US-Präsidentschaftswahl WikiLeaks suchte gezielt Kontakt zu Trump junior

"Hey Don...": Vor der US-Präsidentschaftswahl tauschten sich WikiLeaks und Donald Trumps ältester Sohn mehrfach aus. Die Enthüllungsplattform bat unter anderem um die Steuererklärung des Kandidaten, später auch um politische Gefallen.

Donald Trump junior im New Yorker Trump Tower (Archivbild)
DPA

Donald Trump junior im New Yorker Trump Tower (Archivbild)


In der Russlandaffäre um US-Präsident Donald Trump ist bekannt geworden, dass dessen ältester Sohn während des Wahlkampfs Kontakt mit der Enthüllungsplattform WikiLeaks hatte. Donald Trump junior veröffentlichte in der Nacht zu Dienstag mehrere Nachrichten, die eine Kommunikation zwischen ihm und dem Twitterkonto von WikiLeaks zeigen. Zuvor hatte das Magazin "The Atlantic" ausführlich über den Austausch berichtet.

Aus dem von Trump junior veröffentlichten "kompletten Schriftverkehr" geht hervor, dass er mehrmals Anfragen von WikiLeaks bekam. Er selbst antwortete demnach drei Mal.

WikiLeaks hatte während des Präsidentschaftswahlkampfs gehackte E-Mails aus dem demokratischen Lager um Hillary Clinton veröffentlicht und der Kandidatin damit extrem geschadet. US-Geheimdienste beschuldigen die russische Regierung, hinter den Hackerangriffen zu stehen.

Für Trump junior ist der Fall heikel, weil er ohnehin im Fokus der Russlandaffäre steht. Im Juli hatte er einräumen müssen, sich während des Wahlkampfs mit einer russischen Anwältin getroffen zu haben. Aus E-Mails geht hervor, dass er der Begegnung zugestimmt hatte, weil ihm kompromittierendes Material über Clinton versprochen worden war (mehr dazu lesen Sie hier) .

Die Russlandaffäre wird von einem Sonderermittler und mehreren Komitees des Kongresses untersucht. Trump junior erklärte nun, einer dieser Ausschüsse stecke hinter der Enthüllung seiner Kommunikation mit WikiLeaks. Das Magazin "Atlantic" berichtete, die Anwälte von Trump junior hätten die Nachrichten an die Ermittler im Kongress übergeben.

Was WikiLeaks von Trump junior wollte

WikiLeaks schickte Trump junior am 20. September zunächst eine Frage zu einem politischen Aktionskomitee. Trump junior antwortete, er wisse nicht, wer das sei, wolle sich aber umhören. In der nächsten Nachricht bat WikiLeaks darum, einen Bericht über Clinton öffentlich zu kommentieren. Trump junior entgegnete, er habe dies bereits getan und fügte hinzu: "Es ist erstaunlich, womit sie durchkommt."

In der dritten Nachricht fragte er WikiLeaks, was hinter einer Enthüllung stecke, von der er gelesen habe. Eine Antwort darauf bekam er nicht. Später schrieb WikiLeaks: "Hey Donald, es ist großartig, dass du und dein Vater über unsere Veröffentlichungen sprecht. Empfehle ausdrücklich, dass dein Vater diesen Link twittert, wenn er uns erwähnt." Trump junior verbreitete den Link zwei Tage später.

Ab diesem Punkt finden sich keine weiteren Antworten des 39-Jährigen unter den veröffentlichten Nachrichten. Es folgen nur noch Mitteilungen von WikiLeaks.

Assange als Australiens US-Botschafter?

Im Oktober 2016 heißt es beispielsweise: "Hey Don. Wir haben eine ungewöhnliche Idee. Spiel uns eine oder mehrere Steuererklärungen deines Vaters zu." Es folgte eine ausführliche Erklärung über "die Vorteile" einer solchen Aktion. Zum Beispiel: Werde WikiLeaks die Unterlagen veröffentlichen, würde die "Wahrnehmung unserer Unparteilichkeit" enorm aufgebessert. Dies sei "das Allerbeste", denn alle künftigen Veröffentlichungen über Clinton würden dadurch größeren Einfluss haben - WikiLeaks werde dann nicht mehr als eine Quelle wahrgenommen, die "Pro-Trump" oder "Pro-Russland" sei, wie die Clinton-Kampagne behaupte.

Auf diese Nachrichten antwortete Trump junior nicht. WikiLeaks meldete sich laut dem "Atlantic"-Bericht erst am Tag der Präsidentschaftswahl wieder. "Hi Don, falls dein Vater 'verliert', ist es unserer Meinung nach viel interessanter, wenn er das NICHT eingesteht." Stattdessen solle er die Medien herausfordern und andere Arten des Betrugs thematisieren. Nachdem der Gewinner der Wahl feststand, schrieb WikiLeaks: "Wow."

Im Dezember 2016 wandte sich die Plattform noch einmal an Trump junior: Es sei "sehr leicht und hilfreich für deinen Vater", Australien vorzuschlagen, Assange zum US-Botschafter zu ernennen. WikiLeaks-Gründer Julian Assange war vor einem europäischen Haftbefehl aus Schweden wegen Vergewaltigungsvorwürfen in die Botschaft Ecuadors in London geflüchtet, dort sitzt er seit mehr als fünf Jahren fest (hier lesen Sie ein Interview mit ihm: "Sind Sie ein Werkzeug der Russen, Herr Assange?").

Die letzte private Nachricht an Trump junior verschickte WikiLeaks laut "Atlantic" im Juli 2017. Die Plattform wollte sich auf Anfrage des "Atlantic" nicht zu den Nachrichten äußern. Auf ihrem Twitteraccount wurde in der Nacht zu Dienstag aber einer der Tweets von Trump junior geteilt.

aar/dpa

insgesamt 134 Beiträge
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Seite 1
bigmitt 14.11.2017
1. Auf die Gefahr hin...
Auch auf die Gefahr hin das Ich mich wiederhole aber mittlerweile haben Experten nachhaltig dargelegt das es sich bei der Veröffentlichung der DNC Mails um einen "Leak " und nicht einen "Hack" handelt. Die Downloadgeschwindigkeit lässt keinen Remote Zugriff zu. https://consortiumnews.com/2017/07/24/intel-vets-challenge-russia-hack-evidence/
sven2016 14.11.2017
2.
Schäbig, was so Alles nach und nach herauskommt. Der Gesamteindruck einer amoralischen und verschlagenen Familie von Dunkelmännern (und -frauen) verdichtet sich. Gut, dass die Leute vom Staatenlenken wenigstens keine Ahnung haben.
planet-ex 14.11.2017
3. For the times they are a-changin'
Oh wie ich mich noch gerne an die Obama Zeit erinnere, als Wikileaks als Garandfür info freiheit gald. Damas gings halt meist über Bush leaks. Aber heute ist das alles vergessen. Heute ist Wikileaks der neue Arm des KBs. Und ich bin wohl auch nur ein russen Bot. BTW: Falls das nicht der Fall sein sollte: Warum ist ein Zusammenspiel zwischen Pareien und Nachrichten Orgas. ein Problem? Oder ist das nur ein Problem wenn es die gegenseite betrifft? Wo sind eigentlich Seit EINEM JAHR die BEWEISE für eine Verbindung der Trump Kampagne und den Russen? Wops..... nirgendwo!? Trotz all der leaks?
Dumme Fragen 14.11.2017
4. Wikileaks komplett unseriös!
So wie das hier klingt, kann man Wikileaks nicht mehr ernst nehmen.
tkedm 14.11.2017
5.
Diese Plattform hatte immer nur Selbstdarstellung im Vordergrund. Wen wundert es da.
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