit der rauen britischen Gefängnisrealität. Immerhin: Das Internetverbot für den Australier wird wohl gelockert werden - der 39-Jährige soll Zugang zu einem Computer erhalten.

WikiLeaks-Gründer Assange: "Beschränkter Internetzugang"
REUTERS

WikiLeaks-Gründer Assange: "Beschränkter Internetzugang"


London/Berlin - Das englische Wandsworth-Gefängnis ist nicht irgendein Gefängnis. Der dunkle Backsteinbau in Südwest-London ist eine der größten Haftanstalten Westeuropas, etliche prominente Insassen verbüßten hier ihre Freiheitsstrafe. Oscar Wilde zum Beispiel, der irische Schriftsteller, oder Pete Doherty, der britische Skandalrocker.

Inzwischen hat Wandsworth mal wieder einen Promi-Insassen, einen der bekanntesten Häftlinge, die die Welt derzeit zu bieten hat: Julian Assange, Gründer der Internetplattform WikiLeaks.

Vor rund zwei Wochen veröffentlichte er Hunderttausende geheime US-Depeschen und löste so ein diplomatisches Beben aus. Am Dienstag nahmen ihn die englischen Behörden fest - wegen Vergewaltigungsvorwürfen in Schweden.

Seitdem macht Assange Bekanntschaft mit der rauen britischen Gefängnisrealität, wie der "Guardian" jetzt berichtet. Der Australier befinde sich in einem abgetrennten Sonderflügel der Haftanstalt - offenbar eine Vorsichtsmaßnahme, nachdem die Mithäftlinge bei der Ankunft des Australiers "großes Interesse" an ihm gezeigt hätten. In grauer Einheitskleidung tigere er nun durch den Trakt, schreibt das Blatt, aus Mangel an eigener Ersatzkleidung. Auf die habe er verzichtet, weil er nicht mit einem längeren Aufenthalt rechnete.

Beschränkter Internetzugang und eine Stunde Fitness

Einen Online-Zugang hat der Internetaktivist Assange nicht - die Nutzung seines Laptops ist ihm untersagt, er habe nicht einmal Zugang zu einem Offline-Computer, klagt sein Anwalt Mark Stephens im "Guardian". Schreibmaterial fehle auch. Assange auf Entzug.

Die Gefängnisleitung überlege, so berichtet der "Guardian", Assange ein wenig entgegenzukommen. Er wird wohl in den kommenden Tagen einen Computer erhalten, allerdings einen, mit "beschränktem Internetzugang", wie es heißt. Auch das gefängnisinterne Fitnessstudio wird er besuchen dürfen - für eine Stunde täglich.

Mindestens bis zur nächsten Anhörung am 14. Dezember muss der 39-Jährige noch in Wandsworth bleiben. Dann soll entschieden werden, ob er nach Schweden ausgeliefert wird.

Es wird erwartet, dass die britischen Behörden dem schwedischen Gesuch entsprechen - das ist so üblich unter EU-Partnern. Neben den Vergewaltigungs-Ermittlungen könnte dann weiteres Ungemach drohen. Assanges Anwälte fürchten, schwedische Behörden könnten ihn an die USA ausliefern. Präsident Barack Obama und andere US-Spitzenpolitiker hatten die Veröffentlichung der Geheim-Depeschen aufs Schärfste verurteilt. Gerne sähen sie Assange wohl vor Gericht - auch wenn es nicht leicht werden dürfte, dafür eine Begründung zu finden.

Über eine Nachricht dürfte sich Assange derweil freuen: In seiner Heimat Australien gingen am Freitag mehrere hundert Unterstützer von WikiLeaks auf die Straße. Sie versammelten sich in mehreren Städten des Landes und forderten die australische Regierung auf, sich für die Rechte von Assange einzusetzen.

vme

insgesamt 112 Beiträge
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Seite 1
iman.kant 10.12.2010
1. Strafvollzug? - auf welcher Grundlage?
Es ist niederschmetternd zu sehen dass ein Mann der noch keiner einzigen Rechtsverletzung überführt geschweige denn verurteilt worden ist diesen Bedingungen stellen muss!
Herbert Maltau 10.12.2010
2. Wikileaks, China und Amerika
Das trifft es doch ziemlich gut: http://www.eulenspiegel-zeitschrift.de/index.php?option=com_content&view=article&id=147:tagescartoon&catid=1:zeitansagen&Itemid=2
distributer 10.12.2010
3. Unglaublich
Ein unschuldiger Mensch (nicht veruteilt oder angeklagt) sitzt da in U-Haft und darf nicht einmal Kontakt zur Aussenwelt aufnehmen. Ich sehe es auch schon, fix nach Schweden, dort die Anklage fallen lassen und ab in die USA zum Waterboarding -.-
SirTurbo, 10.12.2010
4. Aktion automatische Überschrift
ist nicht wahr... Der wird doch aber hoffentlich nur ein bißchen surfen um auf dem Laufenden zu bleiben? Wenn der irgendwas Anderes mit der Kiste macht, dann gehört der Honk geschlagen...
MasaGemurmel 10.12.2010
5. Frage, wer weiß es?
Was ich mich schon immer gefragt habe (bin kein Jurist): Wie ist das mit Gefangegen (U-Haft oder "Langzeit") - hat man das Recht auf öffentliche Meinungsäußerung? Völlig unabhängig vom Internet: Darf man aus dem Knast z.B. einen Brief an die Presse schreiben? Oder ist der Mundtod Teil (z.T. "Sinn") der Strafe?
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